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POP: Er tanzt nicht aus der Reihe

Der Luzerner Marco Kunz sieht ein bisschen aus wie Ryan Gosling und macht schmucken Mundartpop. Inklusive Seitenhieben gegen Zürich.
Marco Kunz (30) aus Mauensee trägt straffe Hosenträger und macht Musik. (Bild: PD/Amanda Nikolic)

Marco Kunz (30) aus Mauensee trägt straffe Hosenträger und macht Musik. (Bild: PD/Amanda Nikolic)

Michael Graber

«Chom mer tanzet us de Reihe» sind die ersten Worte auf «Mundart-Folk», der neuen Platte von Marco Kunz. Doch keine Angst: Kunz tanzt nicht aus der Reihe, er tanzt einfach in seiner Reihe weiter. Weiter nach vorne vielleicht – aber ohne frech zu drängeln. Mit seinem zweiten Album erfindet der 30-Jährige aus Mauensee das Rad nicht neu, «schräubelt» vielleicht da und dort ein wenig.

«Es wurde alles live mit Band eingespielt und hat darum jetzt mehr Druck», sagt Kunz beim Gespräch. Tatsächlich: Sein Sound ist stampfender, nuancierter und dichter als auf seinem Erstling. Aber eben: Alles folgt der logischen Reihe. Noch immer ist das gerader Mundartpop, der – man hört es gut – in der Schweizer Hitfabrik HitMill geschliffen wurde. Dort, wo auch Bligg, Pegasus und Baschi gross geworden sind.

Straffe Hosenträger

«Natürlich mache ich Pop», so Kunz selbstbewusst. «Ich habe Freude, wenn ich am Radio gespielt werde und meine CD gekauft wird.» Zudem sei es das Grösste, wenn das Publikum an Konzerten seine Songs mitsingen könne. Und danach schreit irgendwie jedes der 13 Lieder auf der Platte. Sie sind teilweise derart unanständig eingängig, dass man sie plötzlich im Bus zu pfeifen beginnt – das spricht für die Songs.

Und da ist ja noch die Verpackung der Songs. Eben: Kunz. Oder «Alpen-Gosling», wie ihn der «Blick» getauft hat, wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Ryan Gosling. Und ja: Der Kunz ist ein attraktiver Mann. Einer vom Typ Schwiegermuttertraum. Adrettes Hemd, schöne Schuhe, straffe Hosenträger. Dazu spielt Kunz auch mit seinem Dialekt und seiner Herkunft. Streut Zeilen über den «Rägetropfe im Dorfbach» ein (der dann auch irgendeinmal im grossen Meer landet) und kann sich auch einen kleineren Seitenhieb gegen die Schweizer Weltstadt nicht verkneifen – «För dech wörd ech uf Olte zieh, nor uf Züri ziehni nie». Das kommt bei jenem Publikum gut an, das Kunz ansprechen will.

«Kunz ist Kunz»

Ist das kühle Berechnung? «Ich würde tatsächlich nie nach Zürich ziehen», sagt Kunz. «Ich kenne meine Wurzeln, und Zürich ist mir tatsächlich zu hektisch und zu gross.» Kunz wirkt dabei ehrlich. Er kennt keine falschen Berührungsängste und ist trotzdem weit davon entfernt, dumpfe Heimattümelei zu bedienen. Das ist in seiner Direktheit irgendwie erfrischend. Kunz ist nicht die x-te Mundartband, die irgendwie lyrisch-verschrobene Texte wie Patent Ochsner schreiben will. Und wie Züri West will sie auch nicht sein. «Kunz ist Kunz», sagt Kunz. Muss er ja.

Auf dem Cover sieht man ihn «födleblutt» (Kunz), die Bandmitglieder halten ihm aber Kleider hin, so dass man kein «Födle» und auch sonst wenig «Bluttes» sieht. «Ich wollte zeigen, dass ich nicht einfach ein Einzelkämpfer bin, sondern meine Band brauche, um nicht nackt zu wirken.» Auf «Mundart-Folk» hört man wirklich mehr als nur Kunz. Edis Kahrimanovic (Gitarre/Mandoline), Marcel Schwegler (Bass), Manuel Römer (Schlagzeug/Perkussion) und Christoph Pfändler (Hackbrett) legen nicht nur einen Teppich, sondern dürfen dann und wann Akzente setzen. Vor allem das Hackbrett erweist sich immer wieder als netter Impulsgeber.

Titel hält, was er verspricht

Seine Platte klinge «fast so wie ‹Fifty Shades of Grey›, ist aber sogar noch es biz besser», steht im Pressetext. Es werden aber weder Peitschen geschwungen noch wird irgendwer geknebelt. Kunz macht sicherlich nicht Sado-Maso-Pop, sondern eher die Blümchensex-Variante. Das ist vielleicht auch das, was man der Musik am meisten ankreiden kann: Es fehlt ihr an Ausbrüchen, an etwas Mut und etwas schrägen Elementen. Eben jenes «aus der Reihe tanzen», von dem Kunz schon im ersten Song singt. Gerade wenn man im Gespräch mit Kunz den Schalk spürt, den er hat, ist das etwas schade. Aber man muss ja nicht das ganze Pulver schon auf der zweiten Platte verschiessen. «Mundart-Folk» ist genau das, was der Titel verspricht.

Und ganz ehrlich: Wenn alle aus der Reihe tanzen, ist es auch manchmal schön, wenn es jemand nicht tut. Das kann dann fast rebellisch wirken.

Kunz: Mundart-Folk (Universal). Plattentaufe: Freitag, 2. Oktober, 20.30, Schüür, Luzern
Bewertung: 4 von 5 Sternen

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