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PORTRÄT: Philosoph und Theaterautor

Luzerns Theater-Hausautor Dominik Busch (36)darf an die Autorentheatertage Berlin. Unter 175 Schreibenden hat er das grosse Los gezogen. Wird er jetzt berühmt?
Julia Stephan
Dominik Busch in den Zuschauerrängen des Luzerner Theaters. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Dominik Busch in den Zuschauerrängen des Luzerner Theaters. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Das Theaterstück «Das Gelübde» des Luzerner Autors Dominik Busch liest sich wie eines jener berühmten Philosophenbeispiele. Auf moralische Dilemmas wollen sie aufmerksam machen. Aber weil sie alle Launen des Lebens ausblenden, sollte man sie sich auf keinen Fall als Ratgeberliteratur zu Gemüte führen.

In «Das Gelübde» erlebt Tim, der nach einem erfolgreichen Medizinstudium ein halbes Jahr in einem afrikanischen Krisengebiet gearbeitet hat, auf seiner Rückkehr nach Europa einen Flugzeugabsturz. Im freien Fall legt er ein Versprechen ab. Überlebt er, will er den Rest seines Lebens in einem afrikanischen Krankenhaus arbeiten. Tim überlebt. Doch wie soll er seinen Angehörigen beibringen, dass er auf die tolle Freundin und die tolle Jobperspek­tive verzichten will? In einer Zeit, wo Lebenspläne gewechselt werden wie Kleider, wirkt dieses Beharren auf einem Gelübde, das weder mit Gott noch mit etwas Handgreiflichem verknüpft ist, geradezu absurd.

Im Flugzeug wachgerüttelt

«Ja, da hat mich tatsächlich die Philosophie geritten», bestätigt der doktorierte Philosoph Busch. Zum gedanklichen Gerüst seines Stückes, in dem Tims Angehörige das Gelübde nach allen Regeln der Argumentationskunst zu entkräften suchen, hat er sich vom Religionsphilosophen Fritz Oser inspirieren lassen.

Aber auch wenn das Setting hoch artifiziell wirkt und die Sprache des Textes den präzisen Ton der Logik spricht: Das Stück ist hochemotional, rüttelt einen ähnlich heftig durch wie Tim in seinem Unglücksflieger.

Die Jury in Berlin hat das wohl ähnlich gesehen. Als der Telefonanruf kam, der Busch miteilte, unter 175 Bewerbern gehöre er zu den drei Auserwählten für die Berliner Autorentheatertage, hätten seine Hände gezittert. Nächsten Juni wird sein Stück in Berlin uraufgeführt, im Herbst kommt es ans Schauspielhaus Zürich.

Eine Inthronisation? «Ja, aber mein Thron besteht aus PET-Flaschen», bemerkt Dominik Busch schmunzelnd, als wir an der Bühne des Luzerner Theaters vorbeigehen, wo derzeit ein solcher Plastikthron für die «Undine»-Inszenierung steht. Die Ehrung in Ehren: Zum Überleben arbeitet Busch als Aushilfsgymnasiallehrer für Deutsch und Philosophie.

Sohn von Peter Sigrist

Busch ist in Root und in Alpnach Dorf aufgewachsen und Sohn von Peter Sigrist, dem Komponisten, Saxofonisten und Mitbegründer der Luzerner Jazzschule. Dank seinem Vater – für ihn kein Konkurrent, sondern Künstlerkollege – hat Busch als Kind die Theater-Aufbruchstimmung der Achtzigerjahre quasi eingeatmet. Während sein Vater in der neu gegründeten Gessnerallee probte, lernte er in Obhut der Garderobendame als passiver Zuhörer die auf der Bühne gesprochenen Dialoge auswendig. Die Bühne als ein Zuhause und die noble Rolle im Hintergrund, die er heute als Theaterautor ausfüllt, all das ist also nicht neu für ihn.

Den ersten szenischen Text schrieb Busch, da war er acht. Mit dem Kassettenrekorder nahm er die Hörspielreihe «David Diamond’s Defekt» auf. Der Held: eine Philip-Marlowe-Detektivfigur. Trotzdem waren Schlagzeug und Perkussion und später der Kontrabass erstmal wichtiger.

Das war auch noch während Buschs Jahren in Berlin so. 2005 lernte er dort den Luzerner Schauspieler Patric Gehrig kennen. Während sich Busch damals mit angezerrtem Kontrabass ganz im rockigen und elektronischen Element fühlte, machte Gehrig mit geschminktem Totenkopf Rumpel-Punk-Polka. Als Gehrig später in Luzern die Theatergruppe Zell:stoff gründete und Busch beim Dramenprozessor gefördert wurde, ging alles ganz schnell. Gehrig fragte: «Du schreibst jetzt?» Busch antwortete: «Du spielst jetzt?» Seitdem schreibt Busch auch für Zell:stoff, zuletzt für die Ad-hoc-Inszenierung «Heim#1» während der Zwischennutzung des Luzerner Himmelrich-Quartiers. Im Mai folgt im Kleintheater die Uraufführung von «Der Weg der Lachse».

Im Autorenkollektiv schreibt Busch derzeit mit Michael Fehr und Ariane Koch auch fürs Luzerner Theater. Auf der Theater-Homepage zeigt er uns seine Handschrift in einer absurden Romeo-und-Julia-Szene im Tattoo-Studio. Die endet für Julia in einer «tintenschwarzen Burka aus Möglichkeiten».

Politischer Schreiber

Die Flüchtlingskrise und der Bürgerkrieg in Syrien hätten ihn politisiert, sagt er. Busch stört sich an der Dienstleistungsmentalität der Schweizer, die ihr Land nur für Reiche öffnen. Dass beflissene Diskretion sich in schuldbehaftetes Weghören transformieren kann, beschäftigt ihn, wenn er durch die Zentralschweiz fährt und sich fragt, was hinter den Bürofenstern der grossen Rohstofffirmen passiert. Die Arbeit am Stück will er deshalb mit einem Blog begleiten. Einen journalistischen Anspruch verfolgt er nicht: «Für investigativen Journalismus habe ich zu viel Fantasie.»

Julia Stephan

Hinweis

Uraufführung BuschFehrKoch: 8. April 2016 im Luzerner Theater (UG). Uraufführung «Der Weg der Lachse» im Kleintheater Luzern: 6. Mai 2016.

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