PORTRÄT: «Ich kenne keinen Stress»

Er hat das absolute Gehör, leitet zwei Orchester, ist Dozent und orgelt an 46 Wochenenden in der Kirche: Für den Musiker Franz Schaffner ist dies keine echte Arbeit.

Kurt Beck
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Leben in Noten: Franz Schaffner an seinem Arbeitsort in der Luzerner Franziskanerkirche. (Bild Dominik Wunderli)

Leben in Noten: Franz Schaffner an seinem Arbeitsort in der Luzerner Franziskanerkirche. (Bild Dominik Wunderli)

Es wird kein Konzert sein wie jedes andere. Am kommenden Sonntag ist es so weit. Dann haben der Luzerner Dirigent Franz Schaffner und sein Lu­cerne Wind Ensemble ihren grossen Auftritt im internationalen Rahmen, wo sich Spitzenformationen der Blasmusik präsentieren – am World Band Festival in Luzern. «Für uns ist dies eine besondere Ehre, weil wir da eine Plattform erhalten, um jene Musik zu spielen, die uns besonders am Herzen liegt und eigentlich der Kern unseres Auftrags ist: originale Blasmusik von Schweizer Komponisten.» Schaut man ins Programm dieses speziellen Abends, erfährt man, dass mit Ausnahme des Zürchers Peter Wettstein ausschliesslich Werke von Luzerner Komponisten im «Schweizerhof» zur Aufführung kommen. Gespielt werden zwei Werke von Albert Benz und je eines von Thüring Bräm und Mani Planzer.

«Es ist ein Konzert für Kenner und Liebhaber dieser selten aufgeführten Blasmusik, doch wer neugierig ist, hohes spielerisches Niveau und musikalische Qualität schätzt, wird an diesem Vortrag des Lucerne Wind Ensemble seine Freude haben», meint Franz Schaffner.

Vielseitig engagiert

Die Leitung des Orchesters, das sich aus Musikern des Blasorchesters Stadtmusik Luzern zusammensetzt, ist nur eine der beruflichen Tätigkeiten des vielseitigen Musikers. Franz Schaffner leitet ausserdem das Bach Ensemble Luzern, er ist Organist an der Luzerner Franziskanerkirche, tritt allein oder zusammen mit Mitmusikern als Organist und Cembalist auf, spielt nebenher noch CDs ein, und – sein Hauptjob – er unterrichtet in einem 80-Prozent-Pensum als Dozent für Blasmusikdirigieren sowie als Assistent Orchesterdirigieren an der Musikhochschule Luzern, wo er auch Studienkoordinator ist. Franz Schaffner, 1954 in Locarno geboren, lebt mit seiner Frau und den drei Kindern, die alle auch ein Instrument spielen, mitten in der Stadt. Ein viel beschäftigter Mann, besonders jetzt, so kurz vor dem Auftritt am World Band Festival. Doch er sagt: «Ich bin nie gestresst. Mein Engagement für die Musik und meine musikalischen Tätigkeiten sehe ich nicht als Arbeit im herkömmlichen Sinne. Für mich ist das reine Freude. Wenn ich mich erholen muss, dann übe ich zwei Stunden und bin wieder fit.»

Rücktritt per Januar

Seit 25 Jahren leitet Franz Schaffner das Luzerner Blasorchester. Eine dirigentische Herausforderung, wie er sagt. Denn Blasorchesterwerke verlangen wegen der ungeraden Taktarten und der vielen Taktwechsel vom Dirigenten besondere Fähigkeiten. Schaffner verfügte über diese bereits als junger Dirigent. Denn um die Leitung der Stadtmusik hat er sich nicht beworben, sondern wurde nach dem Tod von Albert Benz berufen. «Ich kam zum Job wie die Jungfrau zum Kind.»

Einen neuen Job brauchte er damals nicht dringend, er arbeitete als Korrepetitor und Dirigent am Luzerner Theater und dachte, dass er seine Theaterkarriere im Ausland fortführen könnte. Doch Schaffner nahm den Ruf an und formte die Stadtmusik zu einem hoch qualifizierten Orchester. «Die Chemie hat gestimmt», meint er, «und wir hatten Erfolg, auf den verschiedenen Tourneen, die uns bis nach Kanada führten, und mit den Auftritten an der IMF und später am World Band Festival.» Der Dirigent zieht damit eine erste Bilanz, denn Ende Januar gibt er die Leitung des Orchesters ab.

Idealismus und Herzblut

Doch es bleibt noch genug zu tun. Neben der Organistenstelle an der Franziskanerkirche ist es vor allem die Leitung des Bach Ensemble, das er als 26-Jähriger nach dem Studium 1980 mit einem Kollegen gegründet hat und seither leitet. «Das Ensemble ist für mich eine Herzensangelegenheit» sagt Schaffner, der mit den rund 50 Sängerinnen und Sängern und in der Regel 25 Instrumentalisten jährlich fünf Konzerte gibt. Obwohl das Ensemble über professionelle Qualitäten verfügt und sich in den Jahren einen hervorragenden Ruf und Wertschätzung erworben und insgesamt weit über dreihundert Werke aufgeführt hat, ist es kein Geschäft: «Mit Kleinformationen ist kein Geld zu machen, die leben von Idealismus und Herzblut.»

Musikalisch neugierig

Die musikalische Laufbahn von Franz Schaffner begann bereits als Kind. Mit fünf bekam er Klavierunterricht. Während des Gymnasiums im Kollegi Stans setzte er seine pianistische Ausbildung am Konsi in Luzern fort. Nach der Matura studierte er Dirigieren, Orgel und Klavier am Konservatorium und an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik in Luzern. Die Studien für Chor- und Orchesterleitung setzte er dann in Frankfurt bei Helmuth Rilling fort.

Die Affinität zu Kirchlichem (Bach, Organist, Kollegium, Studium) fällt auf. «Ja, ich bin ein religiöser Mensch, muss es wohl sein, wenn ich an 46 Wochenenden pro Jahr in der Kirche spiele», meint er und fügt hinzu: «Religiös muss ja nicht unbedingt ausschliesslich katholisch heissen.» Und wie passt da Blasmusik dazu? «Ich bin sehr offen und neugierig. Mich interessiert auch, wie andere sich musikalisch ausdrücken. Ich bin offen für alle Arten von Musik, nur schlechte Musik kann ich nicht ausstehen.» Schlechte Musik? «Billige Musik ohne Herzblut und Verstand.»

Hinweis

6. 10., Lucerne Wind Ensemble, geleitet von Franz Schaffner, Hotel Schweizerhof, Luzern, 17 Uhr.

3. 11., Bach Ensemble Luzern, Franziskanerkirche Luzern, 17 Uhr.