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Martin Gössi holt legendäre Punkband in den Sedel

Mit Hass kommt am Samstag eine deutsche Punkband der ersten Stunde. Und Veranstalter Martin Gössi bringt diesen Winter noch weitere Legenden auf die Bühne. Punk forever?
Pirmin Bossart
So wirbt die legendäre Punkband Hass für ihr Konzert im Sedel, inklusive Statement gegen den Rechtsradikalismus. (Bild: PD)

So wirbt die legendäre Punkband Hass für ihr Konzert im Sedel, inklusive Statement gegen den Rechtsradikalismus. (Bild: PD)

Kein Tag vergeht, an dem Martin Gössi (53) nicht mit Punk beschäftigt ist: als Veranstalter, Plakatgestalter, Musikhörer, Festivalreisender, Do-it-yourself-Maniac. Die Impfung mit Punk, die er als Jugendlicher erhielt, hat bis heute nichts an Wirkung verloren. «Punk ist ein Energieschub. Er gibt dir einen Tritt in den Arsch, treibt dich an. Ich höre auch andere Musik. Aber Punk ist mein Motor.» Gössi lacht. Man hört sofort, wie rund dieser aufgekratzte Motor noch immer läuft.

Bis im Februar 2019 wird er an sechs Konzertblöcken wieder ein paar seiner Heroes in den Sedel bringen. Der Konzertreigen beginnt am Samstag mit der Band Hass. «Sie gehörten zu den ersten Bands, die unabhängig waren und deutsche Texte gesungen haben.» Als 15-Jähriger habe er Hass zum ersten Mal gehört. «Wenn du ihre Musik mit dem Ghettoblaster spazieren geführt hast, haben sich die Leute schon umgedreht. Um es mal nett zu sagen.»

Die legendäre deutsche Punkband Hass. (Bild: PD)

Die legendäre deutsche Punkband Hass. (Bild: PD)

Rundumschlag gegen alles

Auch textlich habe ihn die Band beeindruckt. «Sie waren zynisch, direkt, witzig. Inhaltlich war das ein Rundumschlag gegen alles. Das hat einem als Jugendlicher fasziniert, aber auch zum Nachdenken und Hinterfragen gebracht.» Gössi schätzt an Hass deren klare Position gegen rechts. «Gebt den Nazis keine Chance» heisst einer ihrer Songs. Der Name «Hass» provozierte schon damals. Daran hat sich nichts geändert. Punk hat etwas Zeitloses.

Viele der weiteren Bands, die im Sedel spielen werden, sind alte Bekannte. UK Subs gehören zu den grossen englischen Punkbands der ersten Stunde. Sie sind jedes Jahr im Sedel. Sänger Charlie Harper wird nächstes Jahr 75. Harper ist für Gössi ein Beispiel dafür, dass Punk keine Alterslimiten kennt, im Gegenteil. «Wenn du erlebst, was dieser Sänger für eine Energie mobilisiert und wie die Band abdrückt, dann gibt das auch dir einen Pfupf. Hey, es ist noch nicht fertig, es geht weiter!»

Nicht alle halten so lange durch. Das Leben hat Ecken und Kanten, fordert und überfordert. Zudem ist Punk eine Energiemusik. Das setzt natürliche Grenzen. So werden The Vibrators, die im Februar 2019 im Sedel programmiert sind, letztmals auf Tour sein. Eddie, der Schlagzeuger und Sänger, ist mittlerweile 70. Er fühle sich energetisch nicht mehr auf dem höchsten Pegel, weiss Gössi. Also habe ihm Eddie gesagt: «Wenn ich nicht mehr voll powern kann, höre ich lieber auf.» Auch das ist Punk. Alles oder nichts.

Konzertveranstalter Martin Gössi hörte die Punk-Band Hass als 15-Jähriger erstmals. Jetzt holt er sie in den Sedel. (Bild: Manuela Jans-Koch, Luzern, 16. Januar 2017)

Konzertveranstalter Martin Gössi hörte die Punk-Band Hass als 15-Jähriger erstmals. Jetzt holt er sie in den Sedel. (Bild: Manuela Jans-Koch, Luzern, 16. Januar 2017)

Mit TV Smith (1. Dezember) freut sich Gössi auf einen «begnadeten Songwriter», der sich mit der sozialen Realität Englands ­befasst. «Expensive being poor» lautet einer seiner Songs. Ganz im Sinne von Punk würden die Texte weder predigen noch jammern oder anklagen, «sondern den ganzen Scheiss mit Witz auf den Punkt bringen. Alles andere wäre langweilig.» Obwohl TV Smith allein mit akustischer Gitarre und Stimme auf der Bühne steht, zieht er das Publikum in Bann.

Von den Anfragen her könnte Gössi viel mehr veranstalten. Desgleichen mit seinen Plakaten oder dem Bedrucken von T-Shirts mit seinen Poster-Motiven. «Ich bin immer dran. Es muss mich packen, sonst lasse ich es sein.» Es gibt ja noch genug anderes zu tun. Zum Beispiel den Kalender mit ausgewählten Plakaten, den er in drei Versionen im Herbst zum dritten Mal herausbringt.

Neue Punk-Szene wächst heran

Um die Zukunft von Punk ist er nicht besorgt. Er höre wieder vermehrt junge Bands, die laut und experimentierfreudig seien. Auch die Mischungen von Hip Hop und Punk, die auftauchten, würden bei der jungen Generation den Spirit wachhalten oder sie motivieren, das alte Zeugs mal zu checken. Sowieso: «In Zeiten der Krise oder populistischer Politik, wie sie heute verschärft zu erleben sind, taucht Punk wieder aus den Löchern auf. Das sieht man in den USA oder in Deutschland, wo eine neue Szene heranwächst.»

Samstag 6.10., 21 Uhr, Sedel Luzern: Hass (D), Stink (CH). Weitere Konzerte: 7.11.: Street Dogs (Boston), 1.12.: TV Smith (GB), 15.12.: Mega Mosh, 1.2.19: The Vibrators, 9.2.: UK Subs (GB).

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