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Operette Sursee: Pikante Scheinehe wird zum Fallstrick

«Der Graf von Luxemburg» im Stadttheater Sursee bietet eine lustvolle Inszenierung um eine Scheinehe mit Tempo, Witz und viel Anmut. An der Premiere vom Samstag begeisterten nicht zuletzt die gesanglichen Leistungen.
Hannes Bucher
Ein Superlativ auch für die Kostüme: Andrea Hofstetter als Starsopranistin in «Der Graf von Luxemburg». (Bild: Roberto Conciatori, 11. Januar 2019)

Ein Superlativ auch für die Kostüme: Andrea Hofstetter als Starsopranistin in «Der Graf von Luxemburg». (Bild: Roberto Conciatori, 11. Januar 2019)

Die ersten Takte steigen vom Orchestergraben des Stadttheaters Sursee auf. Es gibt kein langes Fackeln, gleich legt das Orchester los: Die Musik schwillt an, wird turbulenter, bereitet den Boden für das Bühnengeschehen. Der Vorhang öffnet sich, und der Zuschauer ist nach Paris versetzt.

Prächtig, lichtgezeichnet links und rechts erheben sich die stilisierten Silhouetten der Häuserfassaden. Mittig im Hintergrund das Wahrzeichen der Stadt, der Eiffelturm. Turbulent geht es auf der Strasse zu und her. Karneval herrscht, die französische Lebenslust wird vorgeführt, mondäne Feste werden gefeiert, Üppigkeit zelebriert. Franz Lehárs «Der Graf von Luxemburg» geht über die Bühne.

Immer wieder «so verliebt…»

Da ist das Liebesschwelgen des alternden Fürsten Basil Basilowitsch. Er vergeht vor Sehnsucht nach Angèle Didier, dem jungen Star der Pariser Oper: «Ich bin so verliebt…», schmachtet der Fürst eins ums andere Mal. Er will die anmutige Angèle um alles in der Welt heiraten. Wenn da nicht der bürgerliche Stand der jungen Frau wäre. Und da ist noch ein Hindernis: Im fernen Russland hat er der Gräfin Stasa Kokozov die Ehe versprochen.

Sein Gegenpart ist René, Graf von Luxemburg. Er ist ein Bonvivant, hat seinen Besitz verprasst und ringt um seine Existenz. Da kommt ihm der Deal, der Fürst Fürsten anbietet, gelegen: Gegen ein üppiges Honorar soll René Angèle inkognito heiraten, sie damit in den Adelstand erheben und sich nach drei Monaten scheiden lassen. Der Graf willigt ein, aber er und seine «Gattin» verlieben sich. Wie auch noch die russische Gräfin unversehens eintrifft, läuft für den Fürsten alles aus dem Ruder. Aber Operetten-Rezeptur sei Dank: Es kommt zum befreienden Finale. Auch für die zweite, in das Geschehen integrierte Lovestory: Armand Brissard, der darbende Bohémien, führt seine Juliette zum Standesamt.

Ensembleszene in Sursee. (Bild: Roberto Conciatori, 11. Januar 2019)

Ensembleszene in Sursee. (Bild: Roberto Conciatori, 11. Januar 2019)

Zum 17. Mal hat Isabelle Ruf-Weber am Stadttheater Sursee für die Operetteninszenierung die Gesamtleitung inne. Björn B. Bugiel ist zum sechsten Mal mit dabei. Er zeichnet für Inszenierung, Choreografie und Bühne verantwortlich, Achim Glatz steht für die Choreinstudierung und musikalische Assistenz.

Sinnlicher Genuss ohne Einschränkung

Es kann ohne Einschränkung festgehalten werden: Es ist beeindruckend, was in Sursee auch diese Operettensaison auf die Bühne gebracht wird. Der «Graf von Luxemburg» ist ein sinnlicher Genuss für Aug und Ohr, für Herz und Gemüt. In jeder Hinsicht ein überzeugendes Gesamtwerk. Da hat etwa Andrea Hofstetter als Angèle Didier eine Paraderolle inne – ausdrucksstark, mit beeindruckendem Stimmvolumen, nimmt sie ihren Part wahr. Olivia Allemann als Juliette Vermont gefällt durch ihre Keckheit und ihren glockenhellen Sopran, im stimmigen Einklang mit Niklaus Loosli als Armand Brissard. Forsch, gar frech, wie Raya Sarontino die Gräfin Stasa Kokozowa gibt. Viel Qualität bringen auch die männlichen Solisten auf die Bühne. Der Bariton Jens Olaf Müller kommt als Fürst Basilowitsch beeindruckend dominant daher – um beim Zusammentreffen mit der Gräfin Kokozowa klein beigeben zu müssen. Er glänzt speziell auch mit seinem Spielwitz.

Christoph Waltle als Graf von Luxemburg schafft den ebenbürtigen Gegenpart. Auch in darstellerischer Hinsicht ist feine Arbeit geleistet worden. Prächtig etwa wie Damian Ahcin, Alois Suter und Andreas Fitze ihre Rolle als «Beamtentrio» bei der arrangierten Verheiratung wahrnehmen. Eine von vielen amüsanten, witzigen Szenen.

Der 24-köpfige Chor überzeugt sowohl gesanglich als auch in seiner darstellerischen Leistung und Präsenz. Jede Menge Wechsel in Tempo und Rhythmus hat das Orchester zu bewältigen. Unter der Leitung von Isabelle Ruf werden die vielen stürmischen, übermütigen Momente auf der Bühne adäquat unterlegt, spezielle Szenen auch mal musikalisch farbig ironisiert, tiefere Gefühle stimmig lyrisch unterlegt. Das neunköpfige Ballett setzt lustvolle tänzerische Akzente.

3000 Arbeitsstunden für Bühne und Kostüme

Ein immenser Aufwand wurde für Bühnenbild, Kostüme, Technik betrieben. «So viel wie noch nie», sagte Daniel Gloor, Präsident Musik- und Theatergesellschaft Sursee. So wurden etwa 3000 Arbeitsstunden in Bühne und Kostüme investiert, 130 Lichteinstellungen programmiert, das Ballett im 2. Akt mit 858 Lämpchen illuminiert.

Das Ergebnis darf sich denn auch in jeder Hinsicht sehen und bewundern lassen. Bühnenbild (Fynn Bolliger und Team) und die prächtigen Kostüme (Ariann Gloor und Team) verdienen einen Superlativ. Insgesamt sind 180 Mitwirkende an der diesjährigen Operettenproduktion beteiligt. Das Premierenpublikum im ausverkauften Stadttheater Sursee bedankte sich mit Standing Ovations für zweieinhalb Stunden köstliche Operettenunterhaltung.

Aufführungen bis 23. März; VV: www.stadttheater-sursee.ch

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