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PORTRÄT: Fürs perfekte Foto läuft er stundenlang durchs Gebirge

Christof Schürpf hat das Fumetto mitbegründet und ist einer der Besten seines Fachs. Einzig Olivenöl kann der Fotograf nicht ins beste Licht rücken.
Der Wahlluzerner Christof Schürpf (48) ist einer der Gewinner des Swiss Photo Awards 2015. (Bild: Roger Gruetter)

Der Wahlluzerner Christof Schürpf (48) ist einer der Gewinner des Swiss Photo Awards 2015. (Bild: Roger Gruetter)

Seine Gäste empfängt er barfuss. Und dann ist er auch schon wieder weg. Kaffee machen. Christof Schürpf bewegt sich viel und gern. Auch im Kopf. Gedankliche Hürden nimmt der 48-Jährige einfach und mühelos. Ob ihm die Generation iPhone bald die Bildhoheit streitig macht? «Gut möglich», sagt er, und blickt dabei entspannt. Letztes Jahr hat er für die Winterhilfe Schweiz sein erstes Video gedreht. In den Bahnhofshallen regieren heute die Spots. Schürpf geht mit der Zeit. Spannend sei das. Wozu sich Sorgen machen?

Diese Offenheit gegenüber Neuem hat den Zürcher, der in Luzern Grafikdesign studiert hat und hier ein Atelier besitzt, etwas abdriften lassen vom ursprünglichen Berufsfeld. In seinen früheren Leben illustrierte das Fumetto-Gründungsmitglied auch mal die Titelseiten der «Weltwoche» oder entwarf für eine Hilfsorganisation Schulbücher für Ruanda. Nach der Matura arbeitete er als Co-Sekretär des Komitees der Rothen­thurm-Initiative «Zum Schutz der Moore», deren Annahme 1987 eine politische Sensation war.

Ausprobieren mit Selbstauslöser

Als Grafiker dachte er oft: «Die ganze Welt ist da draussen, und du hockst hier vorm Bürotisch.» Als Fotograf darf er unterwegs sein, Menschen treffen. Mit denen hat er es gut. Menschenporträts sind sein Metier. Reine Produktfotografie, bei der keine Geschichten erzählt werden, liegt ihm hingegen weniger. «Zum perfekten Ausleuchten einer Flasche Olivenöl wäre ich nicht der Richtige», sagt er und lacht sein ansteckendes Lachen. Ein zerbrochenes Glas für eine Opernvorschau hingegen weiss er in Szene zu setzen.

Um seinen Geschäftskunden eine Idee begreiflich zu machen, stellt er sich auch mal vor den Selbstauslöser, um dann auf seinen Projektskizzen in dreifacher Ausführung in der Landschaft zu stehen. Dank mehrerer Jahre als angestellter Grafiker und Mitinhaber zweier Grafikagenturen besitzt er die Gabe, über die Ränder der Fotografie hinauszudenken, das Gesamtprojekt zu sehen. Er schätzt es, wenn man darauf vertraut, dass er mitdenken kann. «Bei allen Arbeiten, für die ich ausgezeichnet wurde, hat man mich einfach machen lassen.»

Mit Schnorchel im Hotelpool

Dabei bewahrt er sich einen unnachahmlichen Pragmatismus. Weigert sich ein Banker beim Shooting trotz Einverständnis seiner Marketingabteilung einen blauen Anzug zu tragen, färbt er den Anzug am Computer später einfach um. Für Schönwetterbilder für die Tourismusbranche steigt Schürpf auch mal mit Schnorchel in den Hotelpool oder läuft stundenlang eine gebirgige Bilderbuchkulisse ab. Er mag die klare Bildsprache der Werbung ebenso wie Momente der Unentschiedenheit.

Auf einem Kampagnenfoto der reformierten Kirche Luzern wirken zwei kollidierte Autos auf einer sonnendurchfluteten Strasse wie deplatziert was sie auch sind. Schürpf liess den Autounfall auf einem Schrottplatz nachstellen und hat die Wracks erst nachträglich in die Strasse montiert. Die gewollte Künstlichkeit, die dem Bild die Patina der Übernatürlichkeit gibt, verstärkt die Botschaft der Kampagne: «Deine Kirche ist hier.» Ein starkes Bild, das erst in den öffentlichen Bussen gezeigt und dann wieder entfernt wurde. Der Kirche war es zu provokativ.

Auch die meisten von Schürpfs künstlerischen Arbeiten sind inszeniert. So richtig weitergebracht haben Schürpf die Aufträge fürs Luzerner Theater. Für das Programmheft 2009/10 experimentierte er mit Taschenlampenlicht. Für ein Stück von Thomas Hürlimann, den er gerade erst für den «Sonntagsblick» porträtiert hat, tauchte er den Schauspieler Stefan Suske in ein Bad aus Hühnern. «Erst wollte ich ihn in weisse Hühner legen, aber die waren zu schüchtern. Solche Unwägbarkeiten liebe ich.» Das Futter vom Biobauern hielt die Tiere während des Shootings bei Laune.

Für die Bildstrecke «In der Kälte» hat Schürpf im verschneiten La Chaux-de-Fonds das städtische Kunstlicht eingefangen, das sich überm Schnee zu einem Farbbrei zusammenbraut. 2005 fotografierte er während der Schweizer Meisterschaft der Amateurboxer Teilnehmer neben dem Boxring kurz nach ihrem Kampf. Niederlage und Anspannung liegen noch auf den Gesichtern, als Schürpf die Boxer in seinem improvisierten Studio fotografiert.

Fotostrecke über Kindsmissbrauch

Gerade erst wurde Schürpf mit dem renommierten Swiss Photo Award ausgezeichnet. Seine Fotostrecke zum Thema Kindsmissbrauch war ein Auftrag für die Bildagentur Keystone. Bilder von zerrissenen Kinderfotos und zerstörte Bilderrahmen deuten die physische und die psychische Beschädigung nur an. Dass die Verletzung auf einer anderen Ebene passiert, macht das Hinschauen erträglich. Dass die Medien ihn nach seinem Erfolg zum Sprachrohr für Missbrauchsthemen stilisierten, hat Schürpf irritiert. Vielleicht reicht er deshalb einen alten Zeitungsartikel über den Tisch, eine Fotoreportage zum Thema «Kinderhandel in Westafrika». Damals war er näher dran am kindlichen Leid, als er es mit Symbolbildern je hätte sein können.

Mit solchen Bildern vor Augen hört sich Schürpfs nächstes Keystone-Projekt direkt harmlos an: Symbolbilder zum Thema «Handy und Internet» finden. Für diesen Auftrag wird Schürpf die Generation 2.0 demnächst auf einer Schulreise begleiten. Die Kinder einer Zuger Schule werden dabei wohl auf ihren Smartphones herumdrücken unter den Augen von Schürpfs wachsamer Kameralinse.

Julia Stephan

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