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Andermatt: Piano-Zauber in ungewohntem Ambiente

Zum Start von «Andermatt Swiss Alps Classics» begeisterten die Schwestern Katia und Marielle Labèque im Gondel-Lager der Mittelstation Nätschen. Zu hören waren auch Melodien eines weltberühmten Musicals, die erstaunlicherweise auch ohne Gesang wirkten.
Roger Daniel Tanner
Katia und Marielle Labèque vor ihrem Konzert in der neuen Gondelstation Nätschen. (Bild: Peter Fischli/Swiss Alps Classics, 22. Juni 2018)

Katia und Marielle Labèque vor ihrem Konzert in der neuen Gondelstation Nätschen. (Bild: Peter Fischli/Swiss Alps Classics, 22. Juni 2018)

Alle wichtigen Bergdestinationen wie etwa Gstaad, St. Moritz, Arosa oder Zermatt haben ihre Festivals. Andermatt ist der Neuling auf diesem Markt und muss sich im Kampf um seinen Anteil mächtig ins Zeug legen. Für das Bergdorf im Urserntal spricht die Erreichbarkeit. Im Fadenkreuz der Nord-Süd-Achse und der Ost-West-Tangente gelegen, hat sich ein vielfältiges Ferienressort samt Ski-Arena mit Anbindung an das benachbarte Bündner Oberland angesiedelt.

Dazu gesellt sich seit letztem Jahr das Festival «Andermatt Swiss Alps Classics». Die letzten Herbst angekündigte «Tonhalle Reuss» im Hotel Reussen, die Ende 2018 den Betrieb aufnehmen wird, ist ab nächstem Jahr Gastgeber des Festivals.

Bedeutendstes Klavierduo der Gegenwart

Der österreichische Festival-initiant Peter-Michael Reichel: «Wir wollen die Nähe zwischen musikalischen Weltstars und dem Publikum in einer exklusiven Ambiance und an speziellen Orten ermöglichen.» Um Topmusiker nach Andermatt zu bringen, hat er den Violinisten und früheren Vorstand der Wiener Philharmoniker Clemens Hellsberg als künstlerischen Leiter gewonnen. Dieser kennt viele Stars der Klassik persönlich, so auch die beiden Schwestern Katia und Marielle Labèque, die als bedeutendstes Klavierduo der Gegenwart gelten.

Zur Eröffnung der zweiten Ausgabe des Festivals, dass unter dem Motto «Familie» steht, begeisterten die beiden seit über 40 Jahren musizierenden Französinnen an ihren Flügeln das Publikum – darunter als Mehrheit Gäste von namhaften Sponsoren – an einem sehr exotischen Ort: der Gondel-Remise auf der Mittelstation der nagelneuen Bahn zum Nätschen. Wie neu die Anlage ist, zeigt die Umgebung, welche noch einer Baustelle gleicht. Der kalt wirkende Betonbau mit rustikaler Holzdecke wurde eigens für dieses Konzert zum kerzengefluteten Konzertsaal umgebaut.

Uraufführung wurde zur skandalösen Lachnummer

Auf dem Programm standen zwei grosse Werke des 20. Jahrhunderts, im ersten eher ernsthaften Teil Igor Strawinskys Ballettmusik «Le Sacre du Printemps», im zweiten Teil die mitreissende «West Side Story» von Leonard Bernstein. Beide Werke bewegen sich im zwischenmenschlichen Spannungsfeld von Liebe, Macht und Opfer. Für Strawinsky war seine dritte Ballettmusik Sieg und Niederlage zugleich. Wurde doch die Uraufführung am 29. Mai 1913 in Paris ein Skandal. Das Publikum brach schon während des Eröffnungssatzes in lautes Gelächter aus. Heute sind solch moderne Klänge längst zur Klassik geworden.

Die beiden Starpianistinnen spielten eine Transkription, die der Komponist persönlich gearbeitet hatte. Welch Feuer und Energie in diesem Stück steckt, zeigen die beiden Künstlerinnen, jede auf ihre eigene Art und doch als Gesamtwerk ganz deutlich.

Die ausdrucksstarke Musik, welche das russische Ritual eines Frühlingsopfers beschreibt, in dem sich zum Schluss ein junges Mädchen zu Tode tanzt, verlangt nicht nur von den Virtuosinnen Meisterschaft, sondern auch robuste Instrumente. Das veranlasste den Intonateur, während der Pause nochmals nachzustimmen. Die Gäste tauschten sich in der Zwischenzeit rege aus. So auch Bruder Martin Hieronymi vom Benediktinerkloster Disentis. «Nach den Renovationsarbeiten an der Klosterkirche soll diese eine weitere attraktive Location für das Festival sein, um die beiden Regionen einander noch näher zu bringen», meint der sichtlich bewegte Kirchenmann.

Von Bernstein persönlich genehmigt

Die «West Side Story» mit unvergesslichen Songs wie «Maria», «America» oder «Tonight» ist eigens für die bezaubernden Schwestern bearbeitet und 1989 von Bernstein persönlich genehmigt und auf Tonträger verewigt worden. Zum Duo gesellten sich die Perkussionisten Raphael Seguinier und Gonzalo Grau. Zu Herzen gingen die lieblichen Melodien, was ohne Sänger eine grosse Herausforderung ist.

Die Kommunikation untereinander war beeindruckend und unterhaltsam. Natürlich durften die Zwischenrufe in «Mambo» nicht fehlen. Und in «America» rissen die Perkussionisten mit ihrem flamencoartigen Klatschen und Stampfen zusammen mit dem Klavierduo die Leute von den Sitzen und entlockten diesen einen stürmischen Applaus. Sodass dieser zum Schluss als Zugabe nochmals geboten wurde.

Festivalprogramm vom Freitag bis Sonntag mit Michael Barenboim, Lang Lang, Benjamin Schmid u.a.: www.andermatt-classics.ch.

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