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Abgang von Matthias Pintscher beim Lucerne Festival: Das sind die möglichen Gründe

Das Wirken des Dirigenten Matthias Pintscher bei der Festival-Academy endet per sofort. Über mögliche Gründe für den drastischen Schritt dürfte umso mehr spekuliert werden, als Pintscher die Academy erfolgreich weiter internationalisierte.
Urs Mattenberger
Matthias Pintscher dirigiert Academy-Musiker in einem «40min». (Bild: Peter Fischli/LF, 28. August 2018)

Matthias Pintscher dirigiert Academy-Musiker in einem «40min». (Bild: Peter Fischli/LF, 28. August 2018)

Auch wenn die gestrige Medienmitteilung des Lucerne Festival knapp ausfiel, deutet sie auf ­dramatische Ereignisse hin. «Principal Conductor Matthias Pintscher ist aus persönlichen Gründen ausserstande, seinen weiteren Verpflichtungen im Rahmen der Lucerne Festival Academy nachzukommen», gab darin die Festivalleitung bekannt.

Angekündigt wird damit aber nicht nur der Rücktritt Pintschers von seiner Leitungsfunktion in der künstlerisch von Wolfgang Rihm geleiteten Academy. Vielmehr gibt er ab sofort alle Konzertverpflichtungen ab. So klärt das Festival derzeit ab, «wer die Aufgaben von Matthias Pintscher als Dirigent des Orchesters der Lucerne Festival Academy übernehmen wird, die dieses Jahr noch verbleiben».

Aus vor einem zentralen Grossprojekt

Dieses Jahr heisst konkret: in den kommenden Tagen des Sommerfestivals. So hätte der Komponist und Dirigent heute in einem «40min»-Konzert mitgewirkt – als Einführung in ein zentrales Grossprojekt dieses Sommers: Am Sonntag hätte Pintscher gemeinsam mit Simon Rattle Gemeinschaftskonzerte des Academy-Orchesters und des London Symphony Orchestra dirigiert. Dass es selbst zu dieser prominenten Zusammenarbeit nicht mehr kommt, lässt nur den Schluss zu, dass einschneidende Ereignisse eingetreten sind.

Drei Dirigenten übernehmen

Jaehyuck Choi, Peter Eötvös und Ruth Reinhardt übernehmen die Stücke der noch ausstehenden Konzerte des Orchesters der Lucerne Festival Academy als Dirigenten, die Matthias Pintscher nicht leiten wird.
Jaehyuck Choi dirigiert in beiden Konzerten am 9. September um 18.30 Uhr und 21.00 Uhr gemeinsam mit Sir Simon Rattle und Duncan Ward Stockhausens Gruppen und übernimmt bereits im heutigen 40min-Konzert den dritten Dirigier-Part. Ruth Reinhardt leitet «No hay caminos, hay que caminar… Andrej Tarkowskij» von Luigi Nono am 9. September im Sinfoniekonzert um 19.30 Uhr. (rem)

Das gilt umso mehr, als das Festival die Gründe für diese Trennung nicht kommentiert. Lediglich die Vermutung, dass es zwischen dem Festival und dem aus Deutschland stammenden Dirigenten und Komponisten zum Zerwürfnis gekommen sei, wird auf Anfrage von Seiten des Festivals verneint.

Damit sind den Spekulationen Türen und Tore geöffnet. Wie weit das Spektrum an möglichen Gründen ist, zeigen Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit bis heute. Sie bildeten zwar weniger kurzfristig-drastische Zäsuren, aber auch bei ihnen blieben die Gründe für den Rückzug einzelner Künstler zunächst ebenfalls im Dunkeln.

Differenzen, Krankheit oder Belästigungsvorwürfe?

Ein prominentes Beispiel für künstlerische Differenzen boten die Pianistin Hélène Grimaud und Claudio Abbado, die kurzfristig zu einer Neubesetzung des Solisten in einem Konzert des Festival-Orchesters führten.

Im Fall von Pierre Boulez waren es gesundheitliche Gründe, die die Ablösung an der Spitze der Academy belasteten. Ganz aktuell ist der Fall der Umbesetzungen in den Konzerten des Concertgebouw Orchesters gestern und heute Abend: Das Orchester hatte sich von seinem Chefdirigenten Daniele Gatti wegen Vorwürfen bezüglich sexueller Belästigung fristlos getrennt, weshalb in Luzern Manfred Honeck und Bernard Haitink einsprangen.

Angesprochen auf diese drei möglichen Gründe heisst es beim Festival: «Es gab keine künstlerischen Differenzen, es geht um persönliche Gründe.» Tatsächlich sind keine Gründe sichtbar, die künstlerisch gegen eine Fortführung der Zusammenarbeit sprechen. Und es stellt sich die Frage, ob bei gesundheitlichen Gründen diese nicht kommuniziert worden wären, um anderweitigen Spekulationen die Grundlage zu nehmen.

Internationale Vernetzung

Pintscher, der mit seinem Partner in New York und Paris lebt, trieb die internationale Vernetzung der Academy weiter voran – er hätte demnächst das Gastspiel des Orchesters in der Elbphilharmonie in Hamburg dirigiert. «Ich bin nicht religiös, aber sehr spirituell. Und ich bin Jude», begründete er in einem Gespräch mit dieser Zeitung, woher er Inspirationen auch als Komponist bekomme.

Für die «weltweit einzigartige» Academy setzte er sich auch mit neuen Performance-Formaten ein. Die Academy bietet Musikstudenten und jungen Musikern Meisterkurse, Dirigenten- und Komponistenseminare an. Im Zentrum stehen zudem die von Pintscher aufgewerteten Sinfoniekonzerte.

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