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POP: DJ Bobo – fast schon unanständig normal

Müsste man einen typischen Schweizer Popstar erfinden, es käme wohl DJ Bobo (48) raus. In einer neuen Autobiografie geht er selber seinem Erfolg auf die Spur. Und unser Autor erinnert sich an persönliche Begegnungen.
Michael Graber
Popstar (2010), ... (Bild: Keystone/Archiv Luzerner Zeitung)

Popstar (2010), ... (Bild: Keystone/Archiv Luzerner Zeitung)

Irgendwie hat fast jeder Zentralschweizer seinen Bobo-Moment. Meiner war Mitte der Neunziger im Luzerner Lido. DJ Bobo, damals gerade mit Hits wie «Somebody Dance With Me» und «Everybody» weit vorne in den Charts, sass entspannt unter einem Baum. Geduldig erfüllte er die Autogrammwünsche seiner Fans – auch meinen. DJ Bobo – das war vor der Jahrtausendwende die grosse Welt mitten in der kleinen Zentralschweiz. René Baumann war ein Star, der am Abend die Mädchen zum Kreischen brachte und am Nachmittag relaxed in der Badi sass.

Diese unglaubliche Nähe, die er ausstrahlt, ist bis heute das grosse Erfolgsgeheimnis von Baumann. Den Wahl-Horwer Bobo traf man beim Baden, Spazieren oder auf der Skipiste. Extrawürste wollte er jeweils keine und stand am Skilift brav an wie alle anderen. Kurzum: DJ Bobo war fast schon unanständig normal geblieben.

Keine Groupies, dafür Stofftiere

Jetzt legt er mit «DJ Bobo: Popstar – der ganz normale Wahnsinn» seine Autobiografie (geschrieben unter Mithilfe der Journalistin Judith Langhans) vor. Und: Die Normalität steckt nicht nur im Untertitel, sondern fast in jeder Zeile des Buches. Groupies, Drogen, Hotelzimmer zerdeppern? Fehlanzeige! Das machen im Buch – wenn überhaupt – die anderen. «Mir schenkten die Kids Stofftiere, mal ein Nilpferd, mal ein Monchichi. Auch nett», schreibt Bobo. Alkohol trinkt er sowieso keinen, seit er sah, was der Schnaps mit seinem Stiefvater gemacht hatte.

René Baumann ist der Prototyp eines Schweizer Popstars. Er ist anständig, lösungsorientiert und tut niemandem weh. Sogar wenn er früher (illegal) Kassetten seiner DJ-Auftritte vertrieb, wirkte das nicht böse, sondern höchstens etwas naiv. Bobo ist nicht nur nicht böse, man kann ihm auch nicht böse sein.

Wie er seinen Weg vom Bäckerlehrling, der nebenbei Platten auflegt, zum erfolgreichen Popmusiker erzählt, hat etwas Zufälliges. Klar, Baumann ist (auch typisch schweizerisch) schampar fleissig und schampar ehrgeizig, aber erzwingen tut er nichts. Vieles passiert einfach, auch weil er zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Und immer wenn er abzuheben droht, holt er sich selber zurück auf den Boden der Tatsachen.

Irgendwie klingt alles fast ein bisschen zu perfekt, aber einem Bobo glaubt man das. Auch weil der Bobo heute immer noch der von damals im Lido ist. Bobo bleibt Bobo. Das merkt man am besten an seiner Musik. Veränderung? Höchstens in homöopathischen Dosen.

Eine musikalische Zeitreise

Bobo hören ist immer ein bisschen eine Zeitreise in die 90er-Jahre. An seine ganz grossen Erfolge – die letzte Nummer-1-Platzierung mit einem Album war 2005 – kann er vielleicht nicht mehr anknüpfen, aber deswegen sieht er keine Notwendigkeit, sich gleich neu zu erfinden. DJ Bobo ist Eurodance. Und auch wenn der kurzzeitig mit Lady Gaga und Co. wieder ein bisschen modern wurde, richtig cool ist er nicht.

Aber das stecken seine Fans locker weg. Und von ihnen gibt es immer noch viele. Auch dank seiner Shows. Bobos Konzerte sind Bombast – grosse Bühne, grelle Kostüme, Knalleffekte. Und mittendrin Bobo, der das alles selber am meisten zu geniessen scheint. «Piraten hatten mich schon als Kind fasziniert», schreibt Bobo. Also dann: «Lass uns ein Piratenschiff auf die Bühne bringen.» Dass er die Töne nicht immer trifft, macht Bobo live mit fast schon kindlicher Freude wett.

Auch hier ist er ein Meister der Dosis: Es knallt nicht zu laut, die Effekte sind nicht zu grell und die Kostüme sind nicht zu aufreizend. Provozieren will DJ Bobo nicht, er will unterhalten. Das kann er besser.

Von Welthits und «Bommeln»

So ist auch die Sprache in «DJ Bobo: Popstar – der ganz normale Wahnsinn» einfach gehalten. Bobo (oder Langhans) schreibt, wie er spricht. Das ist gefällig («Ich bekam einen Welthit geschenkt»), manchmal selbstkritisch («es war ein Scheisslied») und nur selten peinlich («Ich sah, dass nicht nur die Schlüssel prächtige Bommeln hatten, auch Brenda hatte welche.») Bobo berichtet von Touren, vom Kinderkriegen, aber auch vom Scheitern seiner ersten Ehe und wie er seinen leiblichen Vater mit 33 Jahren zum ersten Mal traf – das ist dann tatsächlich richtig rührend.

«Bobo sass nur auf dem Sofa und liess uns arbeiten», dieser Vorwurf von seinen ersten Manager und Produzenten wurde in der «Schweiz am Sonntag» erhoben. Sie beschweren sich, dass ihre Arbeit im Buch verschwiegen wird. Bobos Manager Oliver Jmfeld lässt ausrichten, es gebe dazu nichts sagen. «Alles zu dem Thema ist im Buch geschildert. Da gibt es nichts zu ergänzen.» Dank der grossen Nähe: Im Zweifel glaubt man DJ Bobo.

Michael Graber

DJ Bobo bei seinem Auftritt im Rahmen der «DJ Bobo Magic Tour» im Allmend-Stadtion in Luzern im Jahr 1999. (Bild: LZ Archiv)
René Baumann, wie DJ Bobo zum bürgerlichen Namen heisst, leistete im Juli 1999 in Beckenried Zivilschutz und musste ein gefährliches Hanggebiet überwachen. (Bild: LZ Archiv)
9. August 2001: Der Popstar DJ Bobo heiratet seine Sängerin Nancy Rentzsch im Gütsch. (Bild: LZ Archiv)
Im Mai 2004 gab DJ Bobo ein Konzert in der Swisslife-Arena in der Stadt Luzern. (Bild: LZ Archiv)
Roger Federer und DJ Bobo drehten 2004 gemeinsam für Emmi einen Werbespot. (Bild: LZ Archiv)
DJ Bobo wurde im September 2004 offiziell Werbebotschafter von Engelberg. Im Bild mit Albert Wyler, Präsident Engelberg-Titlis Tourismus AG (links) und Fredy Miller, Direktor von Engelberg-Titlis Tourismus. (Bild: Archiv NZ)
Mit seiner Piraten-Crew trat DJ Bobo im Mai 2005 in der Swisslife-Arena auf. (Bild: Archiv LZ)
Zum Nationalfeiertag 2006 gab DJ Bobo in Engelberg ein Konzert. (Bild: Archiv LZ)
Am Tag der offenen Tür des FC Luzern im Oktober 2008 spielte der FCL gegen das Team DJ Bobo. (Bild: Archiv LZ)
DJ BoBo bei einem Auftritt am 1. August 2009 in Engelberg. (Bild: Philipp Schmidli)
DJ Bobo gastierte am 7. Juni 2012 in der Swiss Life Arena in Luzern mit seiner neuen Show Las Vegas. (Bild: Pius Amrein)
DJ Bobo (Bild) organisierte eine Paralellslalom WM auf der Skisprungschanze in Engelberg und lud diverse Promis ein. (Bild: roger gruetter)
DJ Bobo drehte auf dem Flugplatz Buochs Szenen für sein neues Video. (Bild: André A. Niederberger)
DJ Bobo ist auch FCL-Fan. Hier vor dem Super League Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Lugano am Samstag, 12. März 2016 in der Swissporarena Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)
14 Bilder

DJ Bobo: Konzerte, Benefiz und FCL

... Zivilschützer (1999) ... (Bild: Keystone/Archiv Luzerner Zeitung)

... Zivilschützer (1999) ... (Bild: Keystone/Archiv Luzerner Zeitung)

... und Werbeträger (2004): DJ Bobo kann alles. (Bild: Keystone/Archiv Luzerner Zeitung)

... und Werbeträger (2004): DJ Bobo kann alles. (Bild: Keystone/Archiv Luzerner Zeitung)

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