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POP: «Frech in gewissem Rahmen»

Damian Lynn macht gefälligen Pop mit Gitarre und Loopgerät. Das klingt erstaunlich reif für einen 23-Jährigen.
Damian Lynn (eigentlich Lingg, 23) kann durchaus positiv in die Zukunft blicken: Seine Chancen auf dem Musikmarkt stehen gut. (Bild: Roger Gruetter)

Damian Lynn (eigentlich Lingg, 23) kann durchaus positiv in die Zukunft blicken: Seine Chancen auf dem Musikmarkt stehen gut. (Bild: Roger Gruetter)

Eine Hörprobe finden Sie unter: www.luzernerzeitung.ch/bonus

Michael Graber

Viele bekannte Albträume beginnen irgendwie damit, dass man allein auf einer Bühne steht. Alle Augen sind auf einen gerichtet, und dann vergisst man den Text, verpasst den Einsatz oder singt einen komplett falschen Ton. Meist ist man danach froh aufzuwachen, auch wenn man nicht genügend geschlafen hat.

Mit dem Zug nach Bern

Für Damian Lynn ist die Situation, allein auf der Bühne zu sein, beinahe schon Alltag. Der 23-jährige Krienser hat sich von seiner Band losgesagt und tingelt jetzt allein durchs Land. «Das hat schon seine praktischen Seiten», sagt Lynn, der eigentlich Lingg heisst, «ich kann etwa ganz spontan Gigs zusagen, ohne dass ich erst mit allen anderen Kontakt aufnehmen muss.»

So passiere es, dass er am Donnerstag angefragt werde, ob er am Freitag für eine Kollekte in Bern spielen wolle und kurz entschlossen sitzt Lynn im Zug in die Bundeshauptstadt. Wenn man die Gage nicht noch durch fünf teilen muss, lohne sich das natürlich auch mehr, sagt Lynn lächelnd.

Sprungfeder gewonnen

Er reist mit Gitarre und Loopgerät durch die Schweiz, hat auch schon im Vorprogramm von Bligg und Pegasus gespielt, und seine Singles laufen auch auf zahlreichen Radiostationen in der Schweiz. Für einen 23-Jährigen hat Lynn schon einiges an Erfahrung, mit seiner «alten» Band Sway 89 gewann er einst den Nachwuchscontest Sprungfeder. «Ich muss einfach spielen, spielen, spielen», sagt Lynn. Beinahe jedes Wochenende hatte er hochgerechnet im vergangenen Jahr – einen Auftritt; das wohlgemerkt ohne eine eigentliche CD.

Jetzt ist «Count to Ten» da. Lynn schaut ernst vom Cover und wirkt dabei deutlich älter als seine Altersgenossen. Und so klingt er auch, das ist durchaus als Kompliment gemeint. Wer nach Rotz, Ausbrüchen und Experimenten sucht, ist bei Lynn am falschen Ort. Er spielt gefälligen Pop, der eher auf SRF 3 als auf Radio 3fach läuft. Aber: «Ich mache Musik, wie sie mir im Moment gerade passt», sagt Lynn selbstbewusst. Dahinter stecke kein Kalkül und kein Abwägen, um ein bisschen mehr Platten zu verkaufen. «Frech finde ich nicht schlecht, aber wenn, dann in einem gewissen Rahmen.»

Die Stimme ist der grosse Trumpf des angehenden Sekundarlehrers. Sie trägt die 13 Songs mit viel Wärme und schafft es, dass die Lieder nie beliebig wirken. Auch wenn es von der Ballade weggeht zu etwas rockigeren Klängen, zeigt sich Lynn flexibel. Geschrieben hat er alles selber, aufgenommen hat der Einzelkämpfer dann teilweise mit Unterstützung. Auch live holt er sich für die grösseren Bühnen einen Drummer dazu, der den Songs den nötigen Druck verleiht, um auch auf einem Gurten bestehen zu können.

Gesunde Eigeneinschätzung

Lynn hat einen gesunden Ehrgeiz, aber auch eine gesunde Selbsteinschätzung: «Natürlich wäre es schön, auch im Ausland Fuss zu fassen. Nur ist das schwer.» Er könne sich durchaus vorstellen, durch Deutschland zu touren und Promo zu machen, aber immer im Wissen, «dass ich dann wohl zuerst in kleinen Clubs und Bars vor wenigen Leuten spiele».

Seine Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Luzern unterbricht er jetzt erstmals, um so viel wie möglich vom Musikerlebenstraum zu geniessen.

Die Chancen, dass die Studiumspause noch etwas länger werden könnte, stehen nicht so schlecht: Damian Lynn hat alles, was es braucht, um Erfolg zu haben. Er sieht gut aus, er wirkt sehr sympathisch, und seine Musik kommt bei allen Altersschichten an. Vielleicht wird er ja gar der Deutschschweizer Bastian Baker so weit liegen diese beiden Musiker gar nicht auseinander. So gesehen: Das ist viel eher Traum als Albtraum. Und das ist doch mal was.

Damian Lynn: Count to Ten (Phonag)•••••

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