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Im Tanzprojekt von Gisa Frank trifft Platzhirsch auf Dancing Queen

In Gisa Franks neuem Stück «Gemischte Beine – bewegte Gefühle» wirbelt ein wunderbar gemischtes Ad-hoc-Ensemble durchs Alphabet der Tanzlust. Vorpremiere war am Donnerstag in der «Krone», Trogen.
Bettina Kugler
Gefühle und Tanzgeschichte im Dreivierteltakt, mit Witz erzählt (vorn Simon Flery, Carin Frey, Zachari Bernstein). (Bild: Benjamin Manser)

Gefühle und Tanzgeschichte im Dreivierteltakt, mit Witz erzählt (vorn Simon Flery, Carin Frey, Zachari Bernstein). (Bild: Benjamin Manser)

Wenn die Musik schweigt oder leise ins Beiseite schleicht, dann singt der Holzboden. Er ächzt, er quietscht, knarzt sanft, und wer keinen Stuhl hat und stattdessen im Schneidersitz am Boden zuschaut, tanzt unaufgefordert mit, denn die Schwingung geht durch den ganzen Körper. Ein Hauch von Tanzstunde liegt in der Luft am Abend der Vorpremiere zu «Gemischte Beine – bewegte Gefühle» im Saal der Krone Trogen: die Spannung, wer gleich wen zum Walzer bitten wird, ein leichter Schweissgeruch, gemischt aus Angst, Bewegungslust und Leidenschaft, die hier streng durchgezählt, getaktet wird.

«Eins, zwei, Wiegeschritt; slow, slow, quick-quick», Zachari Bernstein am Standmikrofon kennt kein Erbarmen. Und wenn es allzu hitzig wird, dann spenden die zwei partnerlosen Grazien (Esther Hungerbühler, Gonne Klein) feixend Erfrischung mit dem Haarfön. Apropos Tanzstunde: Die ist tatsächlich Teil des Abends, im Vorprogramm, für Freiwillige und Tanzfreudige. Sie dürfen zum Finale mit aufs Parkett, und so schliesst sich der Kreis – im Kreistanz. Danach wird ausgelassen abgehottet, mit oder ohne Partner.

Bewegte Geschichten, andeutungsweise erzählt

Bis dahin sitzt das Publikum aufgereiht an zwei Seiten der quadratischen Tanzfläche, immer ein wenig auf Abruf, wie in der Tanzstunde. So ansteckend ist die Bewegungslust des Ensembles, so lebensnah und in Barfusskontakt mit der Geschichte des Bodens – einem von insgesamt vierzehn, auf denen die Produktion in den kommenden Monaten über die Bühne gehen wird. Darunter sind mehrere traditionelle Tanzsäle oder Räume, die atmosphärisch einfangen, was Tanz neben der Abgehobenheit in die Bewegungskunst und Performance eben auch ist: Brauchtum, geselliges Ereignis, Paarbörse zwischen Ritual und Exzess.

Ein auf den Holzboden geklebtes Raster gibt den elf Tänzerinnen und Tänzern – sechs Frauen, fünf Männer; Tanzschaffende, «Bewegungsschauspieler» und ein ambitionierter Amateur – Muster vor, ohne freilich aufdringlich das Geschehen zu beeinflussen. Im Vordergrund nämlich stehen die Geschichten, die das Stück beiläufig und verspielt erzählt: andeutungsweise, mit genau der richtigen Prise Nostalgie, Witz und Ironie gewürzt.

Alphabet der Raserei auf historischen Böden

Dazu passt die eigens für die Produktion formierte Tanzkapelle mit Saxofon, Tasten, Percussion und Bass (Christian Käufeler, ­Adriano Regazzin, Micha Surber, Jürg Surber), jeweils verstärkt durch einen Gast; zur Vorpremiere war es Flurin Rade am Akkordeon. Ob Walzer, Swing, Boogie oder taktlose Passagen: Sie fordern ohne Wenn und Aber dazu auf, mit sechzehn Beinen Tanzgeschichte(n) zu schreiben, und heizen subtil die Gefühle an. In den rund siebzig Minuten hat vieles Platz und findet zwanglos, doch dramaturgisch überzeugend zusammen: von röhrenden Hirschen bis zum Saturday Night Fever, höfischen Formationen zu Silvesterchläusen geht es durchs Alphabet der Raserei – schön nachzulesen übrigens auch in der Zeitung zum Stück mit dem Lexikon bewegter Gefühle. Diese mischen sich beim Zuschauen beständig neu; raffiniert macht das Stück einem Kapitel regionaler Kulturgeschichte Beine.

Hinweis
Bis 5. Mai in der Region und in Vorarlberg.

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