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POP: Krienser Sänger Damian Lynn auf der Überholspur

Damian Lynn setzt mit seinem zweiten Album zu einem grossen Karrieresprung an. Der Krienser im Gespräch über Ehrgeiz, allein auf der Bühne zu sein und falsche Sicherheiten.
Michael Graber
«Ich bin ehrgeizig, da stehe ich auch ganz offen dazu», sagt Damian Lynn (25). (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 23. März 2017))

«Ich bin ehrgeizig, da stehe ich auch ganz offen dazu», sagt Damian Lynn (25). (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 23. März 2017))

Interview: Michael Graber

Wer Radio hört, ist in den letzten Tagen sicherlich über «When We Do It» gestolpert. Der Song von Damian Lynn lief in den letzten dreissig Tagen auf allen Schweizer Radiostationen insgesamt über 1300 Mal. Zusammengerechnet lief das Lied im letzten Monat zwei komplette Tage lang. Damit ist «When We Do It» derzeit eines der meistgespielten Lieder überhaupt und mit Abstand der meistgespielte Song eines Schweizer Künstlers. Dementsprechend gutgelaunt sitzt Damian Lingg uns an einem sonnigen Tag in einem Restaurant an der Reuss gegenüber und trinkt einen Ingwer-Tee.

Damian Lynn, Ihr Song läuft rauf und runter am Radio. Die Konzerte sind immer mehr besucht. Sie covern in einer SRF-Sendung einen Song von DJ Bobo. Es geht stetig bergauf. Wie überrascht sind Sie selber?

Vom Erfolg selber bin ich natürlich schon überrascht. Aber vielleicht nicht so stark wie andere. Es ist ja jetzt nicht so, dass alles plötzlich explodiert ist und ich aus dem Nichts komme. Ich habe mich in den letzten Jahren konstant entwickelt und mir das auch aufgebaut. Ich war auf Tour mit Büne Huber, Stefanie Heinzmann und Laith Al-Deen, habe viele Konzerte an allen möglichen Orten gespielt und auch mit der letzten CD schon einen Achtungserfolg gehabt. Was aber schlussendlich mit einem Song oder einem Album am Schluss passiert, kann man nie kontrollieren. Dazu gehört auch eine Portion Glück.

Aber ehrgeizig sind Sie?

Ja, das bin ich schon. Da stehe ich auch ganz offen dazu. Ich will von meiner Musik leben können und diese Chance nutzen, die sich mir im Moment gerade bietet.

Hilft es da ein wenig, dass Sie die Rückfallposition als Lehrer haben? Sie haben ja einen Bachelor als Sekundarlehrer.

Ich müsste ja zuerst noch den Master machen. Diese Sicherheit hilft mir also nicht viel. Sowieso: Ich glaube, das ist ein typisches Schweizer Denkmuster – dieses Streben nach Sicherheit. Alles muss ein Sicherheitsnetz haben. Ich denke, dass das auch vielfach den Mut etwas behindert. Erst wenn das Haus gebaut ist, die Kinder aus der Schule sind und das Auto abbezahlt ist, kann man etwas wagen. Das ist doch schade. Man muss etwas probieren. Sonst ist es nachher zu spät, und man bedauert, dass man es nicht gemacht hat.

Und jetzt leben Sie komplett von der Musik? Laut dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» gibt es gerade einmal zwölf Popmusiker in der Schweiz, die das können.

(lacht) Das habe ich auch gelesen, da gehöre ich ja zu einem erlesenen Zirkel. Seit zwei Jahren finanziere ich mein Leben komplett durch die Musik. Am Anfang habe ich noch Gitarrenstunden gegeben, das aber vor allem, um das ganze pädagogische Know-how nicht komplett zu verlieren. Zwei Schüler habe ich immer noch. Das macht mir Spass.

Was macht Damian Lynn besser als andere Musiker, die es nicht schaffen, von ihrem Traum zu leben?

Ich habe sicherlich den Vorteil, dass ich auch allein auf die Bühne kann. Dann braucht es nicht viele Telefone hin und her mit einer ganzen Band, sondern ich kann einfach mit dem Auto da hin und ein Konzert spielen. Kommt hinzu, dass man Gagen nicht durch fünf teilen muss, was es auch etwas einfacher macht.

Lebt man gut als Musiker?

Seit einiger Zeit wohne ich jetzt in einer eigenen Wohnung, und da war ich am Anfang schon etwas nervös. Reicht es? Kann ich alles bezahlen? Dann habe ich schnell gemerkt: Es geht ganz gut. Ich verzichte auch nicht grossartig auf Dinge. Natürlich lebt man bewusst. Aber das finde ich sowieso etwas Gutes.

Von der Musik leben heisst auch, den ganzen Tag nichts anderes zu machen als eben Musik. Wie muss man sich das vorstellen?

Das fragen mich meine Freunde auch immer wieder. (lacht) Ganz grundsätzlich ist mir nie langweilig. Ich mache recht viel selber. Zwar habe ich ein Management und ein Label, aber vieles läuft am Schluss doch bei mir zusammen. Ein kleines Beispiel: Alles, was auf meinen Social-Media-Kanälen läuft, poste ich selber. Das klingt jetzt vielleicht nicht nach viel Arbeit, aber auch da muss man konstant dranbleiben und gut überlegen, was man postet und was eben nicht. Dazu kommen Auftritte, Verhandlungen, Interviewanfragen, und natürlich schreibe ich auch immer mal wieder Songs. Meistens sind meine Tage ganz gut gefüllt, und ich habe eher zu wenig als zu viel Zeit.

Zu überlegen, was man postet – das ist ein gutes Stichwort. Bei unserem letzten Treffen haben Sie Fragen nach dem Privaten lieber umgangen. Jetzt habe ich den Eindruck, dass Sie da offener geworden sind.

Ja. Damals habe ich noch viel mehr überlegt, was ich wem sage und was eben nicht. Mittlerweile ist es so: Ich gehe jetzt nicht unbedingt aktiv in ein Gespräch und binde allen die Tatsache unter die Nase, dass ich eine Freundin habe, aber wenn jemand danach fragt, gebe ich Antwort. Ich bin mittlerweile ja auch 25 Jahre alt, und logisch habe ich da auch ein Privatleben.

Gibt es eine Grenze?

Auf eine Homestory hätte ich jetzt nicht sonderlich Bock. Ich muss niemandem zeigen, wo ich mich wasche und wo ich mit meiner Freundin am Sonntag frühstücke. Ich finde, das Preisgegebene sollte immer irgendwie einen Bezug zur Musik haben. Schliesslich bin ich ja wegen meiner Musik bekannt.

Aber Damian Lynn funktioniert doch vor allem als Gesamtpaket: der gutaussehende junge Mann, der gute Musik macht. Das eine befeuert das andere.

Das sagen Sie. Ich habe Freude, wenn sich jemand mit meiner Musik beschäftigt. Wenn diese Person dann findet, der sieht auch noch gut aus, dann ist das eine Zugabe. Ich wehre mich sicherlich nicht sonderlich dagegen, aber ich lege jetzt auch meine Shows überhaupt nicht darauf aus, dass es in den ersten beiden Reihen ausschliesslich Mädchen hat, die pausenlos kreischen. Auf dem Streamingdienst Spotify kann man übrigens genau schauen, wer alles meine Musik hört. Und es sind sehr viele Männer darunter. Ich denke kaum, dass die alle nur wegen meines Äusseren da reinhören. (lacht)

Gerade sind viele Mundart-Acts in der Schweiz sehr erfolgreich. Sie singen aber auf Englisch. Warum eigentlich?

Es hat für mich einfach mehr gepasst. Zudem muss man auch an seine Ansprüche denken. Die Schweiz ist ein wunderschönes Land, aber kein grosses. Da hat man bald überall gespielt. Wenn man in Mundart singt, macht man die Landesgrenzen komplett unüberwindbar. Ich will gerne auch in Deutschland spielen. Da leben achtzig Millionen Menschen. Wenn ich in Dialekt singe, verspiele ich mir automatisch die Chance, da zu spielen.

Jetzt könnten Sie sich ja auch zufrieden zeigen, dass die Clubs hier langsam ausverkauft sind und Sie in der Schweiz überall spielen können. Stattdessen gehen Sie jetzt zuerst auf eine Tour durch Deutschland. Da wird es dann wieder wie zu Beginn der Karriere: halbleere Säle und keiner singt mit.

Könnte man sich denken. Da ich aber bereits Bühnenerfahrung in Deutschland sammeln konnte, laufen die Vorverkäufe überraschend gut; einzelne Shows sind sogar schon ausverkauft. – Natürlich: Das sind keine Hallen für 1000 Personen, aber das wäre dann doch etwas zu viel für den Anfang. Es geht darum, auf mich aufmerksam zu machen. Dann kommen beim nächsten Mal schon wieder ein paar Menschen mehr. Das verhält sich so wie vorher beim Sicherheits­aspekt schon angesprochen: Ich werde kaum viel Geld verdienen auf dieser Tour, das heisst aber nicht, dass ich deswegen lieber daheimbliebe.

Was momentan noch komplett fehlt in Ihrer Agenda, ist ein Konzert in Ihrer Heimatregion Luzern.

Das finde ich lustig. Ich werde immer wieder gefragt, wann ich mal wieder in der Gegend spiele. Damit meinen die Leute aber stets: «genau da, wo ich wohne». Ich habe zum Beispiel soeben im Gaswerk in Seewen im Kanton Schwyz gespielt. Da ist man von Luzern aus in gerade einmal 35 Minuten. In einer Grossstadt wie Berlin ist man für ein Konzert oft deutlich länger unterwegs. Da denken wir in der Schweiz schon sehr kleinräumig. Aber wir überlegen uns durchaus noch, eine Plattentaufe in Luzern oder Umgebung zu machen. Vielleicht etwas zeitversetzt. Bei der letzten Platte haben wir die Taufe auch erst im Herbst gemacht. Da konnten die Leute dafür dann schon gut mitsingen. (Anmerkung der Redaktion: Nach dem Interview wurde eine Show in der Luzerner Schüür für den 16. Dezember angesetzt).

Sie sind mehr oder weniger allein auf der Bühne – manchmal hilft ein Schlagzeuger. Braucht das nicht unheimlich Mut, so vor das Publikum zu treten?

Ich glaube, dass es eher von den Veranstaltern Mut braucht. Die denken alle: Da kommt einer allein, der spielt auf der kleinen Bühne. Wenn sie mich dann hören, merken sie, dass ich auch auf grossen Bühnen ganz gut funktioniere. Allein Musik zu machen, vereinfacht den ganzen kreativen Prozess für mich. Ich muss nicht stundenlang im Proberaum diskutieren und es allen recht machen. Auf der Bühne will ich so oder so eine gute Show abliefern, egal ob mit der Band wie früher oder wie jetzt allein oder mit einem Drummer. Nervös ist man sowieso.

Ihre Freundin ist die ehemalige Profi-Snowboarderin und Olympiateilnehmerin Nadja Purtschert. Profi-Snowboarderin klingt recht wild. Bei Damian Lynn dagegen kann ich mir nicht so recht etwas Wildes vorstellen.

(lacht) Wirklich?

Ja. Sie machen nicht den Eindruck, als würden Sie Hotelzimmer zertrümmern, wochenlang durchfeiern und dabei kräftig über die Stränge schlagen.

Wenn das für Sie wild ist ... Ich bin sicher nicht der ausgeflippteste Zeitgenosse, der keine Party auslassen kann, aber der Spass kommt in meinem Leben sicher nicht zu kurz. Übrigens: Auch bei all den Musikern, die ich kennen gelernt habe, habe ich nie einen getroffen, der Hotelzimmer kaputtschlägt. Meistens ist man nach den Shows vor allem müde und trinkt noch zwei, drei Biere und geht dann schlafen. Das klingt unspektakulär, ist aber halt die Realität.

Ist es ein Vorteil, dass Ihre Freundin ebenfalls eine öffentliche Person ist? Da sieht man sicherlich lockerer über Avancen von Fans hinweg.

Da ist sicher was Wahres dran. Es ist ja aber auch nicht so, dass ich wahnsinnig überhäuft werde mit solchen Dingen. Was sicher hilft, ist, dass sie sich auch auskennt mit Social Media – sie hat da sogar deutlich mehr Follower als ich. So muss man nicht immer erklären, warum man jetzt noch dieses und jenes posten muss.

Ihr seid beide Pädagogen. Sie Sekundarlehrer, Ihre Freundin Primarlehrerin. Habt ihr euch eigentlich während der Lehrer-­Ausbildung kennen gelernt?

Nein, wir haben unsere Ausbildung an zwei verschiedenen Schulen gemacht.

Wenn ich Ihr erstes und Ihr zweites Album vergleiche, würde ich sagen, dass «Truth Be Told» deutlich erwachsener klingt. Ist das ein Kompliment?

Unbedingt. Auf meinem ersten Album waren Songs, die ich vor über vier Jahren geschrieben habe. Das ist ein bisschen, wie wenn man jemandem alte Passfotos zeigt. So klang Damian Lynn mit 20. Auf den neuen Songs klinge ich wie mit 25. Und dazwischen wird man wohl erwachsen. Denke ich zumindest.

Sie haben gesagt, Ihre Karriere habe sich immer konstant entwickelt. Wohin wird es noch führen?

Wenn ich jetzt etwas sagen würde, wäre ich nachher nur enttäuscht, wenn ich es nicht erreichen würde. Eins nach dem anderen. Wenn es wie bisher immer konstant weiter nach oben geht, bin ich schon sehr zufrieden.

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