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POP: Rückbesinnung generiert Kraft

Pablopolar haben nach ihrem Zweitling quasi bei null angefangen. Die Berner Popband gab ihre Sicherheiten für die Unabhängigkeit auf, fasste neuen Mut und produzierte ein drittes Album.
Die Farbe steht den Jungs von Pablopolar ganz gut. Die neue Unbekümmertheit auch. (Bild: PD)

Die Farbe steht den Jungs von Pablopolar ganz gut. Die neue Unbekümmertheit auch. (Bild: PD)

Miriam Lenz, sda

Die Band sei nicht Gewinn bringend genug, schrieb «20 Minuten» im vergangenen Mai über das Ende der Zusammenarbeit zwischen Pablopolar und der Plattenfirma Sony Music, welche die beiden ersten Alben «Any Minute Now» (2011) und «Sleepwalker» (2013) unterstützt hatte.

Nicht einverstanden mit dieser Analyse ist Pablopolar-Frontmann Manuel Kollbrunner: «Ich glaube eher, wir wurden der Vorstellung einer Popband zu wenig gerecht», sagte er im Interview.

Naivität bewahren

So oder so: Am Ende sei es das Bedürfnis der Band gewesen, sich trotz bestehendem Vertrag für ein drittes Album von Sony zu lösen. Pablopolar wollten sich von Vorgaben, festgefahrenen Strukturen und Mainstreamdenken befreien, um «fortan eine Art kindliche Naivität zu bewahren und zu schauen, was passiert, ohne zu wissen, wo wir landen werden».

Dass die Ablösung möglich war, sei eine Erleichterung gewesen – auch wenn die Zukunft somit auf einen Schlag in den Sternen stand. «Wir wussten in diesem Moment nicht, ob es jemals ein drittes Album geben würde», so Kollbrunner.

Rasch Geld gesammelt

Mittlerweile können sich die fünf Berner (Manuel und Julian Kollbrunner, Pablo Hofmann, Simon Vogt und Yannik Schuler) in einem Punkt sicher sein: Die Fans wollen ihre Musik noch hören. Dafür spricht die Tatsache, dass die Band via Crowdfunding ohne Probleme 15 000 Franken zur Deckung der Albumkosten zusammenbekommen hat.

Diesbezüglich, gibt Kollbrunner zu, hätten sie sich eben doch dem Mainstream angepasst. Im Internet nach Geldgebern zu suchen, sei ganz einfach eine gute Möglichkeit gewesen, den Traum von «Colorize» zu verwirklichen. «Wir machen schon so lange zusammen Musik. Alles hinzuschmeissen, war ­keine Option für uns.»

Musik: Pop – Ideologie: Indie

Pablopolar distanzieren sich zwar vom Massenkommerz. Dass die fünfköpfige Gruppe zu wenig Popband ist, kann man deswegen aber noch lange nicht behaupten. Denn «Colorize» vereint alle möglichen Stilmittel der Popmusik: Synthesizer und Drum-Machine ebenso wie Piano und Gitarre. Und allem voran in melodiöse Refrains verpackte Texte – mal leicht und schnell, mal schwermütig und langsam.

Wer sich an «Somewhere Only We Know» der britischen Band Keane erinnert, hat eine ziemlich gute Vorstellung von den neusten Pablopolar-Songs. Als stilmässige Überraschung heben sich Titel wie «Ambulance», eine herrliche Synthie-Pop-Nummer, oder das mit Sorgfalt neu interpretierte ­Phoenix-Cover «Long Distance Call» hervor.

Strahlt Wärme aus

Dass Pablopolar in der Vergangenheit auch schon als «die neuen Coldplay» betitelt wurden, trifft heute eigentlich nur noch insofern zu, als dass Songs wie «Faulinaux» oder «Guiding Light» sanft und ruhig beginnen und durch zusätzliche Stimmen oder Bläser zunehmend an Intensität und Klangvolumen gewinnen. «Colorize» strahlt zweifellos die Wärme und Versöhnlichkeit aus, nach der sich die Welt derzeit so sehnt. Und nicht nur das: Das Album ist das beste Beispiel dafür, dass eine Rückbesinnung aufs Essenzielle oftmals mehr Kraft und Kreativität generiert als die Aussicht auf Gewinn bringende Anerkennung.

Pablopolar: Colorize (Phonag Records)
Bewertung: 4 von 5 Sternen

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