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POPULISMUS: Gesucht: Der bessere Kapitalismus

Die Wirtschaft floriert, die Ungleichheiten nehmen zu, und in einer wachsenden Zahl von Ländern haben Populisten Zulauf. Was kann man tun, um dieser Bewegung Einhalt zu gebieten? Damit befasst sich Uwe Jean Heuser in einem anregenden Buch.
Rolf App
Anti-Merkel-Demonstration in Berlin: Die Abgehängten bildeten das Reservoir der Populisten, sagt Uwe Jean Heuser.

Anti-Merkel-Demonstration in Berlin: Die Abgehängten bildeten das Reservoir der Populisten, sagt Uwe Jean Heuser.

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Die Lage an der politischen Front hat sich wieder ein wenig beruhigt. Der französische «Front National» ist abgeschlagen, die «Alternative für Deutschland» kann einer – wie immer zusammen gesetzten – neuen Regierung nicht gefährlich werden, die «Freiheitliche Partei Österreichs» (FPÖ) ist nur Juniorpartner in einer konservativ geführten Regierung. Und US-Präsident Donald Trump hat weit mehr Gegner als Verbündete. So mag man denken. Was aber gefährlich wäre. Denn, erklärt der Wirtschaftsjournalist Jean Uwe Heuser gleich am Beginn seines Buchs über einen «anderen» Kapitalismus: «Die grosse Herausforderung hat die liberale Gesellschaft damit noch keineswegs bestanden.»

So erklärt er denn in zehn knappen Kapiteln, wie diese Gesellschaft den Kampf gegen den Populismus gewinnen kann. Er skizziert die Ausgangslage, beschreibt die Probleme, und er erkundet Lösungsfelder. Dabei bleibt er so konkret und anregend wie in jenen Texten, die er seit Jahrzehnten für die «Zeit» schreibt, deren Wirtschaftsressort er leitet.

Worin besteht das «Rezept des Populismus»? Heuser beruft sich auf den Historiker Niall Ferguson, der fünf Bestandteile für den Erfolg von Populisten erwähnt: Da ist erstens eine grosse Zahl von Einwanderern, zweitens wachsende Ungleichheit, drittens die Überzeugung einer steigenden Zahl von Menschen, dass es «irgendwie korrupt» zugeht in ihrem Land. Viertens erschüttert eine grosse Finanzkrise oder ein wirtschaftlicher Schock das Vertrauen, und fünftens ist da ein demagogischer Politiker, der die Unzufriedenheit nutzt. Wie Donald Trump.

«Um eine andere Ordnung des Kapitalismus ringen»

Wer diesem Populismus wirksam entgegen treten will, der sollte, schreibt Jean Uwe Heuser, «um eine andere Ordnung, andere Routinen und Wertmassstäbe im Kapitalismus ringen, damit die Menschen wieder zusammenkommen». Denn es ist der Zusammenhalt, der am allermeisten gelitten hat. Das gilt nicht nur für das Innenleben von Gesellschaften, es gilt auch für die Länder untereinander: Die Tendenz gegenseitiger Abschottung nimmt zu, was Wohlstand kostet. Dieser Wohlstand wächst zwar in Industrie- wie Schwellenländern. Aber er erreicht nicht alle gleichermassen.

Dass die Ungleichheit wächst, belegt Heuser mit vielen Zahlen. Und mit der Ungleichheit wächst auch das Gefühl, abgehängt zu sein. Die Abgehängten aber bilden das Reservoir der Populisten. Dies kann umso gefährlicher werden, als die Computerisierung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten den Kern der industriellen Wirtschaft erreichen wird. Abstiegsängste dürften da eher wachsen denn schwinden.

Doch «der Fehler liegt nicht in der Globalisierung», betont Jean Uwe Heuser. «Der Fehler ist nicht, sich auf die wohlstandsmehrende Welt des Marktes einzulassen, sondern die Spaltung zuzulassen.» Zum Beispiel, indem sich Regierungen bemühen, die Früchte von Handel und Wachstum in die Breite der Bevölkerung ankommen zu lassen. Dies fordert etwa Maurice Obstfeld vom Internationalen Währungsfonds.

Wie soll das gehen? Jean Uwe Heuser greift drei Lösungsfelder heraus. Zum einen geltes es, die altruistische Seite des Menschen zu stärken. «Die Politik kann Umgebungen schaffen, in denen man sich für andere engagiert», erklärt er. Und für die Wirtschaft kann das nur Vorteile haben. Wenn Mitarbeiter sich in Teams selber führen, fühlen sie sich auch ernst genommen – und sind motivierter.

Zweites Themenfeld: Es geht in der Geschichte der Wirtschaft immer auch um die Frage, wer die Kontrolle hat. Früher war es das Öl, das die Weltwirtschaft antrieb, «heute und morgen sind es die Daten, mit deren Hilfe viele Innovationen entwickelt werden und neuer Wohlstand entsteht». Damit aber die Menschen nicht das Gefühl bekommen, entmündigt zu werden, muss der neue Rohstoff Daten nicht nur besser genutzt, sondern auch kontrolliert werden. Wir, als Einzelne, müssen die Möglichkeit bekommen, der Verwendung unserer Daten Grenzen zu setzen.

Drittens schliesslich muss der internationale Finanzkapitalismus gezähmt werden. Seine Auswüchse stehen am Beginn jener Entfremdung, die zum Populismus führt.

Uwe Jean Heuser: Kapitalismus inklusive – So können wir den Kampf gegen den Populismus gewinnen. Edition Körber, 272 S., Fr. 25.90

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