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PREISTRÄGER: «Zugang zur Klassik demokratisieren»

Der Cellist Edgar Moreau (21) erhält beim Konzert mit dem Luzerner Sinfonieorchester den Arthur-Waser-Preis. Mit seiner Musik will er Internetuser, Taxifahrer und Brahmsianer begeistern.
Will den Zugang zu klassischer Musik demokratisieren: Cellist Edgar Moreau. (Bild: PD/Julien Mignot)

Will den Zugang zu klassischer Musik demokratisieren: Cellist Edgar Moreau. (Bild: PD/Julien Mignot)

Interview Simon Bordier

Der französische Cellist Edgar ­Moreau (21) spielte am Freitag im Pariser Invalidendom bei den Gedenkfeierlichkeiten für die Terroropfer. Cello zu spielen begann er bereits mit 4 Jahren, mit 17 gewann er den 2. Preis beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Anlässlich des Preisträgerkonzerts des Luzerner Sinfonieorchesters erhält er diese Woche den mit 25 000 Franken dotierten Arthur-Waser-Förderpreis.

Edgar Moreau, Sie haben beim Tschaikowsky-Wettbewerb Aufsehen erregt und wurden dieses Jahr in Frankreich als «Instrumentalist des Jahres» ausgezeichnet. Sind Sie noch auf Förderpreise angewiesen?

Edgar Moreau: Der Arthur-Waser-Preis und der Auftritt als Solist mit dem Luzerner Sinfonieorchester bedeutet mir sehr viel. Schliesslich ist Luzern eine der ersten Adressen im internationalen Konzertbetrieb. Auch das Preisgeld kommt mir nicht ungelegen, denn als junger Künstler kann man etwa Studioaufnahmen oft nur mit Hilfe von Sponsoren realisieren. Es wäre illusorisch zu glauben, man sei als talentierter Musiker nicht auf Preise angewiesen. Sie verschaffen einem jene öffentliche Präsenz, die sich sonst auf gestandene Musiker konzentrieren würde.

Sie spielen Schumanns selten gespieltes Cellokonzert. Warum dieses Stück?

Moreau: Kein anderes Stück führt mich in vergleichbare poetische Höhen! Ich verbinde das mit dem Gefühl eines grossen Abenteuers. Denn ich habe es damals auch im Tschaikowsky-Wettbewerb gespielt und damit einen entscheidenden Schritt in meinem Musikerleben gemacht. Es gibt quasi eine Zeit vor und eine nach Schumann. Und vielleicht bricht jetzt mit dem Konzert im KKL wieder eine neue Zeit für mich an.

Sie haben 4-jährig mit dem Cellospiel begonnen. Wann haben Sie entschieden, Musiker zu werden?

Moreau: Mit 7 oder 8 Jahren. Da erschien es mir plötzlich so natürlich, Cello zu spielen, dass ich mir nichts anderes vorstellen konnte. Meine Eltern sind nicht Musiker, haben mich aber stets unterstützt.

Sie nennen den Cellisten Mstislaw Rostropowitsch als ein Vorbild. Was fasziniert Sie an dem 2007 verstorbenen russischen Musiker und Humanisten?

Moreau: Rostropowitsch ist es zu verdanken, dass das Cello im heutigen Konzertbetrieb fast so häufig als Soloinstrument zu hören ist wie etwa das Klavier oder die Geige; er hat gewissermassen zur Demokratisierung unter den Instrumenten beigetragen. Ein weiterer demokratischer Zug war die Art, wie er mit seinem Spiel und seiner Persönlichkeit die Massen mobilisiert hat, und zwar weit über ­Klassikkreise hinaus. Zudem wurden unzählige Meisterwerke des 20. Jahrhunderts von ihm in Auftrag gegeben und uraufgeführt.

Auf Ihrem Album «Play» ist von Schuberts «Ave Maria» bis zu Blochs «Prayer» alles, was das Klassikherz begehrt, konsumgerecht zu einer «Playlist» verpackt. Wollen Sie damit ein jüngeres Publikum ansprechen?

Moreau: Ich will damit nicht ein bestimmtes Publikum ein- oder ausschliessen. Dazu will ich Ihnen eine Anekdote erzählen: In einem Taxi in Paris fragte mich der Taxifahrer, was in dem Kasten stecke, der neben mir lag. Ich erklärte ihm, dass ich Cello spielte – und ich schenkte ihm am Schluss der Fahrt mein Album «Play». Eine Woche später hat er mir geschrieben, dass ihm meine Aufnahme gefalle und dass er sie nun öfters höre. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn ich hatte im Taxi bemerkt, dass er mit klassischer Musik nichts am Hut hatte. Dabei bin ich überzeugt, dass die Stücke, die dem Taxifahrer gefallen, auch einen eingefleischten Brahmsianer oder Beethovenianer überzeugen können.

Sie stehen also für eine Öffnung der klassischen Musik ein?

Moreau: Wenn wir in 20, 30 Jahren noch volle Konzertsäle haben wollen, so müssen wir heute einen Schritt hin zum Publikum tun. Dazu gehört, dass man attraktive Musikvideos oder kurze Stücke von zwei bis drei Minuten ins Internet stellt. Ich sehe die sozialen Medien als Chance, den Mitmenschen meine Musik auf Augenhöhe zu präsentieren. Es geht nicht darum, jedermann für Brahms oder Beethoven zu begeistern, aber der Zugang zur klassischen Musik sollte demokratischer werden. Ich sehe darin ein Generationenprojekt.

Hinweis

Preisträgerkonzert mit dem Luzerner Sinfonie­orchester im KKL, Luzern: Mittwoch, 2. Dezember, 19.30 Uhr sowie Donnerstag, 3. Dezember, 19.30 Uhr (mit anschliessendem Nachtkonzert mit Edgar Moreau); VV: Tel. 041 226 05 15.

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