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POP: Taylor-Swift-Album: Nichts Neues, dafür musikalisch kompetent

Die US-amerikanische Sängerin Taylor Swift gilt als moderne Feministin, ist aber in erster Linie eine clever kalkulierende Geschäftsfrau. Was die Qualität ihrer Musik nicht mindert, wie ihr neues Album zeigt.
Michael Gasser
Von Taylor Swift erscheint am Freitag ein neues Album. (Bild: Kevin Winter/Getty)

Von Taylor Swift erscheint am Freitag ein neues Album. (Bild: Kevin Winter/Getty)

Michael Gasser

Taylor Swift versteht es, mit den Erwartungen zu spielen. Im vergangenen August löschte sie den Inhalt sowohl ihres Instagram- als auch ihres Twitter-Kanals und ersetzte diesen mit Schlangenbildern. Ihre seitherigen Posts haben eigentlich nur einen Zweck: Die Neugier auf ihr am Freitag ­erscheinendes Album «Reputation» zu steigern. Ein Effekt, der durch die Vorveröffentlichung einzelner Songs immer weiter angekurbelt wird. Was beweist, dass Swift nicht zuletzt eine clever kalkulierende Geschäftsfrau ist.

Aufgewachsen ist die Tochter eines Bankers im 11000-Seelen-Städtchen Wyomissing, Pennsylvania. Im Alter von neun Jahren begann sie sich für Musik zu interessieren, ihr damaliges Idol: die kanadische Country-Pop-Sängerin Shania Twain. Als Teenager nahm Taylor dann an lokalen Musikwettbewerben teil, was ihr erste Aufmerksamkeit bescherte. Um die Karriere der 14-Jährigen stärker voranzutreiben, entschlossen sich ihre Eltern, nach Nashville, Tennessee, ins Mekka der Countrymusik, zu ziehen. Ein Wagnis, das sich auszahlen sollte. Ihre erste Platte «Taylor Swift» (2006) präsentierte eine Musikerin mit noch mädchenhafter Stimme. Dennoch wirkten die zwölf Lieder der damals 16-Jährigen reif und fokussiert. Ihr Country-Pop drehte sich vor allem um Teenagersorgen und -freuden, tat das aber erstaunlich differenziert. Swift unternahm ihr Möglichstes, um ihre Tracks bekannt zu machen. Dementsprechend nahm sie selbst den kleinsten Medienauftritt wahr und kümmerte sich ausgiebig um ihre Fangemeinde. Eine Strategie, die sich als goldrichtig erweisen sollte, denn: Das Début verkaufte sich über sechs Millionen Mal.

Von Rapper Kanye West beleidigt

Definitiv ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte die heute 27-Jährige auch dank Rapper Kanye West. Dieser unterbrach bei den MTV Music Video Awards 2009 die Dankesrede der Musikerin und behauptete, die Auszeichnung gebühre nicht ihr, sondern der R&B-Sängerin Beyonce. Es sollte nicht die letzte Auseinandersetzung sein, in deren Fokus Swift geriet. Inzwischen hat sie sich auch publikumswirksam mit Musikerinnen wie Katy Perry und Miley Cyrus oder Reality-TV-Stars wie Kim Kardashian gezankt. Diese Streitigkeiten muten allerdings öfters wie gut einstudierte Shows an, bei der die Unterhaltung im Vordergrund steht und die Zerwürfnisse halb so wild sind.

Swift hat sich über die Jahre zunehmend vom Country entfernt. Als sie 2014 nach New York umsiedelte, entschloss sie sich zum musikalischen Schnitt und erklärte ihr fünftes Studiowerk «1989» zu ihrer ersten offiziellen Popplatte. Der Schritt gelang ihr nach Mass: Passend zum gepflegten Synthie- und Dance-Pop kreierte die US-Amerikanern eine unterkühlte Atmosphäre, was ihre Lieder noch effektiver wirken lässt. Mit «1989» hat sich Swift endgültig als Darling von ganz Nordamerika etabliert. Was auch damit zusammenhängt, dass sie nach wie vor ohne Starallüren auskommt und ihre Songs unverändert zwischen Selbstbewusstsein und Unsicherheit schwanken. Das lässt sie nahbar erscheinen. In einem Interview mit der Zeitschrift «Rolling Stone» erklärte Swift ihren Umgang mit dem Publikum: «Will ich für sexy gehalten werden? Nicht wirklich. Ich hoffe vielmehr, dass mich die Menschen für nett halten.» Das sei ihr wichtiger, als einen coolen Eindruck zu hinterlassen. Was wie ein kleiner Widerspruch anmutet, denn: Stars zeichnen sich in der Regel dadurch aus, Glanz und Gloria zu versprühen.

Auf diese Diskrepanz spielt Swift in ihrem im August veröffentlichten Video zur Single «Look At What Made Me Do» denn auch gleich selbst an: Im Clip entsteigt sie zunächst als Zombie ihrem Grab, nur um sich anschliessend makellos im Juwelenbad zu aalen. Ein Hinweis darauf, dass die Musikerin zur Selbstironie fähig ist. Auf diese wird sie jedoch weitaus seltener angesprochen als auf ihre Dates, die sie etwa mit den Schauspielern Jake Gyllenhall und Tom Hiddleston, aber auch mit One-Direction-Sänger Harry Styles gepflegt haben soll. Auf die Frage nach ihren Romanzen, sagte sie im «Rolling Stone»: «Es fühlt sich an, als mein Liebesleben so etwas wie ein nationales Hobby geworden sei.» Was ihr alles andere als behage. Wohl mit ein Grund, warum Taylor Swift ein zwiespältiges Verhältnis zum Rampenlicht zu haben scheint.

Erwartungen werden erfüllt

Doch zurück zum neuen Album: Was wird dieses bieten? Nimmt man die vier bereits bekannten Lieder als Gradmesser, dann fährt Taylor Swift weiter wie gehabt. Während «Look At What You Made Me Do» mit nachhallendem Crescendo und Elektro-Pop gefällt und in den Lyrics kurzerhand behauptet, die «alte Taylor» sei tot, beweisen die weiteren Songs das Gegenteil: «Gorgeous» erweist sich als unverblümt und eingängig und «...Ready For It» klingt frech und expressiv. Das ist alles nicht neu, beeindruckt dafür mit musikalischer Kompetenz und vermag sämtliche Erwartungen zu erfüllen. Dies trifft auch auf die vierte Singleauskopplung zu, eine geschmeidige Ballade namens «Call It What You Want». Von den Hip-Hop-Einflüssen, die sich gerüchteweise auf dem Album finden sollen, gibt es bislang keine Spur. Doch Taylor Swift wäre nicht Taylor Swift, wenn sie für «Reputation» nicht noch ein paar Überraschungen in petto hätte.

Taylor Swift: «Reputation» (Big Machine/Universal). Das Album erscheint diesen Freitag.

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