Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

POP: «Kitsch gehört zu Weihnachten»

Lange Jahre gehörten Weihnachten in der Schweiz und die Gospelkonzerte von Bo Katzman zusammen. Jetzt tritt Katzman etwas kürzer, und Patric Scott (29) macht sich auf, diese Lücke zu füllen.
«Ich liebe Weihnachten und geniesse die Zeit mit der Familie», sagt Patric Scott. (Bild: PD)

«Ich liebe Weihnachten und geniesse die Zeit mit der Familie», sagt Patric Scott. (Bild: PD)

Stefan Künzli

Schuld ist Bing Crosby. Der amerikanische Sänger hat 1942 die Ära des Christmas-Pop begründet. Seither ist die industrielle Verarbeitung der weihnächtlichen Popmusik stetig gewachsen. Die jubilierende Popsülze gehört heute zur vorweihnächtlichen Zeit wie der Adventskranz zum Advent oder Kerzen zum Weihnachtsbaum. Nein, Christmas-Pop, dieser hemmungslose, opulente Sound in Pomp und Kitsch, ist nichts für Weihnachtsmuffel.

Eine Ära geht zu Ende

Fast 30 Jahre lang gehörte auch Bo Katzman mit seinem Gospelchor zur vorweihnächtlichen Bescherung. Er ist der König des hiesigen Weihnachtspops. Oft belächelt, aber als Pionier des Genres hat er einen regelrechten Boom ausgelöst. 400 Gospelchöre soll es in der Schweiz inzwischen geben, und Jahr für Jahr suchte er uns mit einem neuen Album heim.

Fast so zuverlässig wie der Samichlaus – und mindestens so erfolgreich. Über eine halbe Million Tonträger hat er verkauft, und über eine Million Menschen haben seine Konzerte besucht. Doch jetzt ist er mit seinem Chor auf der «Last Christmas Tour». «Ich höre nicht auf, ich verabschiede mich nur vom Konzept mit dem Tourneechor», sagt er relativierend und kündigt für die Weihnachtszeit 2016 gleich ein neues Konzept an. «Nicht mehr so pompös, intimer und persönlicher.» Trotzdem: Eine Ära geht zu Ende.

Der Sänger vom Schloss Sargans

In dieses Vakuum ist jetzt der Ostschweizer Sänger Patric Scott vorgestossen. Auf seinem Album «Real Christmas» reiht er sich nahtlos in die Tradition des amerikanisch inspirierten Christmas-Pop und muss sich nicht verstecken. Mit einer Reihe von Sängerinnen und Sängern wie der Luzernerin Fabienne Louves, Jesse Ritch, Zazou Mall, der singenden TV-Moderatorin Cornelia Bösch und den erfahrenen Musical-Sängerinnen Eveline Suter, Annemieke van Dam singt er neben drei Eigenkompositionen Weihnachtsklassiker wie «Silent Night», swingende Standards wie «White Christmas», «Let It Snow» oder «Baby It’s Cold Outside», Weihnachtshits jüngeren Datums wie «Last Christmas» von George Michael oder «All I Want For Christmas Is You» von Mariah Carey und fällt nicht ab.

Der 29-jährige, bubenhafte Jüngling kann singen, schmachten, schluchzen, jubilieren und verfügt über einen beachtlichen Stimmumfang. Maskulin sonor im tieferen, feminin im hohen Register.

Keine Angst vor einer Überdosis Kitsch? «Nein, überhaupt nicht», sagt Scott bestimmt, «Kitsch und Pathos gehören zu Weihnachten. Ich liebe Weihnachten und geniesse die Zeit mit der Familie.»

Musicals

Patric Scott ist als Patric Kaiser in Gams im Rheintal aufgewachsen und lebt, wenn er in der Schweiz ist, im Schloss Sargans, wo seine Eltern seit 26 Jahren das Restaurant führen. Am Konservatorium in Feldkirch studierte er klassischen Gesang, und in Hamburg besuchte er die «Stage School of Music, Dance and Drama», die er mit 18 als jüngster Student mit Diplom abschloss. Unmittelbar darauf konnte er bereits mit dem grossen Regisseur Roman Polanski zusammenarbeiten, als er in Berlin im erfolgreichen Musical «Tanz der Vampire» mitspielte.

Es folgten die Musicals «Heidi» als Geissenpeter in Walenstadt, dann «Elisabeth», «Tell», «Titanic», «My Fair Lady» und «Die schwarzen Brüder». Patric Scott ist talentiert und ehrgeizig. So nebenbei liess er sich in Berlin als Gesangslehrer ausbilden und betreibt die Eventagentur Cloud26 GmbH. «Ich bin ein Macher», sagt er und will nicht einfach dasitzen und auf den Erfolg warten. Seit seinem 17. Lebensjahr kann er von der Musik leben.

Grossoffensive als Solosänger

Als Solokünstler ist er in der Schweiz aber noch kaum bekannt. Das soll sich jetzt ändern, weshalb er in diesem Jahr auf verschiedenen Ebenen eine Offensive startete: Im September veröffentlichte er sein souliges Debütalbum «Scarless», das Platz 25 in der Schweizer Hitparade erreichte.

Dazu kandidiert er mit Abdullah ­Alhussainy und dem Song «No Boundaries» für den Eurovision Song Contest, wo er die erste Hürde genommen hat und diesen Sonntag zum Expertencheck antritt (SRF direkt online). Gleichzeitig führt er bei Salto Natale singend durchs Programm. «Real Christmas» ist der vierte Teil dieser gross angelegten Offensive. Ziel ist es, sich so weit zu etablieren, dass er als Solokünstler kleine Konzerte geben kann.

Patric Scott mag keine Castings. «Sie mögen kurzfristig Erfolg und Ansehen bringen, umso grösser ist die Absturzgefahr», sagt er. «Ich bevorzuge die harte Tour und bin buchstäblich durch die Scheisse gegangen.» Dafür hat er sich selbst eine Basis erarbeitet, die ihn vor dem Absturz bewahrt.

Patric Scott: Scarless und Real Christmas.
Bewertung: 4 von 5 Sternen

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.