Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

POP: Abgetaucht in die Märchenwelt

In ihrem letzten Album ging Björk durch ein Tal der Tränen, nun glaubt sie wieder an das Gute. Entsprechend klingt die isländische Sängerin auf «Utopia» optimistischer denn je.
Björk ist immer wieder auch für visuelle Überraschungen gut. (Bild: PD)

Björk ist immer wieder auch für visuelle Überraschungen gut. (Bild: PD)

Michael Gasser

Vom Pop und eingängigen Melodien hat sich Björk schon vor Jahren entfernt. Und mit ihrem letzten Album, «Vulnicura» aus dem Jahr 2015, verabschiedete sie sich auch von ihrem langjährigen Lebenspartner, dem Künstler Matthew Barney. Was zu einer Liedsammlung führte, die Björks Tränen und Trauer schmerzhaft nachspüren liess. Jetzt, fast drei Jahre später, scheint bei der Isländerin wieder Glückseligkeit zu herrschen.

«Utopia», ihr neuntes Studioalbum, zeigt sich dementsprechend optimistisch und voller Versprechen. «Ich mag Dinge, die hübsch sind, und ich mag Dinge, die sehr brutal sind», gestand die Avantgarde-Musikerin, die mit vollem Namen Björk Guðmundsdóttir heisst, dem Magazin «Dazed». Doch für den Moment steht bei ihr das Leichte und Lichte im Vordergrund. Und das nicht von ungefähr, denn: Die 52-Jährige erlebt gerade eine Romanze und hat ihr neues Werk gegenüber den Medien deswegen scherzhaft auch als ihr «Tinder-Album» bezeichnet. Bereits im ersten Song, «Arisen My Senses», schwärmt Björk von einem Kuss und ihren sämtlichen Körperzellen, die auf die neue Liebe fokussiert sind. Dazu ertönen luftige Harfenklänge, die von tickenden Elektrobeats unterfüttert sind und vom Aufbruch künden. Auf über 70 Minuten gibt sich die Künstlerin dem Traum eines unbefleckten Landes hin, in dem Vogelarten lebten, von denen noch niemand etwas gehört oder gesehen habe. «Wenn wir nicht nur unser persönliches Drama überleben wollen, sondern auch die Situation, in der sich die Welt aktuell befindet, dann müssen wir einen Plan entwickeln», liess Björk wissen, die ihr Heil dementsprechend nicht ausschliesslich in der Liebe, sondern auch in Utopien sucht.

Friedliche, geradezu bedächtige Songs

Folgerichtig kreiert Björk, die Mitte der 1980er-Jahre mit The Sugarcubes bekannt wurde, wundersame Klanglandschaften aus Vogelgezwitscher und den Klängen eines zwölfköpfigen Flötenensembles aus ihrer Heimat Island. Statt muskulöser Rhythmen verfolgt sie lieber fluide, friedfertige und geradezu bedächtige Sounds, die sich auch als Filmscore für eine Tierdokumentation eignen würden. Gleichwohl verhindern Björks mäandernder Gesang und die sich immer wieder wandelnden Songstrukturen, dass sich die Musik den Zuhörenden unmittelbar erschliesst. Im Zweifelsfall wird nämlich das Sperrige bevorzugt.

Das führt dazu, dass keines der Lieder auf Anhieb haften bleibt. Dafür wirken sie selbst beim zehnten Hördurchgang noch frisch und wissen – einer Dschungelexpedition gleich – stets mit Unentdecktem aufzuwarten. Während sich «Blissing Me» fünf Minuten lang um ein paar wenige Noten dreht und vor allem auf seine Leichtfüssigkeit und einige knarrende Sounds setzt, wartet «Tabula Rasa», in welchem das Matriarchat herbeigesehnt wird, mit ebenso schillernden wie dramatischen Streicherarrangements auf. Im abschliessenden «Future Forever» rückt Björk nochmals näher an den Bereich des Esoterischen heran und besingt das Oszillieren zwischen Schlaf- und Wachzustand, umgarnt von tröpfelnden Synthesizer-Akkorden.

Trotz ihrer Komplexität muten die Tracks auf «Utopia», das Björk mehrheitlich mit dem venezolanischen Elektromusiker Arca erarbeitet hat, verspielt an. Die Kombination aus sanften Schattierungen und zappligen Beats rüttelt zwar nicht an der versöhnlichen Grundstimmung des Albums, verleiht diesem jedoch die nötige Spannung. Als Hintergrundmusik taugen die insgesamt 14 Songs nicht. Doch sie wissen nicht nur zu bezirzen, sondern auch in eine Märchenwelt zu entführen.

Björk: «Utopia» (One Little Indian/Irascible)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.