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PORTRÄT: Hamburgerin ist neue Schauspielleiterin am Luzerner Theater

Die neue Schauspielleiterin am Luzerner Theater heisst Sandra Küpper und kommt vom Thalia-Theater, Hamburg. Die 39-jährige Deutsche unterhält ein weltweites Theaternetzwerk und könnte den Festivalbetrieb am Luzerner Theater noch intensivieren.
Julia Stephan
Sandra Küpper wird per 1. August 2018 Schauspielleiterin und stellvertretende Intendantin des Luzerner Theaters. (Bild: Krafft Angerer)

Sandra Küpper wird per 1. August 2018 Schauspielleiterin und stellvertretende Intendantin des Luzerner Theaters. (Bild: Krafft Angerer)

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

In der Schweiz wurde diesen Sommer ein Pakt geschlossen – und ein Kind geboren. Das ist etwas gar verkürzt. Aber dennoch zutreffend.

Sandra Küpper war gerade auf Durchreise von Luzern zu ihrem Haustheater Thalia in Hamburg gewesen. In der Schweiz hatte sie mit Intendant Benedikt von Peter ihren Wechsel in die Schauspielleitung des Luzerner Theaters besprochen. Jetzt wollten sich die zwei am Zürcher Theater-Spektakel noch schnell das Stück «Látszatélet («Imitation of Life)» des ungarischen Regisseurs und Filmemachers Kornél Mundruczó anschauen, mit dem Küpper seit Jahren zusammenarbeitet. Nach einem unterhaltsamen Abend ging Küpper nach Hause – und brachte noch in derselben Nacht ihr erstes Kind zur Welt.

Dramaturgin und Festivalorganisatorin

«Ich bin mein ganzes Berufsleben viel gereist, und dadurch habe ich diese Geburt auf dem Weg einfach so mitgenommen», sagt Küpper in einem Hamburger Café im Stadtteil Eimsbüttel und lacht. Eimsbüttel ist der Prenzlauer Berg von Hamburg. Eine hohe Kinderwagen­dichte auf dem Kopfsteinpflaster, für deutsche Verhältnisse gut erhaltene Altbauzeilen und überall Menschen um die dreissig.

Als Sandra Küpper 2009 nach einem Aufenthalt am Schauspiel Leipzig und einer längeren Station am Schauspielhaus Graz ihre Stelle am Thalia-Theater antrat, war das noch anders. In Hamburg hat sich die gebürtige Rheinländerin nicht nur als Dramaturgin einen Namen gemacht, sondern auch als Festivalorganisatorin. Mit dem Intendanten Joachim Lux leitete sie bis vor kurzem noch das internationale Themenfestival Lessingtage. Das hält mit seiner internationalen Ausrichtung mit Themen wie «Aufruhr» unserer kosmopolitischen Gegenwart ­regelmässig den Spiegel vor. In diesem Sommer leitete Küpper im Team zudem auch das in Deutschland traditionsreiche Wanderfestival Theater der Welt, das dieses Mal auf dem ehemaligen Frachtterminal Baakenhöft des Hamburger Hafens stattfand. Mit seiner Ausrichtung auf internationale Handschriften ist das Festival in der Schweiz am ehesten vergleichbar mit dem Zürcher Theater-Spektakel.

Den Theaterbetrieb flexibler machen

Ursprünglich wollte Küpper Journalistin werden. Bis zum erstem Praktikum während des Studiums am Schauspiel Leipzig. Da merkte sie, dass sie Spass daran hatte, «Kunst-Ermöglicherin» zu sein, wie sie es nennt. «Ich versuche über das Schaffen von Strukturen, Künstlern eine Heimat zu geben, in der sie gut produzieren können», erklärt sie.

Das will sie in Luzern weiter tun. «Ich werde nicht das ganze System umschmeissen, aber ich versuche, es zu erweitern.» Damit meint Küpper etwa die Angleichung des kürzeren Planungs­horizontes im Schauspiel an die trägeren Opernstrukturen, um längerfristig mehr spartenübergreifende Projekte realisieren zu können. Auch will sie herausfinden, wie sich Projekte, denen längere Recherchearbeiten vorausgehen, besser in den Stadttheaterbetrieb einbauen lassen. Und sie will flexiblere, an die jeweiligen Theaterprojekte angepasste Probepläne, die zum Beispiel auch schon frühere Begegnungen zwischen Autoren und Schauspielern zulassen.

Wenn Sandra Küpper am 1. August des kommenden Jahres die Nachfolge der Schauspielleitung der Luzernerin Regula Schröter und die stellvertretende Intendanz am Luzerner Theater von Opernhausleiterin Brigitte Heusinger übernimmt, bringt die Deutsche, die noch nie in der Schweiz gearbeitet hat, zwei grosse Stärken mit: ein riesiges Netzwerk aus internationalen Künstlern mit sehr diversen Handschriften sowie eine langjährige Erfahrung beim Austragen von an Stadttheatern eingebetteten Festivals. Was bedeutet das konkret für Luzern?

Zum einen könnte sich in der Festivalstadt Luzern der Festivalbetrieb am LT noch intensivieren – womit man sich von anderen Schweizer Stadttheatern wohltuend abgrenzen würde. Genau dieses Potenzial wollen Sandra Küpper und Benedikt von Peter ausloten und nebenbei auch neue Räume fürs Sprechtheater erobern, um dort, ähnlich wie bei Theater der Welt am Hamburger Hafen, lokale Stoffe aufzugreifen, wie das in Luzern mit der Oper «Rigoletto» in der Viscosi schon erfolgreich ausgetestet wurde.

Auch könnte das Sprechtheater politischer werden. Küpper ist fasziniert von der Universalität menschlicher Erfahrungen und den verschiedenen künstlerischen Sprachen, die Künstler weltweit für diese Erfahrungen finden. Regisseure nennt sie bewusst Künstler, weil ihr Regisseur zu sehr nach Handwerk klingt.

Sie sagt: «Künstler sind die besten Botschafter, um diese persönliche Erfahrungen einzufangen.» Besonders interessiert sie sich für Regisseure, die sich gleichzeitig auch schreibend betätigen, wie sie ein Regisseur wie der Schweizer Milo Rau verkörpert, den sie auch schon nach Hamburg geholt hat.

Lokale Geschichten in einem globalem Umfeld

Zu ihren engen Mitstreitern gehört der bereits erwähnte Ungar Kornél Mundruczó, der zurzeit in Hollywood einen Spielfilm dreht und dessen düstere, surrealen Arbeiten die ungarische Gesellschaft gnadenlos auseinandernehmen, aber auch Tom Kühnel, der noch sehr junge Antú Romero Nunes, Christopher Rüping, der 2015 «Frühstück bei Tiffany» am Schauspielhaus Zürich inszeniert hat, sowie das experimentell und sehr körperlich arbeitende estnische Theater NO99, das soeben den von der EU-Kommission verliehenen Theaterpreis Europe Prize Theatrical Realities gewann.

Sollte es Küpper gelingen, diese Künstler längerfristig ans LT als Theaterfamilie zu binden, darf man sich am Vierwaldstättersee auf eine spannende neue Theatersaison freuen, die schon fast die Weltläufigkeit einer Hafen­metropole besitzt und dabei die lokalen Geschichten in ein kosmopolitisches Netzwerk einspannt.

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