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POP: Paul Simon klingt ewig jung

Auf Paul Simon ist Verlass. Das Duo mit Art Garfunkel machte ihn einst zum Weltstar, und immer noch bringt er alle paar Jahre starke Songs heraus. Aber eine Sache ist für ihn tabu.
Paul Simon (74) kam diesmal beim Komponieren etwas schwerer aus den Startblocks. (Bild: Universal/PD)

Paul Simon (74) kam diesmal beim Komponieren etwas schwerer aus den Startblocks. (Bild: Universal/PD)

Werner Herpell, dpa

Paul Simon, der schon mit 13 «The Girl For Me» komponierte, beschreibt den Start zu seinem neuen Album «Stranger To Stranger» als ziemlich holprig. Es begann «in der Jahreszeit des emotionalen Winters», also mit einer Art Schreibblockade. Umso erstaunlicher, dass am Ende doch wieder eine herausragende Platte entstand.

Schön kitschfrei

Das Album hat alles, was ein echtes Paul-Simon-Album ausmacht: zeitlos schöne und völlig kitschfreie Melodien, dezente Klangexperimente, diese quasi ewig jung wirkende, freundliche Stimme – und jene federleichten World-Music-Beats, auf die der New Yorker spätestens seit seinem Afropop-Welthit «Graceland» (1986) ein Patent hat. Mit «The Werewolf», «Proof Of Love», «Insom­niac’s Lullaby» und dem Titelsong enthält auch die neue Platte wieder mindestens vier künftige Simon-Klassiker.

Es sei ihm diesmal weniger um schlaue Texte gegangen, sagte der Sänger der «New York Times». «Sondern um Sounds und ihre Quellen. Insofern ist das gar nicht so weit entfernt von Hip-Hop-Burschen wie Kanye West oder Kendrick Lamar, die sich auch sehr für Sound interessieren.»

Mit Musikern wie Bobby McFerrin

Bollernde Beats und harte Rap-Reime, also drastisch neue, ungewohnte Klänge müssen Simon-Fans jedoch nicht befürchten (auch wenn er sich zwischendurch mal «Motherfucker» als «lovely word» auf der Zunge zergehen lässt). «Nein, das wäre doch so, als würde ich jetzt in zerrissenen Jeans rumlaufen. Wenn man 70 ist, sollte man nicht so tun, als wäre man 20.»

Zwei der elf «Stranger»-Stücke sind Instrumentals, die Simon mit seiner Akustikgitarre, aber auch einigen exotischen Instrumenten wie afrikanischer Mbira, dem Chromelodeon und einer Uhr erzeugte. «Ich habe mir viele Gedanken über Aufmerksamkeitsspannen gemacht und deshalb zwischendurch kurze Gitarren-Tracks eingebaut – damit das Gehirn die Informationen vorheriger Songs besser verarbeiten kann.» In diesem Konzept dienen «The Clock» und «In The Garden Of Edie» nun als Ruhepole, bevor es mit viel Gebläse, Getrommel, Handclap- und Flamenco-Rhythmik zeitweise fast schon karnevalesk weitergeht.

Auch das zwölfte Studio-Soloalbum von Paul Simon in 45 Jahren – sein erstes seit «So Beautiful Or So What» (2011) – führt wieder einige der weltbesten Musiker aus Folk, Afrobeat, Jazz und Pop zusammen. Das reicht vom jungen Arrangeur und Komponisten Nico Muhly über die Jazz-Koryphäen Jack DeJohnette und Bobby McFerrin bis zum kamerunischen Gitarristen Vincent Nguini und einem italienischen Elektronik-Spezialisten namens Digi «Clap!Clap!» G’Alessio. Einer der Höhepunkte dieser durchweg virtuos eingespielten Platte: die fabelhafte Solotrompete von C.J. Camerieri im Titelstück.

Reunion ausgeschlossen

Mag «Stranger To Stranger» Simons anhaltende Kreativität auch noch so sehr unter Beweis stellen – Interviewfragen nach einer weiteren Reunion mit seinem alten Partner und Widersacher Art Garfunkel werden wohl nie ganz ausbleiben. Simon sagt dazu deutlich Nein – es gab zuletzt wohl wieder mal Streit. Ob noch eine weitere Soloplatte von ihm erscheinen wird, lässt Simon dagegen offen und frotzelt selbstironisch: «Das sage ich doch nach jedem Album: Ich weiss wirklich nicht, ob ich das noch mal machen will. Aber diesmal meine ich es wirklich ernst! Wie immer ...»

Hinweis

Paul Simon: «Stranger To Stranger». Ab morgen im Handel.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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