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PORTRÄT: Engagiert für Kunst und Künstler

Er machte zuerst Karriere bei einer Grossbank. Dann realisierte Fredy Amrein seinen Wunschtraum: Er eröffnete in Luzern eine eigene Kunstgalerie.
Kurt Beck
Vom Pensionierten zum Galeristen: Fredy Amrein (64) in seiner Galerie Im Zöpfli in Luzern. (Bild Dominik Wunderli)

Vom Pensionierten zum Galeristen: Fredy Amrein (64) in seiner Galerie Im Zöpfli in Luzern. (Bild Dominik Wunderli)

«Nach meiner Pensionierung führe ich eine Galerie in Luzern.» Für Fredy Amrein war dies seit längerer Zeit eine klare Perspektive, die er dann auch umgesetzt hat: Im Mai 2011 öffnete die Galerie Im Zöpfli in Luzern ihr Tor, und Fredy Amrein präsentierte mit dem uruguayischen Künstler Sergio Alvarez Frugoni die erste Ausstellung im neu hergerichteten Erdgeschoss des historischen Gebäudes mitten in der Altstadt an der Reuss. Das pensionierte Bankkadermitglied war zum aktiven Neugaleristen geworden.

Umwege zur Kunst

Fredy Amreins Karriere verlief nicht geradlinig in Richtung Kunstbetrieb. Obwohl bereits in jungen Jahren auf Ferienreisen mit den Eltern regelmässig Besuche in Kunstmuseen auf dem Programm standen, erlernte der 1949 Geborene kein künstlerisches Metier, sondern studierte an der HWV, der heutigen Hochschule für Wirtschaft und Tourismus. In den frühen 70ern herrschte eine Rezession, die bei der Jobsuche die Möglichkeiten einschränkte. Fredy Amrein, der eigentlich seiner Ausbildung entsprechend eine Stelle im Marketing anstrebte, fand eine Stelle bei der Bankgesellschaft (die später mit dem Bankverein zur UBS fusionieren sollte). Was als erste Berufsetappe gedacht war, entwickelte sich zur 30-jährigen Karriere. Zuletzt hat Fredy Amrein die Direktion Firmenkunden geleitet. «Ich war kein typischer ‹Banker›», erklärt er, «denn nicht das Finanzgeschäft, sondern die Kontakte mit den Kunden, meist KMU der Region, interessierten mich.» So sehr er seine Arbeit auch geschätzt hat, die tränenreichen Gespräche mit gestandenen und unglücklich gescheiterten Unternehmern in seinem Büro, «sind mir jedes Mal ans Eingemachte gegangen».

Näher zur Kunst brachte ihn 1975 die Heirat mit Eva Degen, die sich Jahre später in Luzern künstlerisch aus- und weiterbildete. Kunst gehört nun zum Alltag der Familie. Doch bis zur Realisierung des Galerieprojekts dauerte es noch etliche Jahre – die beiden Kinder mussten erst grossgezogen und das (Früh-)Pensionsalter erreicht sein. «Eigentlich wollte ich mit 60 in Pension gehen», sagt Fredy Amrein. Er schaffte es mit 61. Doch dann wurde die Galerie zügig realisiert. Dass die Räume im Zöpfli im Familienbesitz waren, erleichterte nicht nur die Suche nach einem geeigneten Raum, sondern war eigentliche Voraussetzung für das ganze Projekt. «Ohne diese Räume gäbe es die Galerie nicht.»

Inzwischen besteht die jüngste Luzerner Galerie bereits seit über zwei Jahren. 17 Ausstellungen von ebenso vielen Künstlern waren jeweils für viereinhalb Wochen dem Kunstpublikum zugänglich. Die nächste Ausstellung zeigt ab nächstem Donnerstag eine Werkauswahl des argentinischen Künstlers Nazareno Haroldo Sanchez.

Qualität muss stimmen

Die Galerie hat nicht nur den Kunstraum Luzern vergrössert, sie rückt auch einen besonderen Ort in der Luzerner Altstadt wieder ins öffentliche Bewusstsein. «Nicht nur Touristen sind hin und weg von diesem idyllischen Plätzchen an der Reuss, auch Luzerner entdecken das Zöpfli neu», stellt Fredy Amrein fest.

Künstler haben die neue Ausstellungsgelegenheit schnell entdeckt. Regelmässig suchen Kunstschaffende mit ihren Präsentationsmappen die Galerie auf und hoffen auf eine Ausstellung. Viele Anfragen generiert auch die Webseite der Galerie. Das Angebot ist gross. Der Galerist kann auswählen. Dies macht er jedoch meist unter Künstlern, die er persönlich kennt, oder mit deren Werk er vertraut ist oder das ihn besonders interessiert. Die Auswahlkriterien sind klar: Die künstlerische Qualität der Arbeiten muss stimmen und den Galeristen auch berühren. «Wir zeigen keine Kunst, die wir nicht selber zu Hause aufhängen würden», sagt der Galerist.

Kein Geschäft

Mindestens 200 Besucher registriert der Galerist pro Ausstellung. Trotz der steigenden Besucherzahlen hat Fredy Amrein realisieren müssen, dass Luzern ein hartes Pflaster für die bildenden Künste ist. «Luzern ist zwar eine Kulturstadt, allerdings eine für Musik und nicht für Kunst», sagt er. Vielen Luzernern fehle der Zugang zur Kunst. Die Galerie ist kein Geschäft. Amrein zweifelt sogar, ob eine Galerie, die rein regional arbeitet, überhaupt kommerziell erfolgreich sein kann. «Unsere Galerie muss nur die Kosten einspielen, die wir in die Ausstellungen investieren. Auf einen Ertrag sind wir glücklicherweise nicht angewiesen.» Dank den Verkäufen (40 Prozent des Preises gehen an die Galerie) ist die Rechnung ausgeglichen, obwohl die Galerie eher im mittleren bis unteren Preissegment angesiedelt ist. «Wir sind keine Galerie für professionelle Sammler oder institutionelle Investoren, sondern für Kunstfreunde.»

Das zeitliche Engagement für die Galerie entspricht einem 60-Prozent-Job. Zeit, für die der Galerist nicht honoriert, «sondern mit zahlreichen interessanten Begegnungen mit Künstlern und Galeriebesuchern» entschädigt wird. Am meisten jedoch freut sich der Galerist, wenn er eine neue Ausstellung einrichten kann: «Das ist die schönste und spannendste Arbeit: die richtigen Werke auszusuchen und sie richtig zu platzieren und miteinander in einen Dialog treten zu lassen.»

Hinweis

www.galerie-im-zoepfli.ch

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