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PIANO OFF-STAGE: Jazz, geträumt und erkämpft

Das kleine und feine Jazzfestival bringt wieder die verschiedensten Pianisten in die Bars von Luzern. Am Dienstag präsentierten sie sich vor grossem Publikum. Mit Melancholie, nicht ohne Temperament.
Susanne Holz
Sie gaben ein super Boogie-Team ab: Tommy Weiss (links) und Lluis Coloma. (Bild: LF/Priska Ketterer (Luzern, 21. November 2017))

Sie gaben ein super Boogie-Team ab: Tommy Weiss (links) und Lluis Coloma. (Bild: LF/Priska Ketterer (Luzern, 21. November 2017))

Susanne Holz

susanne.holz@luzernerzeitung.ch

Der Free-Jazzer Don Cherry erzählte mal über den Jazz-Musiker und Mitbegründer des Bebop Thelonious Monk Folgendes: «Das war 1961. Monk besuchte uns für drei Tage in der Wohnung meiner Mutter. Meine Mutter war sehr erstaunt über Monk und fragte mich, ob er verrückt sei. Ich sagte ihr, dass die New Yorker nun mal so sind. Dauernd war er am Tanzen, und dann ging er in den Laden an der Ecke und kaufte zehn Packungen Orangensaft und zehn mit Milch.»

Stets in Bewegung war beim Piano Off-Stage am Dienstagabend im Luzerner Saal des KKL leider niemand – ausser den Pianisten natürlich, die auch Monk zum Besten gaben. Aber es waren erneut so viele Freunde des Jazz zum famosen ­Gratis-Event gekommen, dass manch einer stehen musste, bevor es in der Pause Orangensaft gab. Milch gab es keine, dafür aber viel Jazz, der vermutlich auch Thelonious Monk Freude gemacht hätte.

Acht renommierte Pianisten läuteten das diesjährige Piano Off-Stage ein, in dessen Rahmen sie noch bis Sonntag in diversen Bars Jazz in vielen stilistischen Varianten spielen. Denn auch die Blue ­Notes gehören zum Piano-Festival. Und diese gab es am Dienstag mal kraftvoll, mal melancholisch – es wurde geträumt, gekämpft und auch gearbeitet an den zwei Steinway-Flügeln, einer in Rot, der andere in Schwarz.

Musik mit Leidenschaft und auch für den Intellekt

Modernes Jazzpiano bietet zum Einstieg ein «local hero»: Alessandro d’Episcopo machte sein Jazz-Diplom einst in Montreux. Dem Publikum im Luzerner Saal präsentiert er eine verträumte Eigenkomposition, seiner Tochter gewidmet, «Lunita». Auf Italien folgt Japan: Ayako Shirasaki greift zielgerichtet in die Tasten, wenn sie «Lotus Blossom» von Billy Strayhorn spielt. Und das Publikum sitzt immer noch brav und ruhig da, als auf «the one and only lady» an diesem Abend der gefeierte Stride-Piano-Virtuose Rossano Sportiello folgt. Ein Meister im Solo-Klavierstil aus der Frühzeit des Jazz, erhält Sportiello den erwarteten grossen Applaus für seine präzise Interpretation von «Misty» und «Shoe Shine Boy».

Richtig lebendig wird es aber erst mit dem Auftritt von Tommy Weiss. Der Deutsche ist bekannt für Blues, Boogie und unkonventionelles Spiel. Weiss improvisiert Melodien von Fats Waller – schlaksig und aufrecht sitzt er am Flügel, sehr präsent und mit dem Willen zum Ausdruck. Eine konzentrierte Leidenschaft, die viel Freude macht.

Auf Tommy Weiss folgt ein Landsmann aus Stuttgart: Olaf Polziehn, einer der gefragtesten Jazzpianisten Deutschlands, stilistisch einzuordnen zwischen Swing und Moderne. Polziehn spielt ein nachdenkliches Stück, eine Eigenkomposition namens «Remembering». Musik für den Intellekt. Eine solche bietet nach der Pause auch der – trotz seiner Jugend schon mehrfach preisgekrönte – New Yorker Addison Frei. Frei huldigt mit einem Medley von Vernon Duke dem Herbst in New York. Und dann gibt es eine schöne Überraschung: Auf die Bühne tritt seine Freundin, Jazzsängerin Tahira Clayton. Und singt, ganz in Schwarz, vom Frühling. Das ist leicht und locker und gefällt. Belohnt wird die New Yorkerin mit einem Extra-Applaus.

Was nun kommt, sind Drive und Tempo und viel gute Laune: Blues- und Boogie-Pianist Lluis Coloma erobert das Piano. Der gefragte Spanier verbreitet mit zwei Boogie-Eigenkompositionen gute Stimmung im ganzen Saal. Ein fröhlicher Kämpfer am Klavier, der inspiriert und jede Melancholie in Wärme auflöst.

Im Dienste von Trillern und Tremoli

Noch wärmer wird’s, als Tommy Weiss und Lluis Coloma an den Flügeln zusammenfinden: Das ist zweimal unverkrampfte Lebensfreude, während Colomas Finger nur so über die Tasten fliegen – im Dienste von Trillern und Tremoli. Bevor etliche weitere Jam-Sessions folgen, bringt aber auch noch der erst 21-jährige Zürcher Maurice Imhof eine erstaunliche Präsenz und Kraft auf die Bühne. Imhof spielt eine Eigenkomposition, «Stride 007». Ein echt cooler Bond-Fan und Jazz-Pianist.

Hinweis

Die acht Off-Stage-Pianisten treten bis Sonntag in Luzerner Bars auf: Seebar KKL, Des Alpes, National, Des Balances, Schweizerhof, Wilden Mann, The Hotel, Montana. www.lucernefestival.ch

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