PORTRÄT: «Besser kann ich es nicht»

Trotz Jazzausbildung liebt Gitarrist Markus Meier Rock und Pop. Jetzt stellt er sich mit einem Singer- Songwriter-Album als «Mr. Backliner» vor.

Pirmin Bossart
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Der Mann mit der Melone: Singer-Songwriter Markus Meier in seinem Proberaum.

Der Mann mit der Melone: Singer-Songwriter Markus Meier in seinem Proberaum.

Markus Meier sagt es vehement und verzieht sein Gesicht zu einem grossen Grinsen: «Ich musste es einfach mal machen: ein eigenes Album. Ich habe alles reingesteckt, was ich zurzeit vermag. Besser kann ich es nicht.» Eigentlich hatte er sich vorgestellt, seine Songs in gut zwei Monaten aufnehmen zu können. Daraus sind am Ende zwei Jahre geworden.

Allein, dass er Songs schreibt, mag für viele eine Überraschung sein. Konzertgänger kennen ihn vor allem als Gitarristen von Dub Spencer & Trance Hill, der famosen Dub-Band mit Luzerner und Zürcher Beteiligung, die man in den entsprechenden Kreisen in halb Europa kennt. «Dub Spencer ist mit Sicherheit das beste Pferd im Stall. Aber ich habe gemerkt, dass ich mit dieser Band nicht alles umsetzen kann, was mich interessiert.»

Schwäche für Rock und Pop

Für jemanden, der das Singen entdeckt hat, bietet eine Instrumental-Band verständlicherweise nur das halbe Vergnügen. Zudem hat Meier eine Schwäche für Rock und Pop. Als Gitarrist, der vor ein paar Jahren die Jazz-Ausbildung an der Hochschule Luzern – Musik abgeschlossen hat, schätzte er Jimi Hendrix. Aber eben auch Singer-Songwriter wie Van Morrison, Janis Joplin, Neil Young oder Joe Cocker.

«Ich habe als Teenager nicht Jazz gehört, sondern Hardrock», sagt Meier. Die Jazzschule habe ihm ein ausgezeichnetes Rüstzeug gegeben. Kurz nach dem Jazzdiplom begann er, erste Songs zu schreiben. «Ich kaufte mir eine akustische Gitarre mit Stahlseiten und probierte zu Hause herum.» Es habe ihn schon lange gereizt, nur mit einer Gitarre und Stimme ein Publikum unterhalten zu können. «Singer-Songwriter zu sein, empfinde ich im Grunde als Königsdisziplin.»

Ein erster Auftritt vor Jahren an einem kleinen Open Air kam gut an und stärkte seinen Mut. «Alleine aufzutreten, ist eine ziemliche Herausforderung. Mich hat das jedenfalls mehr gestresst, als mit Dub Spencer an einem grossen Festival auf der Bühne zu stehen.» Regelmässige Auftritte an Open-Mic-Veranstaltungen und eine erste Demo-CD zeugten von seinem Talent und gaben ihm Selbstvertrauen. Irgendwann kam das Bedürfnis, seine Songs mit einer Band zu spielen.

Bereits als Jugendlicher hatte sich Meier für das Musikgeschehen auf und hinter der Bühne interessiert. Als 16-Jähriger konnte er auf dem Gurtenfestival und bei «Krokus» in Willisau als Handlanger auf der Bühne aushelfen. Parallel dazu wuchs seine Begeisterung für Verstärker, Instrumente und Effektgeräte. Meier war jahrelang Techniker in Werkhof, im Treibhaus, in der Jazzkantine und in der Schüür. Als Freelancer arbeitete er für das KKL Luzern, La Fourmi, Vasco da Gama, Bar 59 und Boa.

Knochenarbeit im Hintergrund

Die insgesamt zehn Jahre als Tontechniker haben nicht nur sein Gehör für Frequenzen, sondern auch das Verständnis für technische Zusammenhänge geschärft. Meier hat auch Erfahrung mit dem Monitoring auf der Bühne, was Knochenarbeit bedeutet. Und mit dem Herumschleppen von Instrumenten und Gerätschaften und deren Installieren auf der Bühne ist er als Dub-Spencer-Mitglied bestens bewandert.

So kommt seine Sympathie für jene Leute, denen er mit seinem Namen «Mr. Backliner» Respekt zollt, nicht von ungefähr. Backliner packen an und rackern sich ab, damit ein Publikum in den Vollgenuss einer Show kommen kann. «Ich ziehe den Hut vor diesem Job, mit dem ich nicht zuletzt auch meine Brötchen verdient habe», sagt Mr. Backliner.

Wahrer Luxus

Umso erstaunlicher, wie musikalisch der Sound-Handwerker und Geräte-Tüftler als Musiker seine eigenen Songs zur Geltung bringt. Sogar singen kann der Mann! Dass er bei allen akustischen Arrangements noch immer kühn elektrisch ausfahren kann, lässt sich etwas im Stück «While You Do» hören. Aufgenommen hat er das Album in Eigenregie in der Klangküche von Ivo Bättig, in dessen Band Aerodrum Meier ebenfalls spielt.

Mehrere Songs wandeln auf diesen (post-)hippiesken Siebzigern-Spuren, wo Ausdruck wichtiger ist als Pop-Geschliffenheit und die Innigkeit gerne einen schwelgerischen Schweif an den Himmel zeichnet. Sofort ins Ohr geht der Song «We All Gonna Die», der so leichtfüssig wie melancholisch einen eigentümlich berührt. Meier setzt eine breite Palette von Stimmlagen, Arrangements, Melodien und Sounddetails ein, um den Songs ihr eigenes Gepräge zu geben.

Er hat sogar spezielle Partituren für Streicher und Bläser geschrieben. An der CD-Taufe im Südpol werden 13 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne stehen, darunter auch seine Freundin Stéphanie Scalber, eine klassische Violinistin. Das Grossaufgebot wird das Werk, so wie es auf der CD tönt, zum Klingen bringen. Das wird der Lohn sein für zwei Jahre intensive Arbeit. «Ich hatte keinen Produktionsdruck. Ich konnte mir Zeit nehmen und den Stein x-mal umdrehen und verfeinern, bis es stimmte. Das habe ich als einen wahren Luxus empfunden.»

Hinweis

Mr. Backliner: Man In A Bowler Hat

CD-Taufe: Freitag, 19. April, 21 Uhr, Südpol Weitere Infos und Hörproben auf: www.misterbackliner.ch