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PIANIST: Ein Gott der Tasten

Nach Jahren legt Evgeny Kissin ein neues Solo-Album vor. Und stellt sich in die Reihe grosser russischer Beethoven-Interpreten – auch am Piano-Festival Luzern.
Fritz Schaub
Zeigte schon als Kleinkind sein grosses Talent: Evgeny Kissin. (Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival)

Zeigte schon als Kleinkind sein grosses Talent: Evgeny Kissin. (Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival)

Fritz Schaub

Auf dem Cover einer CD der Deutschen Grammophon von 1989 ballt Herbert von Karajan die linke Hand zur Faust, während vor ihm ein bleicher Jüngling mit Baby-Gesicht am Flügel sitzt. Es ist Evgeny Kissin im ersten Klavierkonzert von Tschaikowsky. Dieser am Fernsehen weltweit übertragene Sensationsauftritt in der Berliner Philharmonie öffnete dem 17-Jährigen die Tore zum Westen und zu einer der erstaunlichsten Karrieren an der Schwelle zum 21. Jahrhundert.

Wunderkind-Erfahrungen mit Bach

Schon als Kleinkind zeigte Kissin eine aussergewöhnliche musikalische Reife. Mit 18 Monaten konnte er Bachsche Fugenthemen nachahmen, die er von seiner Mutter hörte, einer Klavierlehrerin. Mit elf Jahren gab er sein erstes Solokonzert. Fünf Jahre vorher war er Schüler von Anna Pavlova Kantor geworden, der er bis ins hohe Erwachsenenalter treu bleiben sollte.

Zu den Merkwürdigkeiten gehörte bis in die jüngste Vergangenheit das regelmässige Erscheinen des Künstlers in Begleitung seiner Mutter und eben dieser Lehrerin. Just in diesem Jahr trat indes eine entscheidende Wende in seinem Privatleben ein. Kissin heiratete im März seine Jugendfreundin Karina Arzumanova, womit sich die Vermutung verfestigt, dieser Künstler fühle sich nur in einer ihm lange vertrauten Umgebung wohl.

Das heisst nicht, dass er sich auch als Künstler nur in gewohnten Bahnen bewegt. Aber Kissin nimmt sich viel Zeit, was Einspielungen betrifft. So ist erst jetzt, nach rund zehn Jahren, wieder ein Solo-Album erschienen mit Live-Aufnahmen aus diesen zehn Jahren. Es sind ausnahmslos Beethoven-Einspielungen, in denen man die Entwicklung Beethovens von den jungen Jahren des Revolutionärs bis in die Spätzeit des schliesslich tauben Komponisten verfolgen kann.

Er gibt dem Revolutionär eine romantische Seele

Parallel dazu erkennt man, wie Kissin selbst sich entwickelt hat, wobei er bereits bei der 2006 aufgenommenen Sonate Nr. 3 seine besondere Stärke offenbart. Der 35-Jährige verfügt einerseits über eine stupende Virtuosität und kann sich auf der andern Seite ganz vertiefen in die stillen Momente, in denen er seine romantische Seite hervorkehrt. Das macht ihn für Beethoven zum idealen Interpreten, hat doch dieser seine Zeitgenossen mit seinen Tastenkünsten in Staunen versetzt, aber mit seinem titanenhaften Geist, der bereits in dieser Sonate hervorbricht, auch verstört und im Spätwerk rätselhafte Ausdrucksebenen erreicht.

Die «Mondschein»-Sonate zeigt ihn bereits auf einer höheren Stufe. Im «Adagio sostenuto» versetzt Kissin einen wie in Trance, so schwerelos und sensibel entfaltet er die Melodie und bringt sie zum Singen. Wie ein Vulkan bricht dagegen das Presto agitato aus und schafft so zum verwunschenen Kopfsatz einen scharfen Kontrast.

Grossartig gelungen in ihrem überschäumenden Ausdruck ist die alle Grenzen sprengende «Appassionata». Der völlig entfesselt vorgetragene Finalsatz mündet in einen stürmischen Applaus (die Aufnahmen sind sonst frei von Nebengeräuschen). In der 2013 in Verbier aufgenommenen letzten Sonate c-Moll op. 111 setzt der frenetische Applaus erst nach einer andächtigen Pause ein, denn der letzte Satz führt in entmaterialisierte Sphären. Für Kissin drückt sich in dieser Sonate der übermenschliche Wille des Komponisten aus, dem Leben trotz aller Krankheit stark zu begegnen. Mit solchen Vorträgen stellt sich der 46-Jährige in eine Reihe mit grossen russischen Beethoven-Interpreten wie Sviatoslav Richter und Emil Gilels.

Hinweis

Beethoven: Klaviersonaten, Variationen c-Moll; DG, 2 CDs.

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