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Lange Proben und kleine Partys im Orchestercamp

Mit «Superar Suisse meets Sinfonía por el Perú» treffen sich am Lucerne Festival zwei Institutionen, welche Musikbegeisterung teilen.
Katharina Thalmanne
Jugendliche aus Peru und der Schweiz am Music Camp des Lucerne Festivals, hier im Pfarreisaal bei der Hofkirche. (Bild: Pius Amrein, 13. August 2019)

Jugendliche aus Peru und der Schweiz am Music Camp des Lucerne Festivals, hier im Pfarreisaal bei der Hofkirche. (Bild: Pius Amrein, 13. August 2019)

Am Freitag, 16. August, beginnt das Lucerne Festival wie immer mit einem feierlichen Eröffnungskonzert. Doch nicht nur das Lucerne Festival Orchestra hat die ganze Woche für diesen Auftritt geprobt. Auch Chor und Orchester des Music Camp waren mit intensiven Proben für ihr KKL-Konzert am Samstag, 17. August, beschäftigt.

Im und um den Pfarreisaal der Luzerner Hofkirche wuselt, singt und musiziert es: Hier ist für diese Woche die Zentrale der 176 Kinder und Jugendlichen, 15 Tutoren und ebenso vielen freiwilligen und Helfern. Einige essen ihren Lunch fertig, andere plaudern, eine kleine Streichersektion spielt Beethovens Fünfte, und ein Flötist macht Aufwärmübungen. Das Stimmengewirr wird zum Mix aus Spanisch, Italienisch, Schweizerdeutsch und Österreichisch.

Sozialer Wandel durch die Musik

Spanisch sprechen die Musiker von der Sinfonía por el Perú. Nach dem Vorbild des venezolanischen El Sistema hat der Tenor Juan Diego Flórez das Sinfonía-Netzwerk 2011 gegründet. Italienisch und Schweizerdeutsch sprechen die Musike­rinnen von Superar Suisse, Österreichisch jene von Superar Austria.

Auch der Chorpädagoge Gerald Wirth, der Superar 2008 in Wien gegründet hat, nahm sich das Konzept von El Sistema als Vorbild: Es geht um sozialen Wandel durch Musik, um niederschwelligen Zugang zu musikalischer Bildung, um die Förderung von Verantwortungsgefühl gegenüber sich selbst und in der Gruppe. Jetzt, gut zehn Jahre später, hat Superar Standorte in Bosnien und Herzegowina, Rumänien, der Slowakei, Ungarn – und der Schweiz.

Registerproben beim grossen Vorbild

Hierzulande war der erste Standort die Aargauer Gemeinde Rottenschwil. Als der Superar-Chor 2012 gegründet wurde, war das Projekt auf drei Jahre ausgelegt. Der Chor existiert bis heute, und inzwischen sind sieben Standorte in der ganzen Schweiz von Lugano bis Basel hinzugekommen. Der Chor- und Instrumentalunterricht von Superar ist kostenlos; sämtliche Ausgaben werden durch Spende- und Stiftungsgelder finanziert.

Eine dieser Stiftungen ist die Hilti-Foundation. Die 1996 gegründete Stiftung mit Sitz in Liechtenstein unterstützt weltweit Projekte in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und gesellschaftliche Entwicklung. Die Förderung sozialer Musikprojekte ist für die Hilti-Stiftung zentral. So unterstützt sie auch El Sistema, die Academia Iberoamericana und die Sinfonía por el Perú.

Zurück nach Luzern: Am Dienstagnachmittag stehen Registerproben an. Sie werden von Mitgliedern des Lucerne Festival Orchestra geleitet. Besonders für die Violinen- und Bratschensektion ist das ein besonderes Erlebnis: Ihr Lehrer für den Nachmittag ist Alejandro Carreño.

Der venezolanische Geiger ist erster Konzertmeister des Orquesta Sinfónica Simón Bolívar. Der Klangkörper ist sozusagen die Spitze der rund 30 El-Sistema-Orchester. Carreño ist in diesem Netzwerk grossgeworden, sein Vater war einer der Mitgründer. Besonders die peruanischen Musiker machen grosse Augen, als eines ihrer Vorbilder plötzlich vor ihnen steht.

Maximale Intensität – auch für den Mambo

«Wie kann ich euch helfen?», fragt er als erstes in die Runde. Die anwesenden Tutoren empfehlen, einen komplizierten Mambo zu proben. Carreño ist recht streng: «Es ist gut, aber nicht gut genug!», ruft er, oder: «Auch wenn es ein Mambo ist, müsst ihr ihn mit Qualität spielen!» Die Kinder und Jugendlichen hören seinem Mix aus Spanisch und Englisch gebannt zu. Auch wenn er mit den Violas arbeitet und die Violinen warten müssen, lässt die Aufmerksamkeit nie nach, und es wird kein einziges Mal ein Handy gezückt.

Im Gespräch sagt Carreño: «Es ist wichtig, dass sie verstehen, was Musikmachen bedeutet. Heute, wo Musik jederzeit verfügbar ist, schenkt man ihr weniger Aufmerksamkeit. Auch die Arbeit oder die Schule haben immer weniger Aufmerksamkeit. Wenn man aber Musik macht, muss man es bis in die letzte Konsequenz tun, mit maximaler Intensität.» Dann spiele es auch keine Rolle, ob man einen Mambo spielt oder einen Trauermarsch.

Ein Abend mit Kostümen und Süssigkeiten

Intensiv ist auch der Probeplan des Orchestercamps. Diese Woche stehen alle früh auf, proben den ganzen Tag – und geniessen die Abendprogramme. Jedes Land organisiert einen Abend in der Jugendherberge am Stadtrand, wo die Teilnehmer des Chor- und Orchestercamps untergebracht sind.

Am Montag gab es einen peruanischen Abend, inklusive Kostüme und peruanischer Süssigkeiten. Carreño lacht: «Ich erinnere mich! Als ich in diesen Camps war, waren wir sehr müde am Abend – aber die Energie für eine kleine Party brachten wir immer auf.»

«Superar Suisse meets Sinfonía por el Perú». Chor und Orchester des Music Camp von Lucerne Festival, mit Gerald Wirth und Hugo Carrio (Dirigenten), Juan Diego Flórez (Tenor), am Samstag, 17. August, 11 Uhr, KKL. Karten für 10 bzw. 20 Franken via www.lucernefestival.ch.

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