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POP: Immer Risiko, immer die Metamorphose

Prince, der vorgestern mit erst 57 Jahren verstorben ist, war ein Getriebener. Ein Genie, das die Loyalität seiner Fans immer wieder bewusst untergraben hat.
Prince bei einem Konzert im Jahr 1990. (Bild: Keystone)

Prince bei einem Konzert im Jahr 1990. (Bild: Keystone)

Arno Renggli

Hand aufs Herz, ihr alle, die schon in den frühen 80ern Popmusik gehört habt: Habt ihr Prince auf Anhieb gemocht?

Ich für meinen Teil, unwissender Teenager, habe ihn auf Anhieb verabscheut. Fand die Musik unmelodiös und schwer zugänglich. Fand vor allem den Pygmäen-Macho, der vorgab, jede Frau zu kriegen, viel zu grossmäulig. Besonders missfiel mir der Song «1999», Titeltrack des Albums von 1982 und im Radio sowie als Video allgegenwärtig.

Warnung an Eltern

Dann kam Anfang 1983 ein anderer Song des Albums als Single heraus, der meinen Blick veränderte: «Little Red Corvette» flashte mich; die Melodie, das stets sanft auf der Bremse stehende Arrangement, der Text mit dem Refrain «Little red Corvette / Baby you’re much too fast / Little red Corvette / You need a love that’s gonna last». Was romantisch klingt, war auch sexuell anzüglich, wie vieles bei Prince. Seine Texte waren es übrigens, deretwegen auf Initiative der empörten Tipper Gore, damalige Gattin des späteren US-Präsidentschaftskandidaten Al Gore, die Elternwarnung «Parental Advisory – Explicit Lyrics» auf CD-Hüllen eingeführt worden sind.

Natürlich liebte ich 1984 «Purple Rain», wer tat das nicht. Zwei Jahre später musste ich mich an das schrille «Kiss» erst gewöhnen, die hübsche Gitarristin, die Prince im Video anbaggert, half mir dabei. 1987 fand ich das Album «Sign O’ The Times» stark. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon mitgekriegt, dass Prince auch ein Musiker ist, der offenbar jedes Instrument, das er in die Finger bekam, spielen kann. Natürlich nicht einfach so: Prince lernte schon als Kind Klavier, Gitarre, Drums und Bass.

Getriebenheit des echten Künstlers

Wie viele Popkonsumenten habe ich Prince in den folgenden Jahren etwas aus den Augen verloren. Seine Wandlungen, sein absurdes Spiel mit dem Künstlernamen, seine musikalischen Experimente mochte ich nicht mehr mitverfolgen. Dass er seit 2001 zu den Zeugen Jehovas gehörte, fand ich schräg.

Aus heutiger Sicht aber nötigt mir seine Karriere grössten Respekt ab. Er hätte es sich ja einfacher machen und auf der Erfolgswelle noch möglichst lange weiterschwimmen können. Stattdessen suchte er wieder das Neue, die Metamorphose, das Risiko. Dies verbindet ihn mit einem David Bowie, der ebenfalls dieses Jahr gestorben ist.

Prince war in diesem Sinne ein echter Künstler, weil er getrieben war von einer Notwendigkeit, welche Interessen von Kommerz und Ruhm überlagerte. Dazu passt sein schnelles und exzessives Leben, über das es auch viele Gerüchte zu angeblicher Homosexualität oder einer HIV-Ansteckung gibt. Zu diesem Leben passt nun leider sein früher Tod.

Behandlung wegen Überdosis

Hierzu wurden gestern weitere Informationen bekannt. Laut Polizei ist er leblos in einem Lift seines Paisley-Park-Studios nahe Minneapolis aufgefunden worden. Und laut der Promi-Website «TMZ» wurde er letzte Woche wegen einer Überdosis an Opiaten behandelt. Bei einer Zwischenlandung nach einem Konzert sei ihm in einem Spital ein Gegenmittel gespritzt worden.

Wie sehr Prince bis heute geschätzt wird, zeigen viele Reaktionen auf seinen Tod, drei von ihnen seien stellvertretend. So liess US-Präsident Obama verlauten: «Wir haben eine kreative Ikone verloren». Justin Timberlake, der musikalisch stark von Prince beeinflusst war, twitterte: «Taub. Fassungslos. Das kann nicht sein.» Und Mick Jagger schrieb auf Facebook: «Er war einer der einzigartigsten Künstler der letzten 30 Jahre. Sein Talent war grenzenlos.»

Hinweis

Am Montag, 23.15 Uhr, zeigt RTL 2 die Doku «Das Leben des Prince».

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