Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

PORTRÄT: Peter Schulz als Verleger: Mutig und vorsichtig

Peter Schulz (87) gab zum Jahreswechsel die Leitung seines Pro-Libro-Verlages ab. Wie der Gründergeist den reformierten Pfarrer zum ersten Direktor der Schweizer Journalistenschule (MAZ) und zum Verleger machte.
Julia Stephan
Verleger Peter Schulz in seiner Luzerner Privatwohnung. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 27. Dezember 2016))

Verleger Peter Schulz in seiner Luzerner Privatwohnung. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 27. Dezember 2016))

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Bei der Begrüssung windet Peter Schulz seinem Besuch erst mal einen Kranz. «Stephan heissen Sie zum Nachnamen?», fragt der studierte Theologe amüsiert. «Das ist Griechisch und bedeutet Kranz.» Dabei wäre man eigentlich selbst an der Reihe, dem 87-Jährigen Basler einen Kranz zu winden für sein 60-jähriges Engagement für die Zentralschweiz.

Die Bücherregale in der Wohnung des Ehepaars Schulz im Luzerner Stadtquartier Wesemlin-Dreilinden stehen randvoll mit alten Gesamtausgaben von Autoren, die ihre religiösen Überzeugungen und Zweifel auch philosophisch hinterfragt haben: Fjodor Dostojewski, Johann Gottfried Herder, der Mundartdichter Johann Peter Hebel und Hermann Hesse lehnen da friedlich Buchdeckel an Buchdeckel mit Theologie- und Philosophieklassikern aus Schulz’ Basler Studentenzeit.

«Für das Buch» – gegen das Verlagssterben

Die Privatwohnung ist immer noch Sitz des Pro-Libro-Verlages, den Schulz im Januar nach zehn Verlegerjahren an seine Mitarbeiterin Therese Schilter-Oberli übergeben wird. Den auf Zentralschweizer Themen spezialisierten Sachbuch- und Literaturverlag hatte Schulz ursprünglich aus Not gegründet. «Das Verlagsangebot in der Zentralschweiz war mit dem Wegfall des C. J. Bucher- und des Räber-Verlags stark geschrumpft», erinnert er sich. Mit der lateinischen Wendung «Pro Libro», auf Deutsch «Für das Buch», wollte er ein Zeichen setzen. Bis heute hat der Verlag 90 Bücher herausgebracht, viele davon widmen sich mit einem weit gefassten Kulturbegriff der reichen kulturellen Vergangenheit der Zentralschweiz.

Den Basler Sohn eines Buchhändlers und Enkel eines Pfarrers hatte es in den 1960er-Jahren beruflich in die Zentralschweiz verschlagen. Als reformierter Pfarrer der Gemeinden Meggen, Weggis und Vitznau lernte er «als Minderheit den Katholizismus kennen» und hielt – untypisch für jene Zeit – Vorträge in der Erwachsenenbildung, 1.-August-Reden und im neuen Medium Fernsehen das «Wort zum Sonntag».

Als das auch für reformierte Gottesdienste genutzte Grandhotel Rigi-Kaltbad 1961 niederbrannte, setzte sich Schulz für den Bau der Bergkirche Rigi-Kaltbad ein, bei deren Anblick er heute noch «Freude empfindet». «Das praktische Christentum hat mich immer interessiert», sagt er. Schon als kleiner Junge hatte er den deutschen Theologen und Arzt Albert Schweitzer für dessen Engagement in der Dritten Welt bewundert. Bei einer direkten Begegnung mit dem Nobelpreisträger soll dieser ihn mit den Worten begrüsst haben: «Ich bin kein Mythos.»

Entrückung ins Übermenschliche war auch nie die Sache von Schulz. Und ähnlich wie der deutsche Philosoph Karl Jaspers, dessen Antrittsvorlesung er als junger Student in den 1950ern mitverfolgte, hat ihn auch das Dogmatische nie interessiert. Schulz suchte in seinen Predigten den Dialog. Das prädestinierte ihn Ende der 1990er-Jahre auch für die Rolle des Ombudsmannes dieser Zeitung.

Mit vierzig suchte Schulz eine neue Herausforderung. Er wechselte als Journalist zum Radio, wo er später einen Ausbildungslehrgang aufbaute und bei der Zusammenlegung von Radio und Fernsehen zum Ausbildungsleiter beider Medien aufstieg.

Ein Vordenker der Luzerner Universität

Als es mit der Berufung zum Fernsehdirektor nicht klappte, wählte Schulz die Strategie, die er immer gefahren ist: handeln! Seiner Initiative ist es mitzuverdanken, dass die 1984 gegründete Schweizer Journalistenschule MAZ heute ihren Standort im Kanton Luzern hat.

Auch die Universitätsgründung «predigte» der Theologe in den 1990er-Jahren mit seiner Stiftung «Akademie 91» so lange, bis die Luzerner, welche der Idee einer Universitätsgründung 1978 noch eine Absage erteilt hatten, sie im Jahr 2000 in einer Volksabstimmung absegneten.

Seine Ideen waren keine Luftschlösser

«Im Grunde sind meine Ideen immer aus der Praxis herausgewachsen», sagt Schulz heute. Angegangen sei er jedes Vorhaben so, wie ein Offizier der Schweizer Armee mal das Fahrverhalten des ehemaligen Militärpfarrers beschrieben habe: «Mutig, aber vorsichtig.»

Bücher will Peter Schulz nach Aufgabe seiner Verlegertätigkeit allerdings keine mehr herausgeben. Bis März wird der Vater von drei Kindern für seine Nachkommen die Lebens- und Familiengeschichte aufschreiben. 80 Seiten hat er bereits geschrieben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.