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PIANO-FESTIVAL: Pianistin veredelt die «Geiss» vom ersten Rang

Gabriela Montero erzählte am Flügel Geschichten von Kindheit und Dunkelheit. Und zeigte mit ihren Improvisationen, was ein Klavierfestival so alles bieten und verpassen kann.
Urs Mattenberger
Die Pianistin Gabriela Montero bei ihrem Auftritt im KKL. (Bild: Priska Ketterer/Lucerne Festival)

Die Pianistin Gabriela Montero bei ihrem Auftritt im KKL. (Bild: Priska Ketterer/Lucerne Festival)

Die venezolanische Pianistin Gabriela Montero zeigte im ersten Rezital vom Montag exemplarisch, was an einem Piano-Festival möglich ist – über dieses Rezital hinaus. Da fügten sich schon die Klassiker-Interpretationen zu einem spannenden inhaltlichen Thema. Montero präsentierte im ersten Teil mit Kinderszenen von Schumann und Check Corea sowie Improvisationen über eigene Kindheitsimpressionen «eine Welt der Reinheit und Unschuld», wie sie im weissen Kleid ins Mikrofon erklärte. Nach der Pause verschmolz die Pianistin auch optisch in Schwarz mit dem Konzertflügel, als sie an das «Schlimmste in uns» erinnerte, an «Lebenserfahrungen, Dunkelheit, Schostakowitsch».

Ihre Improvisationen wiesen zudem voraus auf das gestrige Opening des Piano Off-Stage mit den Jazzpianisten, die bis Sonntag in Luzerner Bars auftreten. Dass sich Monteros Klassik-Improvisationen und die Jazz-Improvisatoren da nicht begegneten, ist für ein solches Festival doch eine verpasste Chance.

Natürlich ist das Markenzeichen dieser Pianistin, dass sie mit der zu Zeiten von Mozart und Co. selbstverständlichen Kunst der Improvisation das Klavierrezital auflockert. Aber schon Schumanns Kinderszenen bewiesen ein zweites Markenzeichen dieser Pianistin als Interpretin: Ein weicher, runder, ja luxuriöser Klavierklang, den sie auf dem jüngsten Steinway des KKL kultivierte.

Poesie der Träumereien hervorgekehrt

Mag sein, dass dieses Klanggewand Schumanns Kinderszenen eine gewisse Fülle und Schwere gab und die Mehrstimmigkeit einzelner Stücke – mit sparsam akzentuierten Bässen – etwas nivellierte. Aber Montero kehrte damit die Poesie dieser Träumereien hervor und kontrastierte sie mit packender Attacke – eine Mischung, die sie in Coreas zwischen Impressionismen und Ostinato-Motorik pendelnden «Children’s Songs» pointierte.

Das galt mehr noch für Schostakowitschs zweite Klaviersonate. Die fahrige Besessenheit dieses Werks stanzte die Pianistin schlackenlos deutlich aus dem Flügel heraus, ohne das Ideal eines schönen Klangs zu verraten. So blieb auch in dieser Welt der Düsternis die Tür ein Spalt weit offen – hin zu den ätherisch verhauchten Klängen des Mittelsatzes und zu Satzschlüssen, die noch den letzten Rest an pianistischer Perkussion in versöhnlichen Wohlklang umschmolzen.

Ein Ereignis für sich waren die Improvisationen. Monteros Kindheitserinnerungen wurden zu Charakterstücken, die impressionistische Naturbilder mit Grossstadtrhythmen zu Geschichten verbanden. Noch frappanter ist für das Publikum, wenn es, wie hier am Schluss, Melodien vorgeben und staunen kann, wie sich diese in alle möglichen klassischen Stile verwandeln.

Höhepunkt war hier das Volkslied «Det äne am Bärgli, det stoht e wissi Geiss», das eine Konzertbesucherin beherzt vom ersten Rang herunter sang. Wie die Pianistin das zu einer vielstimmigen Bach-Busoni-Fantasie veredelte, machte Spass und war auch pianistisch von grossem Reiz. Der begeisterte Publikumsapplaus war seinerseits eine Empfehlung für einen Auftritt dieser Pianistin an einem Erlebnis- oder Tastentag des Festivals.

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

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