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PIANO-FESTIVAL: Die Piano-Zukunft hat längst begonnen

Mit der Steigerung auf knapp 20 000 Besucher hält beim heute zu Ende gehenden Klavier-Festival der Aufwärtstrend an. Ein Geheimnis für den Erfolg lüftete neben Debut-Konzerten der Auftritt von Daniil Trifonov im Konzertsaal.
Urs Mattenberger
Bestätigte Argerichs Wort von der zärtlichen Besessenheit: Daniil Trifonov am Freitag im Konzertsaal des KKL. (Bild: LF/Peter Fischli)

Bestätigte Argerichs Wort von der zärtlichen Besessenheit: Daniil Trifonov am Freitag im Konzertsaal des KKL. (Bild: LF/Peter Fischli)

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Vor ein paar Jahren stellte Lucerne Festival besorgt fest, es gebe gerade mal eine Handvoll Pianisten, die noch in der Lage waren, einen Konzertsaal wie jenen des KKL zu füllen. Solche Zukunftssorgen machte das diesjährige Piano-Festival doppelt gegenstandslos. Ein inhaltliches Signal für eine grosse Piano-Zukunft setzte am Freitag das ausverkaufte Rezital des 26-jährigen Jungstars Daniil Trifonov. Und die Bilanz des heute zu Ende gehenden Festivals bestätigt den Aufwärtstrend der letzten Jahre.

So zählten die 15 Konzerte 14 000 Besucher (2016: 11 900) und egalisierten trotz zwei zusätzlichen Konzerten beinahe die letztes Jahr auf 89 Prozent gesteigerte Auslastung (jetzt 87). Mit den 5500 Gästen in den Gratis-Veranstaltungen sind das insgesamt 19 500 Besucher, 2100 oder 18 Prozent mehr als im Vorjahr.

Sommer-Formate und individuelle Debuts

Damit bewährt sich das Konzept, das Programm des Piano-Festivals mit Sommer-Formaten auszuweiten. Neben dem Tastentag, der dem «Erlebnistag» des Sommers allerdings hinterherhinkt, waren das Veranstaltungen, bei denen das Klavier gar nicht im Zentrum steht. Das gilt für die heutige «Hommage an Claudio Abbado» mit Akademisten der Berliner Philharmoniker wie für die Wiederkehr des Gemeinschaftsprojekts der Band «Hildegard lernt fliegen» mit Lucerne Festival Alumni (Ausgabe von morgen).

Aber das Erfolgsgeheimnis eines Piano-Festivals bleibt, wie hier Einzelgänger ihr Instrument individuell zum Klingen bringen. Solche Individualitäten illustrierten schon die Debuts vom Donnerstag und Freitag Mittag in der Lukaskirche. Da setzte die Schweizer Pianistin Aglaia Graf (31) auf prägnante Kontraste in Farbe, Dynamik und Artikulation auf engem Raum. Und akzentuierte damit in Werken von Mozart (Rondo KV 485) oder Beethoven (Sonate op. 31.3) den kühnen Experimentiergeist in traditionellen Formen – ein Rahmen, in dem sich auch ihre Eigenkomposition wie Ginasteras Danzas argentinas bewegten. Die Italienerin Beatrice Rana (24) konzentrierte sich am Freitag in einem Programm wie aus einem Guss auf zwei Herzstücke der Romantik. Und fand über allen Kontrast im Detail in Schumanns Sinfonischen Etüden zu einer enormen Spannweite an Ausdrucksmitteln – von verlöschenden Ghost Notes in den Sinfonischen Etüden, die an Schumanns Idee der inneren Stimmen erinnerten, bis zum unbändig pochenden und hymnischen Aufruhr in Liszts Klaviersonate.

Schon nach dieser reifen Leistung war klar, dass man sich um die Zukunft der Klavierkunst keine Sorgen machen muss. Sensationell bekräftigte das das Rezital von Daniil Trifonov. Die Verbindung von «Zärtlichkeit» mit einer fieberhaften «Besessenheit», die Martha Argerich früh bestaunte, prägte hier die beiden Programmteile, in denen Trifonovs schlanker und unglaublich wandelbarer Klavierklang unterschiedlich zur Geltung kam.

Gesang über den Gräbern

In den Chopin-Hommagen des ersten Teils staunte man über die Zärtlichkeit, mit der die Hände des Pianisten, quasi mit Bodenhaftung an den Tasten, den Flügel samtpfotenweich und quasi ohne Anschlag zum Klingen brachte. In Chopins zweiter Klaviersonate dann wandelte sich der Russe zum besessenen Entfesslungskünstler. Fahrig schnell stürzte er sich in den letzten Satz, mit einer Kurzatmigkeit, die kaum Zeit zur Entfaltung liess.

Bleischwer dann der Klang im berühmten Trauermarsch, wobei Trifonov hier nach jedem Akkord die Hände hob, als wollte er ihn skulptural formen. Wenn sich die darin eingemauerte Melodie endlich wie im Flug über die Gräber löste, konnte man noch einmal staunen, wie dieser Pianist singen kann, bevor der dramatisch ausgereizte Final-Spuk allem ein Ende machte. Keine Schulbuch-Wiedergabe des Werks, aber eine Lektion in grosser Pianistik, die zeigte: Die Zukunft hat längst begonnen.

Hinweis

Konzerte heute Sonntag:

Hommage à Claudio Abbado, 11 Uhr, Luzerner Saal: Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker (Werke von Rihm, Schumann und Vito Zuraj, Gewinner des Abbado-Kompositionspreises 2016).

Schlusskonzert, 17 Uhr, Konzertsaal: Festival Strings Lucerne mit Piotr Anderszewski (Klavierkonzerte von Haydn und Mozart).

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