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PORTRÄT: Sound-Handwerker macht Exerzitien

Nach 30 Jahren die erste Solo-CD: Der Luzerner Saxofonist John Voirol (56) ist ein Schaffer, der als Musiker und Musiklehrer viel Wertschätzung geniesst.
Pirmin Bossart
«Du musst etwas bringen»: Saxofonist John Voirol. (Bild Pius Amrein)

«Du musst etwas bringen»: Saxofonist John Voirol. (Bild Pius Amrein)

«Ich allein» heisst das Album, mit dem sich John Voirol in den letzten Monaten Gehör verschafft hat. Es ist keine leicht zu konsumierende Musik. Aber sie fährt direkt in die Knochen. Ungeschminkte Saxofonklänge. Brachial. Lyrisch. Körperlich. Feierlich. Die namenlosen Stücke widerspiegeln ein hohes Niveau an Techniken und Phrasierungen auf dem Instrument. Gleichzeitig wird auch spürbar: Da ist einer, der nicht gefallen will, sondern spielt, was der Moment hergibt.

John Voirol war 14 Jahre alt, als ihm ein Kollege die Platte «My Favourite Things» von John Coltrane schenkte. «Die Musik war ihm zu extrem. Mir aber lief es kalt den Rücken hinunter. Und ich wusste, dass ich unbedingt Saxofon spielen wollte.» Bis zu diesem Zeitpunkt hatte John Voirol, der in der Umgebung von Olten aufgewachsen ist, auf der Klarinette geübt. Mit 16 bekam er die Gelegenheit, in der lokalen Musikgesellschaft auf das Saxofon zu wechseln. «Dort lernte ich, Noten zu lesen. Daneben spielte ich in einer Blues-Band.»

Jazz und Gregorianik

Mit 20 Jahren setzte der ausgebildete Elektromechaniker alles auf eine Karte. Voirol gab den Job auf, zügelte nach Bern und begann das Musikstudium an der Swiss Jazz School. Später absolvierte er Masterclasses bei Dave Liebman, David Baker und Ken McIntyre in New York. Seit 1991 ist Voirol selber Dozent für Saxofon und Workshops. Er unterrichtet an der Jazzabteilung der Hochschule Luzern – Musik.

Das Solo-Album «Ich allein» gab dem Musiker John Voirol einen kreativen Kick. Er hatte zuvor mit wechselnden Ensembles gespielt und vor gut zwölf Jahren mit dem inzwischen verstorbenen Pater Roman Bannwart ein Projekt lanciert, das Jazz mit der Gregorianik zusammenbrachte. Der gregorianische Choral mit seinem modalen Charakter, seiner einfachen Melodik und der offenen Metrik inspiriert ihn noch immer. «Ich konnte einen Link machen zwischen der Gregorianik und der Spiritualität von John Coltrane.» So begleitet er weiterhin den Chor Schola Romana Lucernensis oder den Chor Linea et Harmonia bei Gregorianik-Projekten.

Naivität und Erfahrung

Doch das Soloprojekt scheint für seine musikalische Entwicklung tiefgreifender zu sein. Es brachte ihn auf eine Spur, die er insgeheim schon immer gesucht hatte: sich total auszuliefern und dadurch der Essenz des Musizierens möglichst nahe zu kommen. «Eigentlich geht es mir darum, mit der Unverdorbenheit und Naivität eines Kindes spielen zu können, aber gespeist aus dem Fundus einer 35-jährigen Erfahrung auf dem Saxofon.»

Bei den Studioaufnahmen gelang es ihm, sich völlig frei von allem gedanklichen und angelernten Ballast zu machen. Anders als in einer Band sei man als Solist völlig auf sich zurückgeworfen. «Du bist zu 100 Prozent für dich verantwortlich. Du musst etwas bringen.» Das zwingt den Solisten, von allen Vorstellungen leer zu werden und seine Kräfte zu bündeln. Voirol findet das «eine gute Arbeit».

Der Saxofonist vergleicht dieses konzentrierte Fokussieren mit Exerzitien: jener klösterlich-spirituellen Übung, sich einer Sache ganz hinzugeben und so eine bestimmte Aufgabe zu verinnerlichen. Als eine meditative Tätigkeit lässt sich auch das Üben verstehen. Voirol übt gerne, wenn möglich jeden Tag drei Stunden. «Ich erforsche das Instrument, die Technik, die Geschwindigkeit, den klanglichen Ausdruck. Es ist für mich eine befreiende Tätigkeit. Wenn ich voll drin bin, ist das ein wenig wie durch das Universum zu fliegen.»

Musiker und Pädagoge

Mit dem Musiker Voirol ist untrennbar der Pädagoge verbunden. Er hat schon als Student unterrichtet. Offensichtlich liegt es ihm, Know-how weiterzugeben. «Ich betrachte mich als Coach, der versucht, die Studierenden dort zu führen und zu fördern, wo sie ihre Stärken entwickeln.» Dafür ist Voirol bereit, sich auch mal mehr als nötig zu engagieren. Seine Workshops sind nicht ab der Stange, sondern individuell aufbereitete Programme, die den jungen Instrumentalisten das Besondere bieten sollen.

Bach und Zappa

So bestellt Voirol für seine Workshops nicht einfach die Noten, sondern schreibt sich die Stücke eines bestimmten Musikers ab CD selber heraus. Das ist anspruchsvoll und zeitaufwendig, dafür kann er auf aktuelle Trends reagieren und beispielsweise einen Chris-Potter-Workshop anbieten. Kürzlich machte er einen Frank-Zappa-Work­shop, fokussiert auf dessen Bläser-Kompositionen. Voirol strahlt. «Ich habe rund 150 Stunden dafür aufgewendet. Aber es hat mich einfach gepackt, und ich wollte einen geilen Workshop anbieten.»

Bei dieser Gelegenheit hat ihn Zappas Musik wieder neu begeistert, den er als 15-Jähriger mit dem Album «Grand Wazoo» schätzen gelernt hatte. «Zappa ist für mich neben Johann Sebastian Bach der grösste Komponist. Es ist phänomenal, wie er die verschiedensten Stilistiken kombiniert. Zudem schätze ich seine provokative Art.» Und Bach? Voirol lächelt. «Es ist seine innere Logik, diese perfekte Mischung aus Melodie und Harmonie. Bach ist wie vollkommen. Man kann nichts dazufügen oder weglassen.»

Natur und Berge

Vielleicht sei er doch ein Handwerker, mutmasst Voirol, als wir darüber reden, was er neben aller Musik sonst noch so treibt. Im eigenen Haus in Hochdorf, wo er mit seiner Familie seit Jahren lebt, hat er ausgiebig Gelegenheit, zu planen, zu fräsen, zu feilen, zu bauen, elektrische Leitungen zu verlegen oder einen Velounterstand zu bauen. Das macht der Saxofonist ebenso perfekt wie einen Workshop mit den Studierenden. Gerne ist er auch auf Reisen oder in der Natur und in den Bergen unterwegs. Manchmal zieht er sich ein paar Tage in die Einsamkeit zurück. «Oh ja», lächelt John Voirol, «ich kann gut mit mir alleine sein.»

Hinweis

John Voirol spielt am 8. März (19 Uhr) im Pfarreisaal der Hofkirche Luzern (Doppelkonzert mit Hemingway-Strinning-Troller) und am 5. April im Burgbachkeller Zug. Weitere Konzerte finden in Baden, Biel, Dresden und Berlin statt. www.johnvoirol.ch

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