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PORTRÄT: Ein Musiker, den man nicht sieht

Er hat den Doktor in Geschichte gemacht und war Gymnasiallehrer. Doch hauptberuflich ist Olivier Eisenmann (73) ein umtriebiger und vielseitiger Musiker.
Kurt Beck
Olivier Eisenmann vor seiner «Hausorgel» in der katholischen Pfarrkirche in Weggis. (Bild Roger Grütter)

Olivier Eisenmann vor seiner «Hausorgel» in der katholischen Pfarrkirche in Weggis. (Bild Roger Grütter)

«Die Orgel ist das Instrument, das echte Action bietet.» Der Luzerner Konzertorganist Olivier Eisenmann illustriert seine Aussage, indem er zur akrobatischen Performance ansetzt, am Wohnzimmertisch zwar, in seinem Haus hoch über Weggis am Hang der Rigi. Doch seine Verrenkungen sind eindrücklich – die Hände weit von sich gestreckt, fast über Kopfhöhe, die Beine zum Spagat gespreizt. Orgelspielen, macht er damit klar, ist auch eine körperliche Höchstleistung, besonders wenn man bedenkt, dass ein Konzert nicht bloss wenige Minuten dauert, sondern sich locker über eine bis zwei Stunden hinziehen kann.

Selbstverständlich steht nicht die körperlich-technische Meisterschaft über das Instrument im Zentrum der Kunst von Olivier Eisenmann, doch «das Action-Element wäre durchaus geeignet, auch ein jüngeres Publikum für Orgelkonzerte zu begeistern», argumentiert er. Um dann etwas resignierend festzustellen, dass der Organist meist hoch über den Köpfen der Zuhörer spiele und für das Publikum unsichtbar bleibe.

Künstlerischer Leiter

Auf der Empore mit Publikum im Rücken wird Olivier Eisenmann auch bei seinem Konzert am nächsten Sonntag in der katholischen Pfarrkirche in Weggis spielen. Es ist ein besonderes Konzert, nicht nur weil es von Radio SRF 2 aufgezeichnet wird. Es ist das Jubiläumskonzert der Weggiser Sonntagskonzerte, die Olivier Eisenmann initiiert hat und künstlerisch leitet. Seit dreissig Jahren besteht die Konzertreihe; sie ist eine der wenigen, die sich im regionalen Umfeld hat halten können.

Dass die Sonntagskonzerte florieren, verdanken sie dem Umstand, dass sie durch ein breit abgestütztes Patronatskomitee getragen werden und als künstlerischen Leiter einen engagierten Musiker an der Spitze haben, von dessen internationalen Beziehungen die Konzertreihe profitieren kann. «Bei uns spielen Solisten, die über Weltniveau verfügen, einige Interpreten sind auch schon am Lucerne Festival aufgetreten», erklärt Eisenmann.

180 Konzerte

Eine Besonderheit der Weggiser Reihe, die pro Saison sechs Konzerte im Programm hat (vier in der katholischen, zwei in der evangelisch-reformierten Kirche), ist die Tatsache, dass kein Eintritt verlangt wird. Die Besucher bezahlen am Schluss ihren freiwilligen Beitrag in eine Kollekte. Das System funktioniert. «Im Durchschnitt bezahlen die Leute 10 Franken, und pro Konzert zählen wir jeweils zwischen 60 und 70 Besucher, was für einen Ort wie Weggis sehr beachtlich ist.» Dennoch: Selbsttragend sind die Konzerte nicht, obwohl viel Gratisarbeit dahintersteckt. Eine Erfolgsgeschichte sind sie ohnehin: In den letzten dreissig Jahren wurden 180 Konzerte gegeben, die insgesamt fast 15 000 Besucher gehört haben.

Regelmässig auf Tournee

Olivier Eisenmanns musikalisches Engagement erschöpft sich allerdings nicht in der Weggiser Konzertreihe. Der 73-jährige Musiker ist als gefragter Konzertorganist regelmässig auf Tournee und gibt jährlich rund 30 Konzerte im In- und Ausland. Allein in diesem Jahr konzertierte er in Lyon, Rom, Chemnitz, Tallinn, in Finnland und Russland.

Im Lauf seiner 40-jährigen Karriere bespielte Eisenmann unter vielen anderen mehrmals den Berliner und Kölner Dom, den Passauer und Wiener Stephansdom, die Kathedralen von Paris, Barcelona, Madrid, St. Paul’s in London sowie Antwerpen und Gent, ferner Konzertsäle in Luzern (bei der Einweihung der neuen Orgel im KKL am Lucerne Festival), in der Tonhalle Zürich, in Singapur und Hongkong. Konzertreisen führten ihn in die USA (mehrmals nach New York), nach Australien, Neuseeland, Südamerika, Island, und immer wieder nach Schweden. «Nur in Kanada, Japan und Afrika habe ich noch nie gespielt.» Als Konzertorganist ist Olivier Eisenmann nicht fest an einen Kirchendienst gebunden, sondern muss sich seine Auftritte, auch in Kirchen, selber organisieren. Einen Agenten braucht er nicht. «Ich korrespondiere in fünf Sprachen», erklärt der promovierte Historiker.

Fünf Jahre Inlandredaktor

Olivier Eisenmann, der einer Musikerfamilie entstammt, nahm mit fünf Klavierunterricht, gab mit acht sein erstes Konzert, studierte Klavier am Konservatorium Luzern und war mehrere Jahre in der Schweiz und in Deutschland pianistisch als Begleiter bei Lieder­abenden und als Kammermusiker) unterwegs. Parallel dazu studierte er Geschichte und Germanistik an der Universität Zürich und schloss seine Studien 1971 mit dem Doktorat ab. Anschliessend war er fünf Jahre Inlandredaktor bei der LNN, bevor er ein Teilzeitpensum als Geschichtslehrer am Gymnasium in Zug übernahm.

Zur Orgel kam er eher zufällig. Als Musikkritiker besuchte er 1966 ein Orgelkonzert und war so begeistert, dass er sich zum Organisten ausbilden liess. Das Instrument hat ihn nicht mehr losgelassen, die Begeisterung hält bis heute an. «Ich übe jedes Jahr ein neues Programm ein, ich brauche und liebe diese Herausforderungen, sie machen das Leben interessant.»

Olivier Eisenmann weiss um die Vorurteile gegenüber der Orgel. «Die meisten kennen sie nur von Gottesdiensten.» Doch die Orgel kann viel mehr. Was das Instrument und auch die Orgelliteratur an Vielfalt zu bieten haben, versucht Olivier Eisenmann in seinen Konzerten dem Publikum näherzubringen. Dabei zielt er nicht auf ein Fachpublikum: «Es reicht, aufmerksam zu sein, zuzuhören oder einfach die Augen zu schliessen und zu träumen.»

Hinweis

Jubiläumskonzert mit Olivier Eisenmann am Sonntag, 8. Dezemebr, 17 Uhr, katholische Pfarrkirche Weggis. Das Konzert wird aufgezeichnet und am 17. Dezember 22.35 Uhr auf Radio SRF 2 gesendet.

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