POP: Eliane macht Feuerzeug-Musik

Eliane hält sich hartnäckig. Das «grösste Schweizer Talent» aus Hochdorf veröffentlicht bereits ihr drittes Album.

Michael Graber
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Ist in diesem Jahr nach der Trennung von ihrem Freund von Luzern ins Tessin gezogen: Eliane Müller. (Bild: PD / Sony)

Ist in diesem Jahr nach der Trennung von ihrem Freund von Luzern ins Tessin gezogen: Eliane Müller. (Bild: PD / Sony)

Michael Graber

Normalerweise haben Castingsternchen eine sehr begrenzte Halbwertszeit. Mindestens so schnell, wie sie aufgehen, so schnell verglühen die Sterne auch wieder. Eliane Müller ist da hartnäckiger. Nur gut zwei Jahre nach ihrem Sieg bei «Die grössten Schweizer Talente» veröffentlicht die Hochdorferin ihre dritte Platte «Bright Lights». Die ersten beiden erreichten gute Chartpositionen, und auch die Konzerte sind gut besucht.

Dementsprechend locker sitzt Müller in einem Luzerner Restaurant. Draussen hat sich hartnäckiger Nebel festgesetzt, aber für die 24-Jährige ist das nichts Unbekanntes. Müller hat mehrere Jahre in Luzern gewohnt, ist aber in diesem Jahr nach der Trennung von ihrem Freund ins Tessin gezogen dort hatte sie auch bereits studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen.

Mutiger und persönlicher

Ihr neues Album sei persönlicher geworden, sagt Müller, «mit steigender Erfahrung getraut man sich auch weniger allgemein zu formulieren beim Texten». Ganz allgemein sei sie etwas mutiger geworden, findet die Hochdorferin. Aber es ist weder viel persönlicher noch viel mutiger: Es ist ganz einfach Eliane Müller, wie man sie bereits seit ihrem Sieg in der Fernsehsendung kennt. Ihre Stimme eignet sich bestens für sanfte Pianoballaden, und dementsprechend bleibt das auch das vorherrschende Stilmittel auf der Platte.

«Ich weiss ja dank den Konzerten auch, was bei den Leuten gut ankommt», sagt Müller, die weiterhin auf Englisch und Italienisch (ein Song allerdings nur) singt. Es sind Lieder, zu denen man bestens das Feuerzeug zücken und ein bisschen schwelgen kann. Das ist keineswegs die Neuerfindung des Pops, sondern oft einfach ehrliche und solide Musik was wiederum nicht als negative Wertung verstanden werden soll.

Es ist vielleicht auch einfach eine ganz realistische Haltung: Wer in der Schweiz als Musiker Erfolg haben will, dem steht es besser an, nicht zu viele Experimente zu wagen. Und im Gegensatz zu anderen Künstlern, bei denen dies berechnend geschieht (und auch so wirkt, siehe Bligg), nimmt man es Müller tatsächlich ab. «Es ist die Musik, die mit wirklich gefällt», lacht sie.

Tessin erobern

«Bright Lights» ist ein stimmiges Album geworden ohne grosse Ausreisser nach oben oder unten. Die Single «Leave A Light On» braucht auch den internationalen Pop-Vergleich nicht zu scheuen, und mit «L’Anello Graffiato» gelingt ihr wieder ein schöner italienischer Titel.

Sowieso italienisch. Bei der kommenden Tour wagt sich Eliane Müller tatsächlich auch ennet dem Gotthard auf eine Bühne. Im Tessin kannte niemand die Sendung «Das grösste Schweizer Talent», und auch sonst hat der südliche Kanton oft einen ganz eigenen Musikgeschmack im Gegensatz zur Restschweiz.

«Ich bin schon etwas nervös», gibt Müller zu, «aber ich muss es einfach probieren.» Immerhin hat sie in Lugano studiert, wohnt jetzt bei Bellinzona, und auch sonst sei das Tessin «ein bisschen Wahlheimat». In ihrer «richtigen» Heimat Hochdorf spielt sie aber natürlich auch.

Mittiger Weg

Der mittige Weg zwischen Aufbruch und Kontinuität steht der hübschen Luzernerin ganz gut. Irgendwie scheint ihr alles mit einer Lockerheit zu gelingen, auf die man fast neidisch sein will. Das dahinter mitunter harte Arbeit steckt, merkt man erst in den Zwischentönen des Gesprächs. Angst, dass es plötzlich nicht mehr klappt mit der Musik, hat sie aber sowieso nicht. Und wenn doch: «Dann habe ich auch keine Angst, dass es mir plötzlich langweilig wird.»

Eliane: Bright Lights (Sony) •••••