PROGRAMM: Festival über die ganze Saison hinweg

Eröffnung mit Argerich, Beethoven-Festival, grosse Oper: In der nächsten Saison führt das Luzerner Sinfonieorchester seinen Erfolg fern aller Routine weiter.

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Protagonisten des Beethoven-Festivals: Intendant Numa Bischof, Pianist Oliver Schnyder (von links), Chefdirigent James Gaffigan (Mitte) und Musiker des Luzerner Sinfonieorchesters. (Bild: Eveline Beerkircher)

Protagonisten des Beethoven-Festivals: Intendant Numa Bischof, Pianist Oliver Schnyder (von links), Chefdirigent James Gaffigan (Mitte) und Musiker des Luzerner Sinfonieorchesters. (Bild: Eveline Beerkircher)

Urs Mattenberger

Seit der Eröffnung des KKL-Konzertsaals 1998 hat das Luzerner Sinfonieorchester seine Besucherzahl mit rund 50 000 pro Saison mehr als verdreifacht. Und obwohl der Neuigkeitsbonus des Hauses weggefallen ist, hält es sich auf diesem Niveau. Trotz stärkeren Schwankungen in der Auslastung dürfte sich diese am Ende dieser Saison in der Höhe des Vorjahres (87 Prozent) bewegen.

Gemeinsame Sprache für Beethoven

Seit das Haus nicht mehr neu ist, müssen umso mehr die LSO-Programme selber die Neugier wachhalten, um dieses Niveau zu halten. Dazu gehören Starsolisten, die immer wieder kommen: So wird die gestern präsentierte Saison 16/17 mit Martha Argerich, der Grande Dame des Klaviers, glanzvoll eröffnet. Immer wichtiger werden daneben profilierte Programme. Dafür bietet die nächste Saison ein Paradebeispiel mit einem Beethoven-Festival, wie man es selbst am Lucerne Festival noch nicht erlebt hat.

Den Anstoss dazu gab der Vorschlag des international aufstrebenden Schweizer Pianisten Oliver Schnyder, gemeinsam ein Klavierkonzert von Beethoven zu machen. «Wir verstehen uns zwar als Beethoven-Orchester, von der Stammbesetzung wie von der Entstehungszeit her», sagt dazu Intendant Numa Bischof Ullmann. Aber ein einzelnes Klavierkonzert wäre gerade aus diesem Grund fast Routine gewesen.

So entstand die Idee, gleich den ganzen Zyklus aller fünf Klavierkonzerte gemeinsam zu machen. «Damit können Schnyder und das Orchester unter seinem Chefdirigenten James Gaffigan eine gemeinsame Sprache entwickeln», so Bischof. Und so entstand ein Projekt, das sich durch die ganze Saison hindurchzieht und in der Aufnahme von Beethovens Klavierkonzerten und Ouvertüren für Sony Classical gipfelt.

Salon, Werkstatt und grosses Finale

Das Kick-off zu diesem Beethoven-Festival gaben gestern bei der Programmvorstellung Schnyder und Stimmführer des Orchesters. In dieser Formation startet auch der Zyklus am Anfang der Saison: An drei Sonntagen erklingen im Salon des Hotels Kulm auf dem Pilatus alle Klavierkonzerte in damals üblichen Kammermusik-Fassungen. Jeweils am Vorabend spielt der Pianist Klaviersonaten aus den entsprechenden Schaffensperioden des Komponisten. Zur persönlichen Ambiance gehört, dass Konzertbesucher zwischen Nachtkonzert und Matinee im selben Hotel übernachten können wie die Musiker.

Die zweite Station des Beethoven-Zyklus ist ein «Entdeckertag» mit Werkstatt-Einblicken in Sälen des KKL. Höhepunkte sind die Orchesterwerkstatt «Beethoven Prima Vista», in der das LSO mit Schnyder ohne vorgängige Proben Ausschnitte aus allen Klavierkonzerten vorstellt, sowie das Sinfoniekonzert am Abend mit dem Pianisten Leif Ove Andsnes: Der Norweger, der am Lucerne Festival alle Beethoven-Konzerte aufgeführt hat, spielt mit dem Norwegian Chamber Orchestra Klavierkonzerte von Mozart. Das grosse Finale sind am Ende der Saison drei Sinfoniekonzerte mit den Klavierkonzerten und Ouvertüren von Beethoven.

Grosse Oper und Starsolisten

Nach dem Erfolg mit Opern-Auszügen von Verdi und Tschaikowsky am diesjährigen Zaubersee-Festival ist ein weiteres Novum die integrale Aufführung einer Oper im KKL. Wiederum im Rahmen der Tage russischer Musik erklingt mit Tschaikowskys «Pique Dame» ein Werk, das im Luzerner Theater sinnvoll nicht aufzuführen wäre. Möglich machen die Eigenproduktion mit handverlesenen Solisten die privaten Sponsorenbeiträge ans Zaubersee-Festival.

Dass der Saisonalltag neben diesen Höhepunkten nicht abfällt, dafür sorgen zum einen die eingeladenen Solisten. Der Cellist Steven Isserlis tritt etwa in beiden Neujahrskonzerten einmal mit Tschaikowskys Rokoko-Variationen, einmal als dirigierender Solist auf. Thomas Quasthoff ist der Sprecher im «Egmont» von Goethe/Beethoven und in Schönbergs «Ode to Napoleon». Der Pianist Kirill Gerstein ist Solist in Werken von Busoni und Richard Strauss (Burleske).

Kinder- und Gemeinschaftsprojekte

Im Übrigen führt die Saison Repertoire-Linien weiter, in denen sich das Orchester stark profiliert hat. Dazu gehören neben weiteren Werken von Beethoven ein Dvorak-Fest sowie Programme mit russischer Musik (von Tschaikowsky die «Pathétique» unter Pinchas Steinberg und das Violin- und erste Klavierkonzert mit jungen Solisten).

Unter den Erst- und Uraufführungen sticht die Ranft-Suite des Obwaldner Komponisten (und Dieter-Ammann-Schülers) Christoph Blum heraus, bei der 200 Schüler mitwirken. Neben diesem attraktiv programmierten Familienkonzert zeigt die zweite Ausgabe des «Rising-Star»-Projekts das Bestreben, die Musikvermittlung im Rahmen von LSO-Horizonte und für Schüler stärker in die Hauptprogramme zu integrieren.

Weitergeführt werden neben Lunch- und Nachtkonzerten sowie Kammermusikmatineen Koproduktionen mit lokalen Kräften. Dazu gehört neben dem Weihnachtssingen eine Aufführung von Mengelbergs Luzerner Messe (mit dem Ensemble Corund) und der gemeinsame Auftritt mit der Jungen Philharmonie Zentralschweiz am Szenenwechsel-Festival der Musikhochschule (mit der Geigerin Isabelle van Keulen).

Hinweis

Mit dem Erscheinen des Programmbuchs (55 Veranstaltungen auf 194 Seiten) sind ab sofort schriftliche Bestellungen für alle Konzerte möglich: Luzerner Sinfonieorchester, Kartenbüro, Pilatusstrasse 18, 6003 Luzern

www.sinfonieorchester.ch