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POP: «Ich gehe fast immer etwas zu weit»

Büne Huber spricht über das neue Album von Patent Ochsner. Aber auch über seine neue Freundin und seine Masslosigkeit.
Interview Stefan Künzli
Der Abschluss der CD-Trilogie bedeutet zum Glück nicht das Ende von Patent Ochsner mit Büne Huber (Vierter von links). (Bild: PD)

Der Abschluss der CD-Trilogie bedeutet zum Glück nicht das Ende von Patent Ochsner mit Büne Huber (Vierter von links). (Bild: PD)

Interview Stefan Künzli

«Finitolavoro – Fertig gschaffet.» Büne Huber, hören Sie auf zu musizieren?

Büne Huber: Nein, nein. Überhaupt nicht. Es ist auch nicht das Ende der Ochsners. Nur der Abschluss der Trilogie.

Der Abschied ist aber zentral. Wovon nehmen Sie Abschied?

Huber: Der erste Teil ist 2005 entstanden. Das ist eine lange Zeit, in der es dramatische Veränderungen in meinem Leben gab. Im Zentrum steht die Trennung von meiner Frau, mit der ich jahrelang zusammen war. Das hat mich lange sehr beschäftigt. In diesem dritten Teil ist nun der Auszug meiner 18-jährigen Tochter dazugekommen. Daraus ist «Da für di» entstanden. Ich bin jetzt konfrontiert mit einer ähnlichen Situation wie jener, die ich im Song «Elisabeth» besungen habe. Als ich es war, der mein Elternhaus, meine Mutter, verliess. Das sind für mich wahnsinnig einschneidende Momente. Dieser Abschied ist natürlich folgerichtig und logisch, aber für mich halt nicht «easy».

Abschluss bedeutet auch ein Neustart. Was kommt?

Huber: Ich weiss es nicht. Ich bin ja kein guter Planer und lasse es oft einfach geschehen. In der Endphase von «Finito­lavoro» hat es mich zu Songs wie «Herr Flühmann» hingezogen. Zu Kurzgeschichten in einer musikalischen Form. Vielleicht sollte ich künftig die Struktur des Popsongs mit Strophe und Refrain verlassen, um Neues auszuloten. Melodien erfinden, die der Sprache folgen. Aber ob daraus etwas wird? Keine Ahnung.

«Rimini Flashdown II» war ja das erfolgreichste Ochsner-Album. Kein anderes Album war so lang in der Hitparade (39 Wochen).

Huber: Ist das wahr? Wusste ich nicht. Ich spüre aber, dass mir von allen Seiten sehr viel Respekt entgegengebracht wird.

Ist der Erfolg nicht auch eine Belastung? Haben Sie nicht auch Angst, sich zu wiederholen?

Huber: Das ist ein Dauerthema im kreativen Schaffen. Jeder Künstler hat ein paar zentrale Dinge, die ihn beschäftigen. Das ist der Antrieb. Jeder Künstler hat eine Palette des persönlichen Geschmacks und der Vorlieben. Und innerhalb dieses Rahmens gibt es Wiederholungen. Bei mir ist es nicht anders und ist bei jedem Album ein Thema. Es geht um die Balance zwischen Vertrautheit und neuen Elementen. «Finitolavoro» bewegt sich klar innerhalb dieses Ochsner-Sounds. Und doch haben wir musikalisch Sachen gemacht, die wir vorher noch nie gemacht haben.

Zum Beispiel?

Huber: Das hat vor allem mit Möglichkeiten der Aufnahmetechnik zu tun. Da wird geschnipselt, geloopt, und alle möglichen Sounds und Geräusche fliessen rein. Das ist heute im hohen Mass elektronische Musik. Aber es tönt nicht so. Es soll nicht so tönen.

Sie sind einer der erfolgreichsten ­Musiker der Schweiz. Wie ist eigentlich Ihre ökonomische Situation?

Huber: Ich lebe ein gutes Leben. Aber mein Lebensstandard ist auch nicht besonders hoch. Als Sozialpädagoge würde ich mehr verdienen. Was mir aber viel wichtiger ist: Ich habe keinen Boss, keine Stempeluhr, ich kann mein Leben so gestalten, wie ich es will. Diese Freiheit ist mir sehr viel wert.

Sie könnten also gar nicht aufhören, Musik zu machen?

Huber: Nein, das könnte ich nicht. Aber in meinem Alter macht man sich schon Gedanken. Mein Altenteil ist nicht gesichert. Wie für die meisten Musiker gibt es für mich keine Pension, und ich mache weiter. Ich lass es «tschädere».

Sie haben lange an der Trennung von Ihrer Frau genagt. Ich habe das Gefühl, dass es Ihnen wieder gut geht.

Huber: Das ist so. Ich habe wieder diesen Schwung gewonnen, um den ich lange kämpfen musste.

Sind Sie wieder in einer Beziehung?

Huber: Ja, seit rund einem Jahr. (strahlt)Meine neue Freundin hat nichts mit Musik zu tun. Es ist fernab von diesem Business zu diesem Treffen gekommen, an dem es gefunkt hat. Das ist gut. Sie wohnt inzwischen bei mir, und es funktioniert vielleicht gerade deshalb so gut, weil sie nichts mit diesem Geschäft zu tun hat. Ich bin überzeugt, dass das Album ihretwegen eine solch hoffnungsvolle Note hat.

In «Grill» beschreiben Sie eine Grill-party, die zur Orgie ausartet. Sie distanzieren sich aber vom Treiben. Sind Ihre wilden Zeiten vorbei?

Huber: Mir gefällt einfach die Rolle des moralinsauren Spielverderbers und Spanners. Aber es ist nur eine Rolle im Song. Ich selber bin ein exzessiver Sack, bin aber nicht besonders stolz darauf. Ich kann einfach nicht anders und gehe fast immer etwas zu weit. Ich bin immer etwas drüber, etwas zu viel, masslos. Ich leide masslos, freue mich aber auch masslos. Mich zieht es zum Exzess. Ich finde selbst, dass es langsam schicklich wäre, wenn ich mich etwas zähmen würde. (lacht)

Ein schlechtes Gewissen deswegen?

Huber: Manchmal schon. Ehrlich. Eine gewisse Sorgfalt im Umgang mit sich selber wäre manchmal schon angebracht. Das würde einem Mann in meinem Alter noch gut anstehen. Ich muss ja nicht gleich zum «stiere Siech» werden.

Bei Ihrer Arbeit als Musiker kann das Exzessive zu einer Qualität werden.

Huber: Wenn ich an einem Album arbeite, bin ich hoch konzentriert und nüchtern. Aber ich brauche irgendwo im Prozess des Musikmachens den Exzess. Es ist ja unglaublich, was ich in der Schlussphase zu einem Album saufe. Nur um noch mal einen anderen Zugang zur Musik zu finden. Ich bin nicht stolz drauf, aber ich brauche es als Arbeitsmittel.

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