Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

PLANETARIUM: Einmal zum Saturn und zurück

Der 21st Century Chorus setzt im Verkehrshaus Luzern auf die besinnliche Moderne und tritt damit aus dem Schatten seines Orchesters. Doch auch dieses erprobt neue Wege.
Roman Kühne
Schweben durch den interstellaren Raum: der 21st Century Chorus im Planetarium des Verkehrshauses Luzern. (Bild: Andre Schmid Photography)

Schweben durch den interstellaren Raum: der 21st Century Chorus im Planetarium des Verkehrshauses Luzern. (Bild: Andre Schmid Photography)

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Die Filmmusik hat Hochkonjunktur. «Disney in Concert» mit einem Hollywood-Sound-Orchester oder «The World Of Hans Zimmer» sind nur zwei der vielen Projekte, die momentan um die Gunst des Publikums buhlen. Dieser aufkommende Konkurrenzdruck, vor allem aus Zürich, mag mit ein Grund sein, warum das Luzerner 21st Century Orchestra und sein Chorus neue Wege suchen. Ein stattlicher Teil der Zuschauer reist zum Teil von weit her, um ihren Oscar-Favoriten für einmal live zu hören. Werden sie noch kommen, wenn die gleichen Konzerte vor ihrer Haustür spielen?

Der 21st Century Chorus ging für sein erstes Projekt in Eigenregie ins Planetarium des Verkehrshauses in Luzern. In fünf Konzerten besang er am Wochenende Erde, Mond und Sterne. Zu den eindrücklichen Bildern des Planetariums interpretierten die Sänger Musik, die mit dieser Weite und seinen ewigen Lichtern zusammenhängt.

Suggestive Wirkung

Und wie sie das taten. Der mit Laien besetzte Chor zeigte eine hochstehende Leistung. Dabei ist die trockene, mehr auf Multimedia als auf Gesang ausgerichtete Akustik des Planetariums nicht einfach. Doch die Sänger widerstehen der Versuchung, mit Kraft die Mängel des Saales auszugleichen. Wie natürlich schwebt der Chorklang durch das grosse Kuppelrund, fügt sich zu den sich her- und wegbewegenden Planeten, formt ein sinnliches Konzerterlebnis. Vor allem die leisen Stellen sind exquisit, die Register hervorragend austariert. Unter ihrem Leiter Andreas Wiedmer entwickelt sich eine intensive, weitgreifende Interpretation.

Die teils schwierigen Akkorde wie in Eric Whitacres «Lux Aurumque» werden sauber intoniert. Nur die lauten Stellen, vor allem gegen das Ende des Konzertes, werden etwas gar forciert, sind im Klang härter und schneidend. Die ausgewählte Musik ist fast durchwegs zeitgenössisch. Ola Gjeilo, im Konzert mit «No­thern Lights» vertreten, Michael Ostrzyga («Jupiter») und vor allem eben Eric Whi­tacre haben in den letzten Jahren der Chormusik eine neue Richtung gegeben, erreichen mit ihren dissonanten Schichtungen ein weites Publikum.

Ergänzt wird diese «Avantgarde» – natürlich – mit den Filmmusikkomponisten Hans Zimmer und Alexandre Desplat. Die fantastischen Bilder des Planetariums potenzieren die suggestive Wirkung des Konzertes. Startend in Luzern, bewegen sich die Zuschauer von der Erde weg hinein in den interstellaren Raum, um am Schluss wieder in der verschneiten Leuchtenstadt zu landen. Das Konzert ist ein spannender Gegenpunkt zur teils breiigen Rührseligkeit der immer gleichen Gassenhauer, die sonst oft die Weihnachtszeit dominieren. Mit diesem Projekt ist der 21st Century Chorus für einmal aus dem Schatten des sonst so dominanten Orchesters getreten.

Von klassisch bis kitschig

Aber auch das Orchester ging am Freitag im KKL in Luzern neue Wege. Im ausverkauften Saal wird unter dem Titel «Christmas Concert» auf jede Filmprojektion verzichtet. Dies funktioniert gut im zweiten Teil, bei Kompositionen aus der Filmmusik. Zwar zielt die Stückauswahl stark auf Seelenwärmer. Die Klischeefabrik Hollywood scheint nur mit den ewig gleichen Schellenrhythmen an die weihnächtliche Wirkungsweise ihrer Musik zu glauben. Doch das 21st Century Orchestra unter der Leitung des Estländers Mihhail Gerts verleiht den Stücken den nötigen Witz und Leben.

Auch hier kommt dem 21st Century Chorus und dem Boys Choir Lucerne eine wichtigere Rolle zu als auch schon. Der «Home Alone»-Suite (John Williams) geben sie einen ruhigen, weihnächtlichen Gestus, ohne schnulzig zu werden. Weniger gut gelingt der sinfonische erste Teil. Den Auszügen aus der Sinfonie Nr. 6 von Beethoven (Pastorale) und vor allem den Sätzen von Tschaikowskys «Nussknacker»- und von Strawinskys «Feuervogel»-Suite fehlt die Leichtigkeit, ja interpretatorische Prägnanz und Charakter. Das 21st Century Orchestra ist sicher noch ein Stück davon entfernt, ein abendfüllendes, klassisches Konzert zu gestalten. Aber dass es den Vorweihnachtsanlass auch für diese Perspektive nutzte, gab ihm auch sein spezielles Gepräge.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.