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PIANO-FESTIVAL: Zwillinge verschmelzen ohne Augenkontakt zur musikalischen Einheit

Programmakzente im ersten Debut, Starglanz mit dem Duo Güher und Süher Pekinel am Abend: Das Festival brachte die Klangmaschine Klavier am Mittwoch ganz unterschiedlich zum Klingen.
Güher und Süher Pekinel. (Bild: PD)

Güher und Süher Pekinel. (Bild: PD)

Wie im Sommer sind die Debuts auch beim Piano-Festival beliebt. Schon beim ersten Debut dieses Festivals war der Andrang vor der Lukaskirche am Mittwochmittag gross. Und man wurde zunächst mit neuen Klängen überrascht, denn Christopher Park begann nicht mit Beethoven, wie im Programm aufgeführt, sondern stellte «Trurl-Tichy-Tinkle» von Olga Neuwirth (geb. 1968) an den Anfang. Es war ein Beispiel dafür, dass bei Debut-Konzerten ausserordentliche Programmakzente möglich sind. Das kurze Stück wurde 2016 für den jungen Pianisten komponiert und beschreibt in witzigem «Geklimper» das schwierige Gestalten einer Klangmaschine.

Da fegen die Akkorde über die Klaviatur, jagen die Hände einander wie Tom und Jerry, rhythmisch-perkussive Oktaven hüpfen kreuz und quer, und es ­entsteht ein wirbelndes Klanggemisch, das in einem Ragtime endet. Der deutsch-koreanische Pianist spielte mit müheloser Technik, er traf den skurrilen Duktus dieser Geschichte zwischen Mensch und Maschine perfekt.

Heftige Akkorde, fliessende Läufe

Dann stürzte er sich förmlich in «Trois mouvements de Pétrouchka» von Igor Strawinsky. Furios, zupackend und virtuos liess er die Jahrmarktszenen entstehen, meisselte einzelne Töne geradezu heraus und verband orchestrale Klangfülle mit tänzerischer Beweglichkeit. In Beethovens Sonate D-Dur op. 10 Nr. 3 spielte er das Presto an der äussersten Tempogrenze, im Menuetto überwogen gesangliche Momente, bevor er das Rondo mit geschärften Läufen und starken Akzenten gestaltete. Wuchtig interpretierte er «Après une lecture du Dante» von Franz Liszt.

Später am Abend überzeugte das Klavierduo Güher und Süher Pekinel im KKL-Konzertsaal mit intuitivem Zusammenspiel. Seit 40 Jahren mit umfassendem Repertoire auf den Bühnen der Welt, spielen sie nun in ganz spezieller und ungewöhnlicher Aufstellung: nicht mehr einander zugewandt, sondern an leicht versetzt stehenden Flügeln gestaffelt hintereinander, ohne Augenkontakt.

Zuerst aber spielten sie vierhändig Mozarts «Orgelstück für eine Uhr» in f-Moll mit weich umschlungenen Verzierungen. Für die Fuge c-Moll KV 426 und die Sonate D-Dur KV 448 für zwei Klaviere nahmen sie an den beiden Flügeln Platz – und spielten sich doch mit traumwandlerischer Sicherheit die präzise phrasierten Themen zu – selbst Verzögerungen erklangen gemeinsam.

In «En blanc et noir» für zwei Klaviere von Claude Debussy spielten sie mit untrüglichem Gespür für Debussys Empfindungen die Wechsel zwischen heftigen Akkorden und leicht fliessenden Läufen aus. Mit «Avec emportement» (mit Wut zu spielen) ist das erste Stück überschrieben; dieses Gefühl kam deutlich zum Ausdruck, wurde aber immer wieder zurückgenommen und lichtete sich in feine Klangkaskaden. Eine glockenhelle Melodie schwang sich im zweiten Stück aus dunkler Tiefe empor, sie kam abwechselnd in beiden Klavieren zum Ausdruck und verwob sich zu immer dichteren Klängen. Im Scherzando vermischten sich die teils grotesken und teils liedhaften Themen zu einem geheimnisvollen Grund, aus dem kristallene Töne herausleuchteten.

«Sentimiento» von Manuel Infante (1882–1958) mit andalusischen Tanzrhythmen erklang zum ersten Mal bei Lucerne Festival und war quasi die Vorbereitung für die «Rapsodie espagnole» von Maurice Ravel. Hier kam der orchestral gestaltete Klangreichtum von Güher und Süher Pekinel besonders zur Geltung. Filigran zogen sich die schwebenden Läufe von einer Tastatur zur anderen, impressionistisch zart verschmolzen die Rhythmen und steigerten sich zu tänzerischer Ekstase. Und nach langem Applaus wurde das Publikum mit Lutoslawskis Variationen über ein Thema von Paganini noch einmal virtuos verabschiedet.

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

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