PORTRÄT: «Malen ist ein einsamer Job»

Seine Gemälde scheinen einfach. Doch die Bilder des Luzerner Künstlers Marcel Glanzmann sind mehr, als sie zeigen.

Kurt Beck
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Marcel Glanzmann (48) vor seinen Bildern in der «Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen» im Kunstmuseum Luzern. (Bild Manuela Jans)

Marcel Glanzmann (48) vor seinen Bildern in der «Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen» im Kunstmuseum Luzern. (Bild Manuela Jans)

So ein Preis ist auch für einen gestandenen und anerkannten Künstler wie Marcel Glanzmann (48) keine selbstverständliche Sache. Der vielseitig engagierte Luzerner Maler, der mit dem aktuellen Zentralschweizer Preis der Jury ausgezeichnet wurde, war denn auch entsprechend überrascht, als ihm die mit 12 000 Franken dotierte Auszeichnung im Rahmen der laufenden Jahresausstellung zugesprochen wurde: «Ich hatte das umso weniger erwartet, als sonst eher jüngere Kunstschaffende ausgewählt werden, die mit Neuen Medien oder transmedial arbeiten.»

Traditionelle Malerei

Marcel Glanzmann hingegen ist ein Künstler, der der traditionellen Malerei verpflichtet ist, die er auf detailversessene hyperrealistische Spitzen treibt. Keine modischen oder trendigen Spielereien ausführt, sondern perfektes Handwerk virtuos in Bilder umgesetzt. «Vor gut zwanzig Jahren habe ich ernsthaft damit begonnen, auf diese Weise zu arbeiten, und schon damals hatte ich das Gefühl, mich in alten Gefilden zu bewegen, da doch das zeitgeistige Umfeld vorwiegend konzeptionelle Kunst praktizierte.» Marcel Glanzmann liess sich nicht beirren und betont: «Ich habe mich nie verbogen in meiner Arbeit oder künstlerisch Konzessionen gemacht.»

Dass seine konsequente künstlerische Haltung nun mit einem Preis honoriert wurde, freut ihn besonders. Marcel Glanzmann ist zwar überzeugt von der Qualität seiner Bilder, dass diese auch von andern erkannt und anerkannt wird, ist ihm zudem eine willkommene Bestätigung. Doch ist er weit davon entfernt, solche nun permanent einzufordern: «Zum Leben eines Künstlers gehört es, mal mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und dann wieder Zeiten abseits des öffentlichen Interesses zu erleben.» Marcel Glanzmann gehört zu den glücklichen zehn Prozent, die aus 202 Bewerbern für die aktuelle «Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen» ausgewählt wurden. Eine Serie von drei Gemälden kann Marcel Glanzmann nun im Kunstmuseum Luzern zeigen.

Mit «Memories I, II und III» sind die Bilder betitelt, eine Seltenheit im Œuvre des Künstlers, der sonst seine Gemälde schlicht als «Objekte» durchnummeriert. Die Gemälde zeigen einen silbrig schimmernden Rahmen für Erinnerungsfotos in drei unterschiedlichen Ansichten. Die Rahmen sind in akribischer Genauigkeit wiedergegeben. Jedes Detail ist genau beobachtet und im Gemälde nachgebildet.

Allerdings bekommt der Betrachter die Rahmen nie von vorne zu sehen. Die Frontseite, eigentlich Funktion und Inhalt eines Rahmens, verweigert sich und macht damit klar, dass die Malerei selbst der Inhalt des Bildes ist und nicht das Abgebildete. Sämtliche Objekte, die der Künstler in mimetischer Genauigkeit abbildet, sind im Wesentlichen nur Vorwand für reine Malerei, präzise bis zum «Feinstofflichen» verarbeitete Farbe.

Die schöne, verführerische Oberfläche der malerischen Objekte verweist allerdings nicht nur auf sich selbst. Die dargestellten Bilder wecken im Kopf des Betrachters eigene Assoziationen und Erinnerungen. Ganze Geschichten können sich so aus vermeintlich einfachen Dingen wie einem Fotorahmen entwickeln.

Monate für ein Werk

Die Malweise von Marcel Glanzmann ist sehr aufwendig und zeitintensiv. «Zeit ist für meine Arbeit das wichtigste Element.» Es kann Monate dauern, bis ein Gemälde, das aus dünnen Schichten sukzessive aufgebaut wird, vollendet ist. Auch für die Auswahl der Objekte lässt er sich Zeit. Auf einem Tisch im Atelier sind Dutzende verschiedener Dinge versammelt: Vasen, Gläser, Bücher, Stempel, Gegenstände aller Art – mögliche Kandidaten für ein Gemälde. Er schaut die Dinge immer wieder genau an, bis sich eines als gemäldetauglich erweist. Der grosse zeitliche Aufwand hat seine Konsequenzen: Pro Jahr entstehen auf diese Weise nur sechs, sieben Gemälde. Was den Künstler jedoch nicht beunruhigt: «Je länger ich an einem Gemälde arbeite, desto wohler ist mir.»

Auch andere Projekte

Neben der Malerei engagiert sich Marcel Glanzmann auch noch an anderen Projekten: «Ich wildere auf verschiedenen Gebieten.» Für Theater hat er Bühnen entworfen und gebaut, er ist Dozent an der Luzerner Hochschule für Technik und Architektur und war Mitglied der Kunstkommission der Stadt Luzern. Aktuell konzipiert und realisiert er mit seinem Atelier-Partner eine Japan-Ausstellung im Textilmuseum St. Gallen.

Dem kreativen Geist sind die spartenübergreifenden Tätigkeiten nicht nur inspirierende Abwechslung, sondern auch Notwendigkeit: «Malen ist ein einsamer Job, nach den stillen Malphasen muss ich jeweils wieder reden lernen.» Als Kommunikationstraining eignen sich da Hochschule und Theater hervorragend.

Hinweis

Kunstmuseum Luzern: «Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen», Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr. Bis 16. Februar.