POP: «Mussten uns Zuversicht einreden»

Pegasus haben grosse Veränderungen hinter sich, der Gitarrist verliess die Band sogar. Auch darum hat sich die Schweizer Band in London etwas zurückgezogen.

Reinhold Hönle
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Pegasus neu im Trio: Stefan Brenner, Noah Veraguth, Gabriel Spahni (von links nach rechts). (Bild: PD)

Pegasus neu im Trio: Stefan Brenner, Noah Veraguth, Gabriel Spahni (von links nach rechts). (Bild: PD)

Interview: Reinhold Hönle

kultur@luzernerzeitung.ch

Noah Veraguth, wo haben Sie Ihre Single «Lost To Be Found» gefunden?

Der Song hat eine lange Geschichte. Wir haben ihn in Brighton mit dem Songwriter Tim Powell geschrieben, von dem auch Gabriella Cilmis Ohrwurm «Sweet About Me» stammt. Das perkussive Element brachte ich später ein, als wir das Album im Studio unseres Produzenten Simon Jäger in Berlin aufnahmen.

Der Sound erinnert an Ed Sheeran ...

Man muss sich immer von den Grössten inspirieren lassen, und er zählt momentan bestimmt zu ihnen. Was Sheeran sehr gut kann, ist, aus sehr wenig sehr viel zu machen.

Mussten Sie sich zuerst verlieren, um mit neuem Elan an diese Produktion herangehen zu können?

Wir haben enorme Veränderungen hinter uns, sowohl als Band wie als Individuen. Erst als wir sie verdaut hatten, fanden wir das Gefühl von Geborgenheit wieder.

Ein schmerzhafter Prozess?

Nein, ich glaube nicht, dass er schmerzhaft war, sondern notwendig. Manchmal müssen sich die Dinge verändern, wobei du im Moment nicht immer verstehst, dass sie nicht ewig halten. Wir haben den Produzenten gewechselt, unser Gitarrist ist ausgestiegen, und wir haben einen neuen Plattenvertrag unterschrieben. Das mussten wir erst einmal verarbeiten.

Was ist nach der letzten CD «Love & Gunfire» passiert?

Wir sind für fast 15 Monate nach London gezogen, um neue Songs zu schreiben. Wir wollten das schon immer mal tun. Vor zwei Jahren hatten wir dafür endlich genug Zeit und Geld.

Sind Sie ins Nachtleben eingetaucht, um sich inspirieren zu lassen?

Das ist nicht nötig. London ist auch sonst eine vibrierende Stadt. Ich liebe das Flair, und wenn ich mich in ein Café setzte und zu einem Espresso die «Daily Mail» las, fühlte ich mich edel. Für mich ist London wie ein nobles Kleidungsstück, in das man hineinschlüpft und sich auch entsprechend verhält.

Im Titelsong heisst es: «Lasst uns so tun, als ob das Leben schön wäre.» Ist es das nicht?

Ich bin keiner, der sich mit Trennungen und Neuanfängen leichttut. Und dieses Album ist in einer Grauzone zwischen dem Ende und dem Beginn eines Zyklus entstanden, als wir noch nicht genau wussten, was passieren wird. Deshalb mussten wir uns manchmal schon Zuversicht einreden oder sogar so tun, als ob schon wieder alles gut oder besser wäre.

Wie viel Besessenheit ist nötig, um als Musiker Kar­riere machen zu können?

Obwohl ich auch Musiker kenne, die verheiratet sind und ein «normales Leben» führen, ist mir bewusst, dass ich dem Klischee entspreche, dass Musiker beziehungsunfähig sind. Ich habe es einfach nie geschafft, mich gleichzeitig auf eine Beziehung und meine Musik zu fokussieren.

Wo sehen Sie Ihre Zukunft?

Die Schweiz ist meine Heimat. Ich werde sicher weiter einen Teil meiner Zeit hier verbringen. Ich reise aber auch sehr gerne und mag England. Der Süden – Surrey und East Sussex – haben es mir besonders angetan. Dieses Wunderland, aus dem viele Schriftsteller stammen, etwa die Autoren von «Winnie The Pooh» und «Harry Potter», wäre sicher inspirierend.

Hinweis

Pegasus: «Beautiful Life» (Sony). Live: 13. August, Heitere Open Air, Zofingen.