POP: Sie müssen nicht – sie wollen

Vom Seetal in die grosse Stadt: Hecht haben diesen Sprung geschafft. Und machen schönen Mundart-Pop, der voller präziser Beobachtungen steckt.

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Machen Mundart-Pop, der sich wohlig von der Masse abhebt: Hecht mit Stefan Buck (Mitte). (Bild: PD/Tabea Hüberli)

Machen Mundart-Pop, der sich wohlig von der Masse abhebt: Hecht mit Stefan Buck (Mitte). (Bild: PD/Tabea Hüberli)

Michael Graber

Zwischen «Oh yeah» und «oje» liege gar nicht so schampar viel, singen Hecht, vielleicht einfach ein paar Jahre. Sie erzählen eine Liebesgeschichte, deren letztes Kapitel grad geschrieben worden ist. Und ganz ehrlich: Das ist in seiner Simpelheit genial. Ein jeder kennt das Gefühl, dass nachdem ersten Liebesrausch – eben dem «oh yeah» – halt auch der Liebeskater – das «oje» – folgen kann. Das Aufwachen ist selten so lustig wie der Abend davor.

Im Luzerner Kuchen

«Adam + Eva» von Hecht ist voller so kleinen, präzisen Beobachtungen des Alltags, bei denen man unweigerlich schmunzeln muss. Und nach dem zweiten Mal Hören singt man sie schon fast ein wenig mit. Die Texte von Hecht sind eingängig im besten Sinne. Das ist weder verkopft noch zu trivial. Die fünf Musiker umschiffen beinahe jede Gefahr, die der Tümpel der Mundartmusik bereithält – das ist wahrlich eine Leistung.

Für ihr erstes Album wurden sie unter anderem als «Best Talent» an den Swiss Music Award ausgezeichnet, was eigentlich ein bisschen absurd ist. Das Grundgerüst von Hecht existiert seit 15 Jahren und stammt aus dem Luzerner Seetal. Die ersten Gehversuche haben Stefan Buck (Gesang), Christoph Schröter (Gitarre) und Rolf Furrer (Schlagzeug) als Seng gemacht (dabei war auch noch Rowena Meier). Gesungen haben Seng auf Englisch und waren eine der Dutzenden Bands, die es damals im Luzerner Kuchen gab.

Weitere Musiker dazugekommen

Den haben Buck und Co. hinter sich gelassen – im räumlichen Sinne. Alle leben sie mittlerweile in Zürich, doch die Jugendfreunde machen immer noch zusammen Musik. Dazugekommen sind mit Philipp Morscher (Bass) und Daniel Gisler (Tasten) zwei weitere Musiker.

«Es ist ein ganz anderer Groove in Zürich», sagt Stefan Buck. Eine eigentliche beinahe geschlossene Musikerszene wie in Luzern existiere in Zürich nicht. Deswegen sind sie aber nicht geflüchtet – in die grosse Stadt kamen sie des Studiums und Jobs wegen und blieben am Schluss auch wegen der Liebe – schlimm kann es also auch am Zürichsee nicht sein.

Buck ist mittlerweile 35 Jahre alt und mit beiden Beinen im Leben. Das ist ein Luxus, den man auch der Musik von Hecht anhört: Die müssen nicht, die wollen. Der Spass, der hinter den Liedern von Hecht steckt, spürt man förmlich.

«Pop ist ein Kompliment»

Die Texte handeln viel und oft von der Liebe. Nicht immer nur von purer Glückseligkeit, sondern auch von den «Ojes». Dazu zimmern die Musiker den Songs schöne Umgebungen. Mal balladesk mit Streicher und schwelgerischem Klavier, mal mit Handclaps und ungeraden Rhythmen. Das erinnert an Adrian Stern und sogar etwas an Züri West – in erster Linie aber einfach nach gutem Mundart-Pop.

«Pop ist doch ein Kompliment», sagt Buck. «Ich will Konzerte, bei denen das Publikum mitsingt und mittanzt», so der Sänger. Genau dafür sind die Songs wie gemacht – man merkt den Hechten nicht nur die Gesetztheit an, sondern auch, dass hier viel Erfahrung im Musik­machen mitschwimmt.

Mitschwimmen tut auch ein gesunder Realismus: «Wenn du Mundart machst, begrenzt das die Möglichkeiten auf eine angenehme Art», sagt Buck. Er habe jetzt nicht mehr wie mit zwanzig das Gefühl, in London, Paris und Berlin begeistern zu müssen, sondern sei auch schon glücklich, wenn er einfach von Schaffhausen bis Bern einige Konzerte spielen könne.

Der Mundart-Markt ist zwar ein kleiner Tümpel, aber Hecht haben alles dazu – jetzt kommt das naheliegende Wortspiel endlich –, ein grosser Fisch in diesem Teich zu werden. Das ist deutlich besser als manch anderes Mundartwerk und kann trotzdem auch mit gutem Gewissen auf allen Radiostationen gespielt werden.

Ecken und Kanten

Hecht haben zwar Ecken und Kanten, schaffen es aber, diese so musikalisch zu verpacken, dass sie eben nicht anecken. Kurzum: «Adam + Eva» ist ein klares «Oh yeah». Von der anderen Sorte gibt es ja eh schon genug im Leben.

Hecht: Adam + Eva (Gadget): 4/5 Sterne