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"Winnetou II" in Engelberg: Pferde und Bösewichte als Attraktionen

Der zweite Husarenritt des edlen Indianerhäuptlings Winnetou am Fusse des Titlis gelingt insgesamt spektakulär. Eher überraschend ist, wer Karl Mays heutzutage nur schwer erträglichen Pathos besonders zu entschärfen vermag.
Romano Cuonz
Winnetou (Tom Volkers) mit seinem Pferd Iltschi. Rechts Giusy Bringold als Häuptlingstochter Ribanna. (Bild: Romano Cuonz, Engelberg, 6. Juli 2018)

Winnetou (Tom Volkers) mit seinem Pferd Iltschi. Rechts Giusy Bringold als Häuptlingstochter Ribanna. (Bild: Romano Cuonz, Engelberg, 6. Juli 2018)

So viele edle Pferde – hügelauf und hügelab, über Stock und Stein, durchs Wasser und sogar mitten in einen Feuerwall trabende, oft auch rassig galoppierende – hat die Engelberger Naturkulisse am Wasserfall noch nicht gesehen. Über ein Dutzend zählt man. Und es ist wohl auch kein Zufall, dass Regisseur Jean Grädel sie nach der gelungenen Premiere – während des herzlichen Schlussapplauses – alle beim Namen nennen lässt. In der Tat: Die Pferde spielen auf der weiten Engelberger Freilichtbühne eine Hauptrolle. Ziehen die Blicke der Zuschauer oft noch mehr auf sich als die Reiter auf ihren Rücken.

Bösewicht gespielt von ehemaligem Springreiter

Ob von Bremsen geplagt oder von Knalleffekten überrascht: Die feuererprobten Tiere bleiben cool! Und zum Auftritt von Winnetous Rappen Iltschi kommt die unsterbliche Original-Filmmusik von Martin Böttcher. Der treffende Kommentar einer kleinen Pferdenärrin im Publikum: «Oh, das Pferd von Winnetou möchte ich am Schluss streicheln!»

Bild: Romano Cuonz (Engelberg, 6. Juli 2018)
Bild: Romano Cuonz (Engelberg, 6. Juli 2018)
Bild: Romano Cuonz (Engelberg, 6. Juli 2018)
Zwei Engelberger Häuptlinge unter sich: Winnetou Tom Volkers und Talammann Alex Höchli. Bild: Romano Cuonz (Engelberg, 6. Juli 2018)
Bild: Romano Cuonz (Engelberg, 6. Juli 2018)
Giusy Bringold als Ribanna (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
Das Western Dorf (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
Der Schauspieler David Matthäus Zurbuchen als Sam Hawkens (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
Giusy Bringold als Ribanna (links) und Julia Hess als Casey (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
Der Schauspieler Tom Volkers als Winnetou und Giusy Bringold als Ribanna. (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
Ein Ponca Krieger (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
Der Schauspieler Christoph Wettstein als Parranoh (links) und der Medizinmann (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
(Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
(Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
(Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
(Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
(Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
(Bild: Urs Flüeler / Keystone (Engelberg, 4. Juli 2018))
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Winnetou in Engelberg

Damit ist ein wichtiges Attribut erwähnt, welches das diesjährige Stück «Winnetou II – Ribanna und das Kriegsbeil der Poncas» auszeichnet. Der feinfühlig agierende Regisseur Jean Grädel muss ein guter Pferdekenner sein! Genau wie Winnetou-Darsteller Tom Volkers oder der Bösewicht Rollins, gespielt von Peter Pfändler, der gar einmal Springreiter gewesen ist. Ja, selbst Old Shatterhand (Christoph Kottenkamp) hat punkto Reiten seine Greenhorn-Rolle binnen Jahresfrist abgegeben.

Auch in weiteren Bereichen vermag die Aufführung jene vom letzten Jahr zu toppen: Da ist die Freilichtbühne selber. Mit der zackigen Bergkulisse und Tannen, die in schroffe Felsen ragen. Dazu ein echter Wasserfall im Hintergrund. Diese Stärke will aber auch ausgespielt sein. Dies gelingt Jean Grädel: Immer ist, zur Handlung im Zentrum, auch rund herum etwas zu entdecken: Ein Barbier in der Westernstadt, ein Wächter auf dem Pueblodach, Indianerkinder, die einen Hund dressieren, Fischer oder Kanus im künstlichen Fluss. Auch Jäger am unwegsamen Fels.

Kämpfe haben fast ballettähnliche Züge

Die an sich schon unschlagbare Bühne wird von allen Seiten variantenreich und jeden Winkel nutzend bespielt. An der Premiere macht da sogar die Natur aktiv mit: Zuerst mit romantischen Nebelfetzen. Später – während wilder Indianerkämpfe – fallen plötzlich Sonnenstrahlen ein. Färben die Berge beinahe kitschig blutrot! Man muss zweimal hingucken, um sicher zu sein, dass da nicht Scheinwerfer am Werk sind.

Was auch dazu beiträgt, dass das neue Karl-May-Stück in Engelberg zeitweise zum Spektakel wird, ist eine sorgsame Choreografie (Lydia Businger) bei Tänzen und den vielen Kämpfen. Die «Action» wird auf eine bislang in Engelberg noch nicht erreichte Qualitätsstufe gehoben. Fast ohne Berührungen ausgetragen, nehmen die Kämpfe beinahe ballettähnliche Züge an. Überdies sorgt Pyrotechniker Erich Frey dafür, dass immer irgendwo etwas los ist, hier explodiert ein Ölbohrturm, dort kracht, funkelt und zischt es im genau richtigen Moment.

Handlung zuweilen langatmig und langsam

Die Geschichte wirkt, selbst in der gerafften Version von Tom Volkers, etwas langatmig. Auch da und dort kompliziert und verschwommen. Das Spiel zieht sich, zwischen bewegten Höhepunkten auch mal über ganze Szenen mühsam und schleppend dahin. Hoffentlich wird im Verlauf der Zeit auch das Spieltempo jenem der Pferde angepasst.

Eigentlich dreht sich alles um die Häuptlingstochter Ribanna (Giusy Bringold frisch und glaubhaft), die neben Winnetou auch noch zwei weitere Helden begehren: Der gute Old Firehand (Fred Lobin auch als Gutmensch imposant), der sie schliesslich gewinnt. Und dann der finstere Poncas-Häuptling Parranoh (Christoph Wettstein fast diabolisch), der Ribanna gleich mehrmals fängt, damit sie – wie bei Karl May so üblich – wieder befreit werden kann.

Actionszene aus "Winnetou II". (Bild: Romano Cuonz, Engelberg, 6. Juli, 2018).

Actionszene aus "Winnetou II". (Bild: Romano Cuonz, Engelberg, 6. Juli, 2018).

A propos Bösewichte: Diesen fällt in der neuen Inszenierung neben der von Karl May so gerne betonten Schurkenhaftigkeit noch eine wohltuend andere Rolle zu: Ausgerechnet sie sind es, die den aus heutiger Sicht beinahe unerträglichen Pathos der Karl May‘schen Gutmenschen etwas entschärfen. Sei es beim Häuptling Parranoh mit einem eloquenten, kaum erwiderten Plädoyer fürs Böse. Sei es bei Peter Pfändler, dem es gelingt, mit der ihm ureigenen Komik ganz anders böse zu sein.

Schliesslich ist da auch noch Romero Riemer als witzig gieriger Emery Forster. Und natürlich trägt – wie schon vom Original her gewohnt – auch Sam Hawkens (von David M. Zurbuchen agil und kauzig gemimt) dazu bei, dass selbst jene, die mit Harry Potter und Superman gross geworden sind, der alten «Story» noch etwas abgewinnen können. Dies ingesamt dank Naturkulisse, Dramatik, Romantik, Gefühlen und einer Mini-Portion Ironie.

Freilichtspiel «Winnetou II – Ribanna und das Kriegsbeil der Poncas». Bis 12. August in Engelberg. Infos/VV: www.winnetou.ch

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