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PIANO-FESTIVAL: Jedes Prélude wird zur kleinen Erzählung

Von der Debütantin von einst zum Jungstar: Die Pianistin Lise de la Salle zeigt, wie das Festival erfolgreich seinen Nachwuchs aufbaut.
Begeisterte am Lucerne Festival Piano: Lise de la Salle. (Bild: PD/Priska Ketterer)

Begeisterte am Lucerne Festival Piano: Lise de la Salle. (Bild: PD/Priska Ketterer)

Das Spannende am Piano-Festival sind die Charaktere der verschiedenen Pianisten, die man sozusagen geballt erleben kann. Da spielen neben Altmeistern wie Radu Lupu oder Maurizio Pollini junge Talente in Debüts, wo man immer wieder Entdeckungen machen kann.

Wie im Fall von Lise de la Salle, die in den letzten Jahren quasi die Seiten wechselte: Nachdem sie 2008 zwanzigjährig am Lucerne Festival mit Mozart, Liszt und Prokofjew debütierte, trat sie bald in regulären Abend-Rezitals in einer Reihe mit den Stars auf. Und stellte sich mit ihrer klaren Anschlagstechnik und einer verblüffenden Virtuosität, die immer dem Ausdruck untergeordnet ist, als Ausnahmetalent vor.

Dynamische Bandbreite

Dass sowohl Radu Lupu als nun auch Lise de la Salle Variationswerke von Brahms im Programm hatten, brachte weitere Spannung: Wie unterscheiden sich hier die Generationen? Und es zeigte sich am Mittwochabend ganz deutlich: Beide leuchten die Musik von innen heraus fein aus, sie bleiben in der Poesie ebenso wie in klaren Strukturen und sind doch unverkennbar ganz individuell in der Interpretation.

In ihrem Rezital lotete Lise de la Salle das Thema mit Variationen d-Moll von Johannes Brahms in einer grossen dynamischen Bandbreite aus. Sie spielte weich und biegsam auch in vollgriffigen Passagen, formte einen orchestralen Klang und fächerte diesen filigran auf.

In den 25 Variationen mit Fuge von Brahms über ein Thema von Händel pointierte sie die Kontraste. Stellte das Thema mit barocken Verzierungen vor und liess es in den teils tänzerischen, teils in düstere Chromatik versinkenden Variationen immer wieder deutlich aufleuchten.

Die phänomenale Technik der jungen Pianistin machte Maurice Ravels «Gaspard de la nuit» zu einer Reise durch impressionistische Poesie, die nicht ahnen liess, dass Ravel selbst das Werk als extrem schwierig ­bezeichnete. Die glitzernden Wasserspiele der Nixe waren sprühend zu hören, das stete Umspielen der durchgängig schlagenden Totenglocke leitete über zu den halsbrecherisch grotesken Sprüngen des Teufelszwerges.

Mit tiefer Ruhe

Auch in den sechs ausgewählten Préludes von Claude Debussy unterstrich Lise de la Salle ihre Ausdruckskraft, indem sie jedes Prélude zu einer kleinen charakteristischen Erzählung gestaltete. Einzig misstönend war das an den wunderbar leisen Stellen immer wieder aufbellende Husten aus dem Saal – der Herbst machte sich bemerkbar.

Die mit tiefer Ruhe gespielte Zugabe, der Bach-Choral «Nun komm der Heiden Heiland», hätte zum Programm nicht gegensätzlicher sein können – und macht Lust auf ein weiteres. Er wünsche sich einen ganzen Abend nur mit Bach, sagte ein Besucher, gespielt von Lise de la Salle.

Gerda Neunhoeffer

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