Podium mit Kulturveranstaltern: «Kultur ist eine Wirtschaftsbranche wie etwa der Tourismus»

Zentralschweizer Veranstalter diskutierten an einem Podium der Luzerner Zeitung die Folgen von Corona für die Kultur.

Urs Mattenberger
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Zu Gast an der Podiumsdiskussion (von links): Stefan Sägesser (Leiter Kulturförderung Kanton Luzern), Andréas Härry (Geschäftsleiter Le Théâtre), Kari Bründler (Präsident Blues Festival) und Marco Liembd (Geschäftsleiter Schüür).

Zu Gast an der Podiumsdiskussion (von links): Stefan Sägesser (Leiter Kulturförderung Kanton Luzern), Andréas Härry (Geschäftsleiter Le Théâtre), Kari Bründler (Präsident Blues Festival) und Marco Liembd (Geschäftsleiter Schüür).

Bilder: PD

Die Luzerner Zeitung traf sich am Donnerstagabend anlässlich des letzten Monats neu lancierten APEROs mit Zentralschweizer Kulturveranstaltern zum Gedankenaustausch. Die Infektionszahlen geben dem Anlass aktuelle Dringlichkeit, stellte Arno Renggli fest, der als Leiter des Kulturressorts den Talk vor rund 30 Anwesenden moderierte.

Auf dem Podium vertrat Kari Bründler das privatwirtschaftlich finanzierte Blues Festival, Marco Liembd als Geschäftsführer der Schüür für einen Ganzjahresbetrieb, der von der öffentlichen Hand vor allem via Mieterlass unterstützt wird. Und Andréas Härry sprach für das ebenfalls privatwirtschaftlich geführte «Le Théatre», das seine Einnahmen auch mit Musical-Grossproduktionen erzielt.

Klare Ansagen der Politik gefordert

Die Frage nach den grössten Problemen während des Lockdowns betraf angesichts der aktuellen Zahlen auch die unmittelbare Zukunft. Weil jetzt wiederum «von einem Wochenende zum nächsten» alles im Ungewissen ist, wie Liembd es formulierte, bräuchten die Veranstalter dringend «klarere Ansagen» von Seiten der Politik. Trotz Unterschiede bezüglich Finanzierung – beim Blues Festival mehr über Sponsoren, beim Le Théatre über Ticketeinnahmen und kommerzielle Kundenanlässe, bei der Schüür über Konzerte – , zeigten sich auch Gemeinsamkeiten zwischen den Veranstaltern, sowohl was die Bewältigung des Lockdowns wie auch die aktuelle Situation anbelangt.

An die Adresse von Stefan Sägesser, Leiter Kulturförderung des Kantons Luzern, ging das Lob für die rasche Unterstützung durch Bund und Kanton bei der Umsatzentschädigung und dem Erwerbsersatz. Alle waren sich aber auch einig, dass die Eingabeformulare dafür unglaublich kompliziert seien. «Ohne den engen Dialog mit dem Kanton wäre die für alle neue Situation kaum zu bewältigen gewesen», meinte Liembd. Härry wies darauf hin, dass sich die Auszahlungen dadurch so weit verzögern können, «dass für uns jetzt allmählich die Zeit knapp wird». Das führte Härry zu grundsätzlichen Überlegungen über kulturelle Betriebsmodelle:

Andréas Härry.

Andréas Härry.

«Vor Corona hat unser privatwirtschaftliches Modell vorzüglich funktioniert, auf diesen Erfolg waren wir stolz. Aber jetzt hat sich gezeigt, dass dieses Modell nicht krisenresistent ist.»

Und Stefan Sägesser meinte vorausblickend:

Stefan Sägesser.

Stefan Sägesser.

«Die Probleme werden sich jetzt nochmals ganz neu stellen, weil die Pandemie viel länger dauert, als wir wohl alle angenommen hatten.»

Im Fall des Blues Festivals gilt das vor allem mit Blick auf die Sponsoren, die 75 Prozent zu dessen Budget beisteuern, ergänzte Kari Bründler:

Kari Bründler.

Kari Bründler.

«Wir konnten zwar unser Festival um ein Jahr auf 2021 verschieben. Aber für nächsten Monat haben wir drei Konzerte für unsere Sponsoren geplant, deren Durchführung jetzt ungewiss ist.»

Die Zukunft des Festivals hänge auch von der Sponsorenpflege ab.

Zu den Gemeinsamkeiten der diskutierenden Veranstalter gehört auch die Motivation, trotz der schwierigen Situation weiterzumachen. Zwar schreibt die Schüür mit den gegenwärtig maximal zugelassenen 300 Besuchern «rote Zahlen», sagte Liembd. Andréas Härry ergänzte, dass beim zum Le Théatre gehörenden Restaurant «Prélude» mit dem Ausfall der grossen Musical-Produktion gegenwärtig 40 Prozent des Umsatzes fehle. Trotzdem ist es für beide selbstverständlich, den Betrieb weiterführen zu wollen – nicht zuletzt wegen der Künstler und des Personals, die mit ihrer Arbeit den Lebensunterhalt verdienen.

Nicht alle Veranstaltungen in «Superspreader-Topf»

Dass dies vermehrt ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist, könnte ein positiver Effekt der Krise sein: «Kultur ist eine Wirtschaftsbranche wie jede andere auch», brachte es Marco Liembd auf den Punkt:

Marco Liembd.

Marco Liembd.

«Wir leben nicht vom Idealismus, sondern leisten professionelle Arbeit.»

Stefan Sägesser unterstrich die Bedeutung dieser Branche mit dem Hinweis auf die jährlich zwei Millionen Besucher von Kulturveranstaltungen in der Zentralschweiz: «Mit den Umsätzen, die im technischen Bereich oder in der Gastronomie generiert, ist Kultur eine dem Tourismus vergleichbare Wirtschaftsbranche.» Ihre Rettung kann also der Politik wie dem Publikum etwas wert sein. Im Hinblick auf Letzteres wünschten sich Kari Bründler und Marco Liembd auch von den Medien eine Berichterstattung, die nicht alle Veranstaltung in ein und denselben potenziellen «Superspreader-Topf» wirft: Dabei gehe schnell unter, dass es viele Konzerte gebe, die nach vorbildlichen Schutzkonzepten diszipliniert ablaufen würden.