PORTRÄT: «Ich war eben ein Sturkopf»

Er hat Erfolg als Solist und künstlerischer Leiter der Festivals Strings Lucerne. Daniel Dodds ist ein Geiger, der sich durchsetzen kann.

Kurt Beck
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Ein Australier in Luzern: Daniel Dodds Geiger, Dozent und künstlerischer Leiter der Festival Strings Lucerne. (Bild: PD/DF)

Ein Australier in Luzern: Daniel Dodds Geiger, Dozent und künstlerischer Leiter der Festival Strings Lucerne. (Bild: PD/DF)

Die Zeit für unser Gespräch muss Daniel Dodds (41) in seinen vollen Terminkalender hineinquetschen. Eben kommt er aus Irland zurück, wo er zusammen mit Stimmführern der Festival Strings Lucerne am Lismore Music Festival teilgenommen hat. Sie haben eine Aufführung von «Figaros Hochzeit» von Mozart begleitet. «Dafür haben wir die ganze Woche in Lismore geprobt. Die Vorstellungen waren am Samstag und Sonntag. Dazwischen gaben wir noch ein Konzert in der Kathedrale von Lismore.» Jetzt sind wieder Proben angesagt, auch für das Konzert vom nächsten Sonntag. In einer Matinee geben die Festival Strings, die der Geiger Daniel Dodds seit dieser Saison künstlerisch leitet, ein «russisches Konzert» mit dem Geigenvirtuosen Renaud Capuçon als Gast. «Am selben Abend fliegt das ganze Orchester nach Santiago de Chile, wo wir am nächsten Tag bereits ein Konzert geben. Danach touren wir zwei Wochen durch Südamerika: Chile, Peru, Argentinien und Kolumbien.»

Fit dank Taekwondo

Reisestress ist für Daniel Dodds und die 16 «Strings» ein gewohnter Begleiter, da das Kammerorchester nicht fest an ein Haus gebunden ist. «Luzern ist jedoch unsere Heimbasis und der Ort, wo wir mental verankert sind», betont Daniel Dodds. Sie geben regelmässig Konzerte im KKL, und auch am Lucerne Festival bestreiten sie jeweils ein «Heimspiel». Häufig sind sie unterwegs. Über 20 Auftritte haben die Festival Strings seit Januar hinter sich, insgesamt werden sie im ganzen Jahr vor rund 45 000 Zuhörern gespielt haben – auf drei verschiedenen Kontinenten. «Ich habe gelernt, mit den langen Flügen und den kurzen Nächten umzugehen.» Die nötige Kondition holt sich der Geiger beim Taekwondo, einem koreanischen Kampfsport. «Eine gute körperliche Verfassung ist eine wichtige Voraussetzung für einen guten Auftritt auf der Bühne», erklärt Dodds, der allerdings einräumt, dass er nicht zu den fleissigsten Schülern im Dojo gehöre und «nur» den grünen Gürtel vorweisen könne.

Weit fleissiger war Daniel Dodds im Geigenunterricht, mit dem er als Fünfjähriger anfing. «Meine erste Lehrerin war sehr fordernd, verlangte Disziplin und Einsatz.» Tägliches Üben war selbstverständlich, «da blieb wenig Zeit für Fussball, Leichtathletik und Kricket.» Kricket? In Australien ein Nationalsport. Im australischen Adelaide ist Daniel Dodds 1971 geboren, dort ist er auch aufgewachsen. Mit siebzehn hat er die Schule abgeschlossen und sein Geigenstudium in Luzern begonnen.

Ausgerechnet Luzern

Dass es den hoch begabten Violinisten nach Luzern zog, hat mit der ersten Geigenlehrerin zu tun. Sie war die Mutter des Geigers Gunars Larsens, dem langjährigen Konzertmeister der Festival Strings Lucerne und Lehrer am Luzerner Konservatorium. Dodds ist in den Sommerferien des letzten Schuljahrs nach Luzern gereist und hat bei Larsens zwei Monate Unterricht gehabt. Dies festigte Dodds Entschluss, in Luzern zu studieren. Warum nicht in London, Paris oder New York? Genügend Talent und ausreichend Stipendien hätte er gehabt. «Für mich war nur der Lehrer wichtig, nicht der klingende Namen einer Stadt. Ich war ein Sturkopf, es war mir egal, was die anderen sagten. Später habe ich dann erfahren, dass in Luzern auch absolute Titanen der klassischen Musik unterrichtet haben. Für einen so kleinen Ort ist das sehr beachtlich», erklärt Daniel Dodds, der seinen Entscheid nie bereut und in Luzern sämtliche Diplome mit Auszeichnung abgeschlossen hat.

Schnell fand Daniel Dodds Aufnahme bei den Festival Strings. 2008 berief ihn Claudio Abbado auch ins Lucerne Festival Orchestra. Seit Anfang Saison hat Daniel Dodds als künstlerischer Leiter der Strings mehr Verantwortung übernommen. Er muss sich um Engagements, Programme, Gagen und Terminpläne kümmern. Die wichtigen Entscheide werden im 16-köpfigen Orchester gemeinsam gefällt. «Wir leben, essen, proben und streiten zusammen», umschreibt er die Zusammenarbeit. Wie gut das funktioniert, kann man in den Konzerten hören. Das Ensemble hat neues Selbstvertrauen gewonnen und an Qualität zugelegt. «Qualität ist wichtig», meint Daniel Dodds, «doch muss sie mit einem Grinsen und nicht mit Grimasse geboten werden.»

Auch als Solist ist Dodds gefragt und hat eine eigene CD («Times Transcending») auf dem Markt. «Ich habe darauf die 8000er der Geigenliteratur eingespielt» meint Dodds, der zwar gerne wandert, aber dem Klettern sonst wenig abgewinnen kann. Er werde vielleicht mit seinen Kindern in die Berge steigen, doch dies dauert noch eine Weile, seine Tochter ist acht, der Sohn erst fünf. Bis dann dürfte auch seine zweite Solo-CD erschienen sein.

Hinweis

www.danieldodds.net

Die Festival Strings unter der Leitung von Daniel Dodds konzertieren am nächsten Sonntag um 11 Uhr mit dem Solisten Renaud Capuçon (Violine) im Konzertsaal des KKL. Auf dem Programm stehen Werke von Bach, Schostakowitsch und Tschaikowsky. VV: 041 226 77 77 und www.kkl-luzern.ch

Hörproben von Daniel Dodds finden Sie hier