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PLATTENPRINZ: Hein ist «Heintje» geblieben

Er verzückte Omas und Mamas gleichermassen. 50 Jahre ist es her, dass seine glockenklare Stimme die Platten vergoldete. Zum Bühnenjubiläum hat Hein Simons ein Duett aufgenommen – mit sich selbst.
Roland Schäfli
Heintje als 14-Jähriger in der «Rudi-Carell-Show». (Bild: Peter Bischoff/Getty (Köln, 7. März 1970))

Heintje als 14-Jähriger in der «Rudi-Carell-Show». (Bild: Peter Bischoff/Getty (Köln, 7. März 1970))

Interview: Roland Schäfli

Er brauchte nur knapp eine Minute, um ein Millionenpublikum für sich einzunehmen: Als dieser Knabe aus den Niederlanden in der Sendung «Der goldene Schuss» den Mund aufmachte, war ganz Deutschland hin und weg. Österreich und die Schweiz schlossen sich dem Millionen-Fanclub an. Hits wie «Mama» und «Oma so nett» liessen die Kassen klingeln, sechs schnell abgedrehte Kinofilme schöpften die Goldmine weiter aus. Nur etwas konnte Heintjes phänomenalen Lauf stoppen: der Stimmbruch. Mit dem Buch «Ich war Heintje» blickt Hein Simons mit grosser Gelassenheit auf diese turbulenten Jahre – und die ruhigeren, die folgten – zurück. Und schreibt noch einmal Musikgeschichte: mit einem einmaligen Duett-­Album. Der Sänger singt mit seinem früheren Ich die Schlager von damals, neu bearbeitet.

Hein Simons, bis Ende ­Dezember standen Sie mit der Weihnachtstournee auf deutschen Bühnen. Wie ­fühlte sich das 50-Jahr-Bühnenjubiläum an?

Eine Tournee gibt immer viel zu tun, hält mich aber fit, die ganze Lauferei. In meinem Alter macht man ja keine Klimmzüge mehr! Aufpassen musste ich, dass ich mich, durchgeschwitzt vom Konzert, nicht erkälte.

Sind die Fans dieselben, die Sie schon vor 50 Jahren geliebt haben, oder sind auch neue Generationen vertreten?

Es sind tatsächlich viele ältere Leute, die können sich noch gut erinnern, wie schön das damals war. Wir sind ja selbst überrascht, wie hoch die neue Platte in den Charts eingestiegen ist, und ich finde es faszinierend, dass viele junge Leute gut finden, was ich mache. Bei den Downloads sind wir Numero eins.

Das Musikgeschäft hat sich verändert, heute geht es um Downloads. Finden Sie sich im Alter von 62 in den neuen Medien gut zurecht?

Ich kann nur das Nötigste! Die Jugend ist uns da hoch überlegen, für mich ist die neue Technik nicht einfach. Aber ich frage dann einfach meine Tochter, die weiss, wie’s geht.

Mit der Publikation des Buchs «Ich war Heintje» und dem CD-Release stehen Sie wieder stärker im internationalen Rampenlicht – haben Sie das vermisst?

Nee, eigentlich nicht. Ich bin ja immer aufgetreten, war nicht wirklich weg. Klar, das 50-Jahr-Jubiläum ist was Besonderes. Wenn man so eine grossartige Vergangenheit hat, ist die Tournee eine tolle Idee, und den Leuten gefällt es. Anders als früher sind Publikum und Medien sich dieses Mal einig.

Sie wurden als Kinderstar nicht von allen Medien wohlwollend aufgenommen.

Es gab damals kritische Stimmen. Bis jetzt kriege ich wenig schlechte Kritiken!

Sie haben viel gemein mit Kinderstars wie Shirley Temple oder Tatum O’Neal – das erwachsene Publikum wollte nicht akzeptieren, dass Sie erwachsen werden.

Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Wo ich aufgetreten bin, haben die Fans mich stets mit offenen Armen empfangen. Das Problem war eher, dass die Medien immer Songs von früher mit neuen Liedern verglichen und berichteten, man sei nicht mehr so erfolgreich. Dabei war das ja schwer zu ­toppen.

Neigt man nach 50 Jahren dazu, gewisse Ereignisse zu verklären? Täuscht die eigene Erinnerung?

Das glaube ich nicht, ich bin da sehr realistisch. Das war eine schöne Zeit. Aber ich hab auch etwas dazugetan. Das war schon auch mit viel Arbeit verbunden. In meiner Erinnerung würde ich sagen: Zu 90 Prozent hab ich alles richtig gemacht.

Und die anderen 10?

Das sind Dinge, die ich heute ­anders machen würde. Zum Beispiel ein Musikinstrument und Notenlesen lernen.

Wie gehen Sie als Künstler damit um, dass das Publikum immer wieder Ihre alten Hits hören will?

Naja, das ist nie ganz einfach. ­Irgendwo muss man auch dazu stehen. 50 Jahre, und die Leute möchten diese Lieder noch immer hören! Wenn man immer noch bringt, was die Leute hören möchten, ist das kein Rückschritt. Das mit der neuen CD hätte ja auch nach hinten losgehen ­können. Diesen Erfolg haben wir so nicht erwartet. Natürlich hatten wir gehofft, dass «Heintje und ich» den Leuten gefällt. AberAABB22so was kann man unmöglich ­planen.

Damals tourten Sie sogar durch die USA, traten mit Hollywood-Stars auf. WasAABB22­haben Sie von den ganz Grossen gelernt?

Vor allem, dass die wirklich Grossen immer die Nettesten sind. Künstler wie Gene Kelly, Barbara Eden oder Lee Marvin haben mich wie einen Star behandelt, der ich ja gar nicht war. Sie haben sich rührend um mich gekümmert.

Auch die Damenwelt wollte Sie ja vor allem bemuttern, adoptieren, Liebesbriefe bekamen Sie auch – wie ist das heute?

Wie ich das so sehe, komme ich bei den Damen immer noch gut an! Ein Küsschen hier, ein Lächeln da, daran hat sich nicht viel geändert. Nur, dass die Damen ebenso wie ich ein bisschen älter geworden sind.

Für das Buch mussten Sie sich auch an Unangenehmes erinnern – etwa den geistig verwirrten Mann, der einbrach und Sie mit dem Tod bedrohte.

Diese Sache hab ich irgendwie gut weggesteckt, ich war jung ­genug, um das vergessen zu können. Es gibt eben Fans, die einem böse sein können. Was soll man davon halten?

Gibt’s eine weit verbreitete Annahme über Sie als Person, die Sie gern mal korrigiert hätten?

(Lacht) Dass ich der netteste, der liebste, der schönste Mensch der Welt bin. Wenn man’s nur oft genug liest, glaubt man’s am Ende selbst!

Hein Simons- (Bild: Tobias Hase/DPA (München, 29. November 2017))

Hein Simons- (Bild: Tobias Hase/DPA (München, 29. November 2017))

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