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PIANO-FESTIVAL: Wiener Klassik ohne Dirigent

Die Festival Strings Lucerne spannten im Abschlusskonzert mit einem prominenten Solisten zusammen, der am Ende des Konzertes mit einer Überraschung aufwartete.
Fritz Schaub
Die Festival Strings Lucerne im KKL, geleitet von Piotr Anderszewski. (Bild Peter Fischli/LF (Luzern, 26.11.2017))

Die Festival Strings Lucerne im KKL, geleitet von Piotr Anderszewski. (Bild Peter Fischli/LF (Luzern, 26.11.2017))

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

Mit einem Sinfonieorchester und einer legendären Pianistin hat das diesjährige Piano-Festival begonnen. Mit einem Sinfonieorchester und einem arrivierten Pianisten ging es am späten Sonntagnachmittag auch zu Ende – vor einer ähnlich imposanten Kulisse wie beim Eröffnungskonzert. Es ist erfreulich und hochverdient, dass sich die Festival Strings in einem solch festlichen, internationalen Rahmen präsentieren und so auch an ihrem Hauptsitz in jenes Licht rücken können, das ihnen auf den Ausland-Tourneen regelmässig begegnet, so etwa in Hamburg in der Elbphilharmonie, wo sie als erstes Schweizer Orchester auftreten konnten.

Aus dem prestigeträchtigen neuen Konzerthaus in Hamburg kamen auch Andreas Schaerers Band Hildegard lernt fliegen und das Orchester der Lucerne Festival Alumni, die am Samstag im Luzerner Saal Jazz und Klassik miteinander verschmolzen (siehe Ausgabe von gestern). Vor zwei Jahren hatte es am Lucerne Festival im Sommer mit der Eigenproduktion «The Big Wig» Premiere gefeiert – jetzt unterstrich es mit dem neuerlichen Konzert, wie sehr das Piano-Festival in den letzten Jahren mit Sommer-Formaten ausgeweitet wurde, das heisst mit Veranstaltungen, in denen das Klavier gar nicht im Zentrum steht.

Dazu gehört auch die «Hommage à Claudio Abbado» mit Akademisten der Berliner Philharmoniker, die am Sonntagvormittag unter Stanley Dodds ebenfalls über die Bühne des Luzerner Saals ging.

Klavier nochmals im Mittelpunkt

Am Nachmittag allerdings beim Konzert der Festival Strings im Konzertsaal stand noch einmal das Klavier im Zentrum, und zwar gleich zweimal. Pikanterweise spielte der polnisch-ungarische Pianist Piotr Anderszewski mit dem Klavierkonzert D-Dur Hob.XVII:11 von Joseph Haydn jenes Konzert, das am Samstagabend der Luzerner Pianist Joseph Sieber im Maihof sozusagen «off-stage», begleitet von einem Laienorchester, gespielt hatte (Ausgabe von gestern).

Haydn war im Gegensatz zu Mozart kein Tastenvirtuose, und seine vier Klavierkonzerte nehmen sich neben den 104 Sinfonien recht bescheiden aus. Ganz auf die Texturen des Cembalos konzipiert, erfordern sie vor allem Geläufigkeit und einen eher körnigen Anschlag. Erfreulich, dass sich ein Pianist vom Format ­Anderszewskis nicht zu schade ist, ein solches Werk zu spielen. Da die Festival Strings keinen Dirigenten kennen, übernahm er selber die Leitung vom Klavier aus; für den Zuhörer immer etwas gewöhnungsbedürftig, da der Pianist seitlich zum Orchester sitzt und nur mit Verrenkungen den Kontakt zum Konzertmeister und zu den Spielern findet.

Souveräner Solist

Als Solist agierte der 48-jährige Pole souverän, tippte die Tasten im Allegro nur kurz, aber kräftig an, ohne einen Cembalo-Klang erzeugen zu wollen, und setzte, wenn auch äusserst sparsam, das Pedal ein. Eine besondere Note gab er der Wiedergabe durch die eigenen Kadenzen. Vor allem den Kopfsatz weitete er durch virtuosen Schwung bedeutend aus, während er im Mittelsatz («Un poco Adagio») fein ziseliert, bewusst zögerlich kadenzierte, wobei auch das Orchester mit schönem Piano-Spiel den Solisten begleitete. Vehement stürzten sich Solist und Orchester in das «Rondo all’Ungharese» und wirkten doch eine Spur zu kontrolliert.

Dies schien auch der als sehr selbstkritisch geltende Solist zu meinen, jedenfalls wiederholte er mit den Strings – nach zwei Janácek- und Bartók-Zugaben – seinerseits am Ende den Rondo-Satz, zur Begeisterung des Publikums in schnellerem Tempo, spontaner und kräftiger das ungarische Element befeuernd.

Den Höhepunkt aber hatte trotzdem die Wiedergabe des Klavierkonzerts G-Dur KV 453 von Wolfgang Amadé Mozart bedeutet, wo Anderszewski die Klangfülle und die Brillanz des Steinway-Flügels voll ausnützte und doch mit feinem Legato-Spiel und mit Sensibilität auch die Zwischentöne dieses zwischen Heiterkeit und Melancholie schwebenden Konzerts aushorchte. Das Orchester hatte schon zu Beginn mit der Sinfonie B-Dur KV 319 den wienerischen Tonfall dieses Sinfoniekonzerts angeschlagen und nahm mit der kurzen Sinfonia D-Dur «La veneziana» von Antoni Salieri so etwas wie eine Ehrenrettung dieses zu Unrecht als Giftmörder Mozarts verdächtigten Komponisten vor, beide Male stilistisch angemessen geführt vom Konzertmeister Daniel Dodds.

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