PORTRÄT: Ihre Oper überwindet Grenzen

Die Komponistin Heidy Nyman lebt in Luzern und fühlt sich in Japan zu Hause. Jetzt hat sie in einer Oper die beiden Welten miteinander verbunden.

Claudia Walder
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Eine geträumte japanische Landschaft inspirierte Heidy Nyman zu ihrer Oper «Zwischen Zeiten und Welten». (Bild: Bildmontage PD)

Eine geträumte japanische Landschaft inspirierte Heidy Nyman zu ihrer Oper «Zwischen Zeiten und Welten». (Bild: Bildmontage PD)

In einer kleinen, verwinkelten Wohnung in St. Niklausen sitzt Heidy Nyman mit einer Tasse Grüntee in den Händen. Die Musikerin und Komponistin lebt gerne in Luzern, geniesst die Nähe zum Wasser. Dennoch, zur Hälfte gehört ihr Herz Japan: «Wenn ich in Japan den Boden berühre, das ist ein Gefühl, als ob ich nach Hause komme», erzählt sie. «Die Schritte sind leichter, da ist ständig ein leichtes Vibrieren.»

Die Faszination, die das Land der aufgehenden Sonne auf sie ausübt, hat sie in einer Oper verarbeitet, die am nächsten Freitag im KKL in Luzern aufgeführt wird. «Zwischen Zeiten und Welten» heisst das Werk, das die beiden Länder nicht nur als Schauplätze aufnimmt, sondern auch aus den musikalischen Traditionen beider Kulturen schöpft. So stehen Instrumente aus der Schweiz traditionellen japanischen wie der Koto, einer Art Zither, oder der Biwa, einem Saiteninstrument, gegenüber, und das Schweizer Ensemble La Grischa wechselt sich mit dem japanischen Ensemble Nihon ab.

Zusammenspiel zweier Kulturen

Schwebende Klänge, moderne Elemente, japanischer Gesang. Die Szenen, die in Japan spielen, werden auf Japanisch gesungen, erklärt Heidy Nyman, während auf Schweizer Seite alle vier Landessprachen vertreten sind. Doch nicht nur die Geschichte und die Musik verbinden die beiden Länder, die dieses Jahr das 150. Jubiläum ihrer diplomatischen Beziehungen feiern, auch im Produktionsteam und im Ensemble sind beide Nationalitäten vertreten. So hat die Schweizer Komponistin Nyman mit der japanischen Konzertmeisterin Norika Kawamura zusammengearbeitet, um die musikalische Tradition Japans mit derjenigen der Schweiz zu verweben. Regie führt Tomo Sugao.

Die eingeblendeten Bilder, die das narrative Spiel mit den zeitlichen und räumlichen Ebenen auf der Bühne widerspiegeln, stammen von Kevin Graber, das Bühnenbild und die Kostüme von Sandra Li Männel. Der bekannte japanische Butôtänzer Daisuke Yoshimoto tanzt die in der Geschichte vorkommende reisende Seele, und in den Hauptrollen sind unter anderem Leslie Leon, Sonoe Kato, Akira Tachikawa, Sarah Büchi und Corin Curschellas zu hören, die auch mit dem Schweizer Ensemble La Grischa auf der Bühne steht.

Erste Japanreise

Die verschiedenen Klänge und Klangarten führen durch eine Geschichte, die in drei Akten erzählt wird und einen Zeitraum von 150 Jahren umspannt. Die Texte – geschrieben von Federica de Cesco – lehnen sich an Gedichtformen an, und die Ereignisse basieren auf den Kindheitserinnerungen der Komponistin. «Das erste Mal war ich vor vier Jahren in Japan», sagt Nyman. Aber, so erzählt sie, als Kind habe sie jahrelang immer wieder von einer ihr unbekannten, mit Asche bedeckten Landschaft geträumt. Als sie in späteren Jahren wieder von der gleichen Gegend träumte, erschien ihr im Traum der Name Kirishima. Mit Japan hat sie dies allerdings erst später in Verbindung gebracht, als sie im Theaterchor des Stadttheaters Biel-Solothurn sang und dank einer japanischen Orchestermusikerin herausfand, dass im Süden Japans tatsächlich ein Ort dieses Namens existiert.

Nicht nur ihre Faszination für Japan wuchs von da an, die ausgebildete Pianistin fand sich auch in ihrer Liebe zum Gesang und zur Oper bestärkt. In Genf und Luzern studierte sie Chorleitung und Orchesterdirigat.

Gespräche zwischen den Zeitzonen

Ihre erste Japanreise konnte Nyman dank einer japanischen Freundin verwirklichen. Das sei unglaublich bewegend gewesen, beschreibt sie. Den Anstoss, eine Oper zu schreiben, gab ihr Beatrice Ito, die Präsidentin des Swiss Club Tokio, mit der sie eine tiefe Freundschaft verbindet und bei der sie jeweils zu Gast ist, wenn sie Japan besucht. Drei- bis viermal pro Jahr reist Nyman zurzeit nach Asien und stillt dort ihr Heimweh nach Japan. Auch die Zusammenarbeit mit Federica de Cesco hat gewissermassen dort ihren Anfang genommen.

Heidy Nyman kann sich noch gut an das erste Telefongespräch erinnern. Es sei am Vortag ihrer Abreise nach Asien gewesen, sie hatte gerade ihr Auto in die Garage gebracht und musste warten. Das zweite Gespräch führte sie von Japan aus, allerdings hatte sie dabei die Zeitdifferenz vergessen: Während es in Japan bereits 12 Uhr mittags war, war es in der Schweiz gerade mal 3 Uhr morgens! Einig geworden sind sie sich trotzdem, und zum ersten Mal getroffen hat Nyman die Schriftstellerin und ihren Mann schlussendlich in Tokio.

«Zwischen Zeiten und Welten» ist ein ehrgeiziges Projekt, das nicht nur die Musik- und Theaterkulturen zweier Länder miteinander verknüpft, sondern auch leichtfüssig zwischen traditionellen und modernen Musikrichtungen tanzt.

Hinweis

Die Oper «Zwischen Zeiten und Welten» von Heidy Nyman wird am 13. Juni im KKL uraufgeführt. VV: www.zwischenzeitenundwelten.ch