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Pink im Letzigrund: Pop ohne unnötiges Sicherungsseil

Im sehr gut gefüllten Letzigrund zeigt Pink, warum sie ein Popstern und kein Popsternchen ist.
Michael Graber
Cool, selbstbewusst und mutig: Pink liefert im Letzigrund eine starke Show. (Ennio Leanza/Keystone)

Cool, selbstbewusst und mutig: Pink liefert im Letzigrund eine starke Show. (Ennio Leanza/Keystone)

Was unterscheidet guten Pop von schlechtem Pop? Vielleicht ist es das Sicherungsseil. Pink und ihr Tänzer schweben fünf Meter oberhalb des Bodens. Sie turnt mehr auf als mit ihm. Sie singt dazu. Sie landen. Sie steigen. Sie landen. Sie steigen. Sie singt dazu. Fehlerfrei. Pink steigt am Ende einfach ab. Sie muss keine Schnallen lösen. Sie ist da oben ohne Sicherheitsseil gewesen. Ungesicherter Luftverkehr. Der Albtraum jedes Pop-Star-Vermarkters. Aber vielleicht eben sinnbildlich für den Pinkschen Pop. Er verzichtet auf doppelte Sicherheitsmassnahmen und andere Gefälligkeiten. Auch darum ist er spannender als vieles was uns sonst aus dem Radio entgegendudelt. Sie nimmt mehr Risiko und schert sich einen Dreck um Empfehlungen.

Natürlich: Es bleibt Pop. Aber wenn Pink da bewegt rumhüpferlt, weil sie soeben Käse auf die Bühne geworfen bekommen hat, nimmt man das der 39-jährigen Amerikanerin deutlich mehr ab als vielen ihren Kolleginnen (schlimmerweise ist es Grana Padano, hoffentlich wirft dafür in Rom jemand Emmentaler). Auch serviert sie ihre Musik im sehr gut gefüllten Letzigrund druckvoll, mit Band (die erfreulich weiblich besetzt ist) und in ordentlicher Lautstärke. Singen kann die Dame. Es röhrt, powert, lässt aber auch Platz für Feinheiten. Sie ist deutlich und klar hörbar. Egal, ob sie gerade kopfüber an einem Kronleuchter hängt, oder von drei ihrer Tänzer getragen wird.

Sie bräuchte diese Show eigentlich gar nicht

Eigentlich, so denkt man sich, bräuchte sie all diese Show nicht. Sie alleine würde reichen. Sie muss nichts kaschieren, nichts überspielen. Und das Problem von solch gigantischen Shows ist, dass alles genau getaktet und einstudiert ist. Für Spontaneität bleibt da kein Platz. Kurze Ansage und weiter. Schliesslich läuft das Visual bereits und die Raketen wollen gezündet werden. Vielleicht ist diese grosse Show manchmal Pinks Sicherungsseil. Auch dieses wäre nicht nötig gewesen. So bleibt Pink manchmal die Gefangene ihrer Show. Man würde sich da und dort mehr Interaktion wünschen, vielleicht mal ein spontanes Lied. Band und Pink können das. Oder: Könnten. Sie tun es ja eben nicht. Schade.

Aber das wird nur wenige an diesem Abend gestört haben. Viele sind auch da, um bewegt zu werden. Es hat viele Mütter, die hier einer Mutter zujubeln. Pink kriegt ein T-Shirt geschenkt auf dem «Mama need some wine» steht. Die Menge johlt. Was der Rock-Kumpeltyp mit Bier und Fussball für den Mann ist, ist Pink für die Frauenwelt. Mit ihr könnte man wohl nächtelang gespritzten Weisswein trinken. Und sie hat Power und Message. Sie setzt sich mal dezent mal wuchtig mit Einspieler für Frauenrechte ein. In einem rührenden Intermezzo, erklärt sie ihrer Tochter, dass sie schön und perfekt sei, wie sie sei. Es ist nicht ohne Pathos erzählt, aber doch bewegend. Pink will kein Popsternchen sein. Sie will ein Stern sein. Einer, der hell leuchtet und mit seinem Licht vielleicht etwas aufrüttelt. Sie presslufthämmert ihre Botschaft nicht ein, aber versucht sie mit Nachdruck einzubrennen.

Ein richtig guter Abend

Das gelingt auch dank einem sehr kurzweiligen über zweistündigen Set. Gespickt mit vielen Hits und Songs der neuen Platte bleibt es fast durchwegs spannend. Pink wechselt oft die Kleidung, tanzt mal oben, mal unten, spielt mal wuchtig, mal akustisch, sucht den Kontakt zur Band, sucht den Kontakt zum Publikum. Bis die «Party» so richtig «started» («Get The Party Started» war die Eröffnungsnummer) dauert es aber ein bisschen. So nach 40 Minuten ist dann die Zurückhaltung ganz weg beim Publikum und es wird geklatscht und erfreulich oft getanzt. Extrem stark ist «River», ein Cover von Bishop Briggs. Stark auch der Übergang zu «Just Like Fire» und bei «Raise Your Glass» ist dann endgültig Party. Die Band treibt voran, Pink hat Spass, es klappt. Es ist ein richtig guter Abend. Auch wegen des fehlendes Sicherungsseil. Aber nicht nur.

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