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PLATTENTAUFE: Grosse Träume in kleinerem Rahmen

Tobi Gmür ist seit über zwanzig Jahren auf den Bühnen der Schweiz unterwegs. Jetzt singt er erstmals auf Mundart – und das steht ihm gut.
Tobi Gmür (41) steht seit über 20 Jahren auf der Bühne. (Bild: PD)

Tobi Gmür (41) steht seit über 20 Jahren auf der Bühne. (Bild: PD)

Der Bart ist grau geworden, und auf dem Tisch steht Rotwein statt Bier. Tobi Gmür, ein Jugendheld des Autors, wirkt fast schon seltsam erwachsen. Wurde auch höchste Zeit – Gmür ist 41 Jahre alt und mittlerweile seit über zwanzig Jahren auf den Bühnen unterwegs. Mit Mothers Pride hat er es auch über die Luzerner Szene hinaus zu respektabler Bekanntheit geschafft. Doch eben nicht viel weiter. Die Träume von Gmür waren immer grösser als die Realität.

Neuanfang: Einmal mehr

Darum jetzt: Neuanfang! Einmal mehr – auch Mothers Pride haben sich mal aufgelöst und wieder formiert. Diesmal sind die Änderungen aber grundlegender Natur: Gmür singt jetzt auf Schweizerdeutsch statt Englisch. «Bei unserer ersten Band haben wir am Anfang sogar auf Französisch getextet, aber Mundart kam damals nicht in Frage», sagt der Musiker.

Zwanzig Jahre später ist man nicht nur ein bisschen reifer, sondern auch um einige Erfahrungen reicher. «Ich habe mit den Fans des FCL eine CD auf Mundart aufgenommen und für ein Projekt einen Song von Jack Stoiker gecovert – da habe ich gemerkt, dass ich gerne auf Mundart singe.» Mundart singen ist das eine, Texten das andere. «Es brauchte schon ein bisschen Überwindung», sagt Gmür. Mitunter scheiterte er auch: «Klassische Liebeslieder mit ‹Ich› und ‹Du› kann ich nicht schreiben», so Gmür. Das wirke schnell zu kitschig und irgendwie falsch.

Irgendwie sei es auch lustig, dass er sicherlich schon weit über hundert Songs geschrieben habe und jetzt zum ersten Mal auf die Texte angesprochen werde. Mundartsongs sind eine schwierige Gratwanderung. Wird es zu bunt und blumig, droht man in die Plüsch- und Florian-Ast-Kiste zu fallen, und will man zu viel, so wird man doch von keinem Radio gespielt. Tobi Gmürs Songs haben es bereits in das Tagesprogramm von SRF 3 und einigen Privatradios geschafft – und sie klingen keineswegs nach Plüsch. Auch nicht nach Florian Ast. Sie klingen nach Tobi Gmür. Tobi Gmür auf Mundart eben.

Schwarz-rote Null

Es sind ehrliche Lieder von einem ehrlichen Liedermacher. Es sind auch Songs übers Hadern: «Hami öber zwänzg Johr uf Änglisch ometrebe. Ond ned werkli wiit omecho. Mängisch send hondert Nase cho, meischtens nome sebe.» Das klingt verzweifelter, als Tobi Gmür wirklich zurückblickt: «Wenn man eine Vollkostenrechnung meiner Musikerkarriere machen würde, käme man im besten Fall auf eine schwarze Null», sagt er lachend – durchaus im Bewusstsein, dass das eine sehr optimistische Schätzung ist.

Aber Gmür wäre nicht Gmür, wenn er nicht trotzdem weiterträumen würde. «Ein Vorteil am Mundartsingen ist, dass man den Rahmen für seine Träume kleiner stecken muss», so Gmür. Wenn er im Internet Clubs im Welschland sieht, jucke es ihn im ersten Moment immer noch, denen alle Unterlagen zu senden. Dann werde ihm aber klar: «Nein, dahin kann ich ja gar nicht mehr.» Er hat jetzt ein bisschen den Wunsch, «im Kleinen gross» zu sein, und es würde ihn noch immer «nerven, wenn es nicht klappen würde».

Nebenbei arbeitet er in der Marktforschung und hat auch ein eigenes Studio, wo er Bands aufnimmt und produziert. Auch deswegen ist Gmür dankbar für all die Jahre mit Mothers Pride: In der Szene ist er bestens bekannt und vernetzt.

Die Vergangenheit im Gepäck

Aber eben: Neuanfang. Musikalisch gesehen ist es ein sanfter. Viele der Songs auf «Sincerely, T. Gmür» (die Mundartplatte hat tatsächlich einen englischen Titel) könnten auch im Repertoire von Mothers Pride sein. Positiv formuliert: Gmür weiss, was er kann, und bleibt dabei. Negativ formuliert: Gmür kann nichts anderes. Er lacht: «Ich kann ja nicht gleich alles anders machen.»

Dadurch, dass Gmür sich selber bleibt, macht er auch keinen klassischen Mundartrock. Er ist irgendwo zwischen Polo Hofer und Jeans for Jesus und irgendwo zwischen SRF 3 und SRF 1 anzusiedeln; spricht nicht die klassischen Mundartfans an, sondern kann im Idealfall auch neue an Bord holen. Textlich ist es weit weg von der Schnulzigkeit und Belanglosigkeit, die bei locker-flockigen Liebestexten immer aufkommt. Immer schwingt dafür etwas Schwermut mit.

Gmür kennt das auch von seinem Lieblingsverein, dem FC Luzern. Als Fan des FCL lernt man, dass auf jeden Erfolg dreissig Misserfolge folgen, und doch erträgt man sie geduldig – weil irgendeinmal, man ahnt es, wird es dafür so richtig gut werden. Vielleicht ist es also nicht Schwermut, sondern einfach Sehnsucht. Sehnsucht nach Momenten, die den Regen vertreiben und die Sonne wieder scheinen lassen.

Der «Haderi» und «Kämpfer»

Und vielleicht ist das sowieso die wichtigste Erkenntnis, die man im Leben machen kann: Irgendwann kommt die Sonne immer wieder.

Und wenn sie am Abend wieder verschwunden ist, steht dann manchmal der Tobi Gmür auf der Bühne. Dann wird er auch lauter und entschlossener als im Gespräch. Gewiss, ein zweiter Kuno Lauener wird er nicht, wenngleich auch sein Aussehen bei Frauen gut ankommt (hat sich der Autor dieser Zeilen mehrfach bestätigen lassen). Aber wer Tobi Gmür auf der Bühne sieht, der weiss, wieso Gmür immer weitergemacht hat. Da steckt so viel Kraft, so viel Energie und so viel Herz in jedem einzelnen Ton.

«Gmür, der Haderi» ist eben auch «Gmür, der Kämpfer». «Ich werde alles für den Erfolg dieses Albums tun und freue mich bereits auf die Produktion des Nachfolgers», sagt Gmür. Er wisse ja jetzt, wies geht.

«Ech ha Ziit»

«Sincerely, T. Gmür» ist eine starke Platte, ein Werk von einem gereiften Musiker, der in den Jahren vielleicht etwas Rotz verloren haben mag, aber immer noch vor Ideen sprüht. Der Schritt zum Mundarttexten war nur ein konsequenter. Schon einmal sei er von einer Plattenfirma gefragt worden, ob er nicht auf Schweizerdeutsch singen wolle. «Das war damals, als alle grossen Labels Gölä verpasst hatten», sagt Gmür. Der Versuch scheiterte. Gölä konnte und wollte er nicht sein. Gmür ist Gmür. Das war er 25 Jahre lang auf Englisch und jetzt auf Mundart.

«Vo der hets emmer gheisse, du chämisch wit», singt Gmür über einen fiktiven Kollegen, «Jetzt hesch di fetti Uhr ond ech ha Ziit.» Es scheint, als habe Gmür seinen Luxus und seinen Platz endlich gefunden. Das ist wirklich eine gute Nachricht. Darauf kann man eins trinken – sogar Rotwein, wenns sein muss.

Michael Graber

Plattentaufe

FR, 6. März, 21 Uhr
Album: «Sincerely, T. Gmür» (Limmatrecords)
Südpol, Kriens
www.sudpol.ch

Gmür weiss, was er kann, und bleibt dabei. (Bild: PD)

Gmür weiss, was er kann, und bleibt dabei. (Bild: PD)

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