POP: Das Jahr des Hechts

Die Luzerner Band Hecht ist neben Trauffer der Senkrechtstarter der Saison. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass heute Konzerte wichtiger sind als CDs.

Michael Graber
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Hecht-Sänger Stefan Buck geniesst das Bad im Publikum.Bild: Tabea Hüberli

Hecht-Sänger Stefan Buck geniesst das Bad im Publikum.Bild: Tabea Hüberli

2016 war laut dem chinesischen Horoskop das «Jahr des Affen». Jetzt haben wir hier nur wenige Affen, und auch sonst stand hier ein anderes Tier unter einem besonders guten Stern: der Hecht. Die nach dem Fisch benannte Band erlebte in diesem Jahr den Sprung an die Spitze. Die Konzertsäle wurden grösser, voll wurden sie trotzdem immer. Schüür ausverkauft. Bierhübeli ausverkauft. Salzhaus ausverkauft. Auch für jenes Konzert an der Radio Pilatus Christmas Night im «Schweizerhof» nächste Woche gibt es keine Tickets mehr. Im kommenden März gehen sie noch einmal auf Tour, lange wird es nicht mehr gehen, und auch da wird «ausverkauft» stehen.

Es ist wirklich das Jahr des Hechts. Die Band, die einst im Luzerner Seetal gegründet wurde, ist endgültig zu einem grossen Fisch im Schweizer Musikteich geworden. «Ich will in vollen Hallen spielen, und alle im Publikum sollen mitsingen», hat Stefan Buck vor anderthalb Jahren bei unserem ersten Gespräch gesagt. «Es ist verrückt: Es hat tatsächlich geklappt», sagt er jetzt zufrieden lächelnd. Wer die Youtube-Schnipsel ihrer Konzerte sieht, der hört Buck teilweise fast nicht mehr singen. Da wird geklatscht, gehüpft und gesungen. Mittendrin immer: ein strahlender Stefan Buck. «Es gibt kaum etwas Schöneres», sagt der 36-Jährige. Privat trägt er weniger farbige Hemden als auf der Bühne. Buck ist nicht nur Hecht, sondern hat auch einen gut dotierten 100-Prozent-Job. Als die Band so richtig am Durchstarten war, wurde er zum zweiten Mal Vater.

«Computer klatschen nicht»

Dem ursprünglichen Schlagzeuger von Hecht wurde alles ein bisschen zu viel. Er stieg aus, komplett freiwillig und ohne böses Blut, wie Buck betont. Aber es ist halt auch ein bisschen sinnbildlich für die Schwelle, an der Hecht gerade stehen. Vollgas weiter und den Schwung nutzen oder lieber etwas auf die Bremse stehen? Vollgas weiter Hecht würde wohl bedingen, dass man an einem anderen Ort auf die Bremse stehen muss. Man merkt Buck das Hadern an. Natürlich sei es reizvoll, voll auf die Musik zu setzen, gibt er zu – «Computer klatschen nun mal nicht». Aber die «Aber» kommen schnell, und es sind viele. Wie genau er und die Bandkollegen sich entscheiden, steht noch in den Sternen.

Hecht haben mit ihrem mitsingtauglichen Mundartpop einen Nerv der Zeit getroffen. Hecht erzählen in ihren Liedern Geschichten über die Liebe, das Flirten, aber auch über das Scheitern. Immer in einer sehr blumigen Sprache voller Metaphern. Und vor allem: Hecht sind eine starke Liveband. Die Freude ist ansteckend. Da wird getanzt, umarmt und getrunken. Buck und seine Kollegen Daniel Gisler, Christoph Schröter, Chris Filter und Philipp Morscher sind sich für nichts zu schade und tragen auch mal Anzüge mit Herzen drauf. Ein Hecht-Konzert ist ein Erlebnis. Ein gutes.

Spielen, spielen, spielen

45 Konzerte haben sie seit der Veröffentlichung ihres Albums «Adam + Eva» im Sommer 2015 gespielt. Darunter über 15 auf Festivals. Dabei haben Hecht Tausende Menschen erreicht. Und die kommen immer wieder. Die CD-Verkäufe dagegen sind fast ein bisschen zu vernachlässigen. Eine goldene Schallplatte, die gibts ab 10 000 verkauften Einheiten, haben Hecht nicht. «Viel fehlt aber nicht mehr», sagt Buck. Der Mechanismus ist ähnlich wie bei Trauffer. Dem anderen, noch erfolgreichen Senkrechtstarter der Saison. «Spielen, spielen, spielen» ist die neue Zauberformel. Nicht mehr die CD ist der Motor, an ein Konzert zu gehen, sondern das Konzert schafft einen Anreiz, die CD zu kaufen.

Das ist ein harter Weg. Am Anfang sind weder die Säle voll noch das Publikum textsicher. Beharrlichkeit und Authentizität sind die wichtigsten Faktoren geworden. Hecht sind beides und wurden dafür belohnt. Nach den Konzerten im Frühling wird es etwas ruhiger werden. Songs schreiben ist angesagt. Zu der Beharrlichkeit gehört auch, dass man keine grössere Pausen zwischen zwei Platten zulässt. «Schreiben und Konzerte spielen geht fast nicht gleichzeitig, wenn man nebenher noch arbeitet und Familie hat», sagt Buck. Aber natürlich wolle man sich auch etwas rar machen. Das macht den Hunger bei den Fans grösser. Ziel sei es, dass die neue CD vielleicht schon Ende 2017 auf den Markt kommt. Dann ist laut chinesischem Horoskop das «Jahr des Huhns». Auch kein Hecht, aber der Anfangsbuchstabe stimmt schon mal.

Hinweis

Hecht spielen am 17. 12. an der Radio Pilatus Christmas Night im Hotel Schweizerhof und am 17. 3. 2017 am Festival Andermatt live. www.hechtimnetz.ch

Michael Grabermichael.graber@luzernerzeitung.ch