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Pianistin Lise de la Salle tritt in Luzern auf: «Die Leute atmen zu hören – ein unglaubliches Erlebnis»

«Zaubersee» (22.–26. Mai 2019) fokussiert sich auf den Umbruch nach der Russischen Revolution: Mit der Pianistin Lise de la Salle, die mit ihrer russisch-französischen Herkunft nationale Eigenarten thematisiert.
Eines von drei Streichquartetten am Festival: das Pacifica Quartet.Bild: Lisa-Marie Mazzucco/PD

Eines von drei Streichquartetten am Festival: das Pacifica Quartet.Bild: Lisa-Marie Mazzucco/PD

Wollte sich das Zaubersee-Festival ein Gesicht geben, müsste es jenes von Lise de la Salle (Titelbild Stéphane Gallois/PD) sein. Denn die französische Pianistin sagte kürzlich im Gespräch nach ihrem Lunchkonzert des Luzerner Sinfonieorchesters im KKL, sie sei von ihrer Herkunft her beides: Französin sowie Russin. Und es sind solche Welten und Kulturen, die die Tage für russische Musik zusammenführen.

Die Metropole Paris wurde Anfang des 20. Jahrhunderts ein Sammelpunkt für russische Komponisten wie Strawinsky und Prokofjew, die hier den Jazz und Modetänze kennen lernten. Die Schweiz zog mit ihren Zauberseen – dem Genfer- und dem Vierwaldstättersee – Tolstoi, Skrjabin und Rachmaninow an, Letzterer fand in der Villa Senar in Hertenstein ein prominentes Exil.

Der Aufbruch in Paris um 1900

Diese bekannten Namen scheinen im Festival-Programm auf mit Stars wie den Pianisten Lise de la Salle und Marc-André Hamelin, dem Cellisten Steven Isserlis oder der Geigerin Victoria Mullova. Dazu kommt der Anspruch, Entdeckungen im Bereich russischer Musik wie junger Interpreten zu machen. Ein Leit­faden dafür sind das Jahr 1919 und damit der Umbruch in den Jahren nach der Russischen Revolution.

Im Programm, das Lise de la Salle mit dem Cellisten Christian-Pierre La Marca spielt, ist unter dem Motto «Paris Moscou» von allem etwas drin. Werke von Gabriel Fauré stehen für die Musik, der Russen um 1900 in Paris begegneten. Strawinsky ist mit einer Arie aus der Oper «Mavra» vertreten, eine Ode von Alexander Tscherepnin führt die russische Seele ins 20. Jahrhundert weiter. Klassiker des russischen Repertoires sind der Marsch aus Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» und Rachmaninows Cellosonate in g-Moll.

Wo sieht Lise de la Salle Gemeinsamkeiten zwischen der französischen und der russischen Musik? «Das Ziel war nicht, nach expliziten Gemeinsamkeiten zu suchen», sagt die Pianistin. «Ich möchte vor allem zeigen, welch unterschiedliche Persönlichkeiten in dieser verrückten Zeit in Paris zusammentrafen und dadurch Ausdruck einer Epoche des Umbruchs sind. Da kann die Musik des einen eher ein Echo auf die Musik der anderen sein.» Ein solches Echo ist die Eleganz, die man eher mit französischer Musik verbindet, die aber Lise de la Salle in Werken russischer Komponisten wie Rachmaninow oder Strawinsky mit einem neuen Ausdruck wiederfindet.

Nationale Klischees

Im Zusammenhang mit französischer und russischer Musik sind rasch weitere Klischees zur Hand. Clarté und Esprit dort, russische Seele hier: Wie hält es de la Salle als Interpretin mit solchen Klischees? Auch wenn sie die Klischees am Beispiel von Rachmaninow differenzieren wird: Für sich selber kann sie diese durchaus adaptieren. «Eine gewisse Verrücktheit und die Intensität des Musizierens, ein Hang zu Melancholie und Drama gehören vielleicht zu meinem russischen Erbe», sagt sie lachend. «Aber ich will mich am Flügel auch so klar wie nur irgendwie möglich ausdrücken. Insofern bin ich wohl eher von der französischen Kultur geprägt.»

Dass man solche Klischees nicht platt verstärken darf, veranschaulicht die weltweit gefeierte Pianistin am Beispiel Rachmaninows: «Seine Musik halten viele für allzu bombastisch und sentimental – aber dem kann ich überhaupt nicht zustimmen. Sie ist vielmehr unglaublich raffiniert, wenn man sie entsprechend spielt», sagt sie engagiert. «Wie bei einem Dessert, das man nicht mit Süssigkeiten überladen darf, sollte man Rachmaninow nicht mit noch mehr Pedal, Vibrato oder Rubato überfrachten. Und die Cello-Sonate, die wir spielen, zeigt exemplarisch, wie wichtig die ‹Clarté› auch in seiner Musik ist.»

Yoga hilft im Mittagskonzert

Zu den Spezialitäten des Zaubersee-Festivals gehören Konzerte in der St. Charles Hall oder im «Schweizerhof». Wie attraktiv sind solch kleine Säle für Musiker? «Wenn man vor 1000 Besuchern spielt, gibt das eine Erregung und einen Adrenalinstoss, die sich in intimen Sälen so nicht einstellen», schwärmt Lise de la Salle, ohne zu werten: «Aber wenn man in einem kleinen Saal Kammer­musik spielt, kann man die Leute fast atmen hören. Und spürt, wie sie mitmachen. Da berührt man sich quasi durch die Luft – auch das ist ein unglaubliches Erlebnis.»

Zur Mittagszeit, wo viele Zaubersee-Konzerte angesetzt sind, muss man hier wie dort lernen, «die Magie herzustellen, weil auch das Publikum ruhiger ist», lacht sie, «ich bin zwar ein Nachtmensch, aber weil ich Yoga mache und gewohnt bin, mit Energien umzugehen, mag ich diese Herausforderung.» Eine entscheidende Rolle spielt ohnehin immer das Publikum. Und diesem gibt Lise de la Salle in Luzern Bestnoten: «Auch weil das Publikum hier so aufmerksam zuhört, gehö­ren Auftritte in Luzern zu den Highlights meiner Saison.»

Urs Mattenberger

Grenzgänge und Hommagen im Zeichen russischer Musik

Das Zaubersee-Festival umfasst acht Kammermusikkonzerte abends und zur Mittagszeit sowie ein Sinfoniekonzert im KKL.
Ein Highlight zur Eröffnung
Der französische Pianist Marc-André Hamelin, als Virtuose ein Spezialist für kniffligste Klavierliteratur, spielt ein breit gefächertes russisches Programm: Musik von Alexander Skrjabin und dessen Zeitgenossen Nikolai Medtner, Werke des wiederentdeckten Samuil Feinberg und eine Polonaise und ein Scherzo von Chopin (Mittwoch 22. Mai, 19.30, Zeugheersaal, Schweizerhof).
Rasumowski auf Liegestühlen
Für einen frühen Bezug zwischen Russland und Wien stehen am Donnerstag, 23. Mai, drei Konzerte mit Beethovens Rasumowski-Streichquartetten –, benannt nach einem russischen Mäzen. Das Castalian Quartet spielt das zweite (12.30, St. Charles Hall), das Pacifica Quartet das erste (19.30, Schweizerhof) und dritte, das man sich im Wintergarten des «Schweizerhofs» auf Liegestühlen anhören kann (22.00). In den ersten der beiden Konzerte erklingen mit weiteren Musikern wie dem Pianisten Hamelin Meisterwerke von 1919.
Zwei Mal «Paris–Moscou»
Der Freitag, 24. Mai, unternimmt Grenzgänge zwischen Russland und Frankreich. Die Pianistin Lise de la Salle und der Cellist Christian-Pierre La Marca fokussieren sich in «Paris–Mos­cou» auf Paris nach der Jahrhundertwende (12.30, St. Charles Hall). Die reichhaltig besetzte «Hommage» an den nach Paris exilierten Futuristen Arthur Lourié ergänzt dessen Kammerkonzert für Violine mit Werken von Strawinsky, Prokofjew, Schostakowitsch (Streichquartett Nr. 7) und Tschaikowsky («Souvenir de Florence», 19.30, Matthäuskirche).
Finnland trifft Russland
Am Samstag, 25. Mai, erklingen nach einer Hommage an den legendären russischen Geiger Adolph Brodsky (12.30, St. Charles Hall) im KKL grosse Werke aus Finnland und Russland: Das Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung von Oleg Caetani spielt nach dem Violinkonzert von Sibelius (mit Viktoria Mullova) die 6. Sinfonie von Schostakowitsch (19.30, KKL, Konzertsaal).
Russische Cello-Seele
Ein Highlight beschliesst auch das Festival: Steven Isserlis, britischer Cellist mit russischen Wurzeln, spielt mit dem Pianisten Olli Mustonen Cellosonaten von Prokofjew, Kabalewski und Schostakowitsch (Sonntag, 26. Mai, Schweizerhof). (mat)
Mittwoch, 22., bis Sonntag, 26. Mai
Diverse Orte, Luzern
Info und VV: www.zaubersee.ch/

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